Warum Kontakt an der Leine nicht tabu ist!

Warum Kontakt an der Leine nicht tabu ist!

Na klar ist es klasse, wenn Hunde sich im Freilauf begegnen und sich dabei mit einem höflichen Sozialverhalten erkunden können. Doch, was ist mit den Hunden, die nicht in den Freilauf gehen? Bleiben diese dann ohne Kontakte?

Wie schade für einen Hund, der vielleicht bei lauten Geräuschen flüchtet und deswegen an der Leine gesichert ist! Was ist in der Brut- und Setzzeit? Oder in Gebieten, wie Naturschutzgebieten, in denen Leinenpflicht herrscht?

Zudem kommen wir alle oft genug in die Situation, dass freilaufende Hunde in uns  rein rennen. Wie schön, wenn unser Hund dann einen Kontakt an der Leine kennt…

Ich bin dagegen, Hunden die Möglichkeit pauschal zu verwehren. Wie so oft geht es nicht um das „ob“ oder „ob nicht“, sondern um das „wer“ und „wie“.

Dein Ziel sollte es sein, dass dein Hund – egal wo ihr aktuell steht – irgendwann in nicht allzu ferner Zeit Nahkontakte haben darf. Denn auch wenn Hunde nicht unbedingt fremde Artgenossen brauchen, einen echten Hundekumpel sollten sie schon haben.

Außerdem sollte nicht jede Begegnung euch gleich aus der Fassung bringen. Wenn es also so weit ist, dass du wieder über Kontakte nachdenkst, schlage ein paar Purzelbäume und dann bereite dich gut vor!

Annäherung seitlich oder von hinten

Frontale Annäherungen sind immer bedrohlich und erregungssteigernd. Keine gute Voraussetzung für einen angenehmen Kontakt. Gestaltet man Begegnungen so, dass sich einer langsam dem anderen von der Seite oder von hinten nähert, kann das schon anders aussehen. Ein Stück nebeneinander herlaufen und dabei Stück für Stück die Distanz verringern, ist ein weiterer Weg. Wichtig: Achte immer darauf, dass beide Hunde sich wahrgenommen haben!

Lockere Leine

Solange einer der Hunde zum anderen hinzieht, ist das keine schöne Ausgangssituation. Deswegen gilt im Nahkontakt bitte immer: Leine locker! Je mehr Anspannung in der Leine ist, desto mehr Spannung kommt von außen in die Situation.

Ich trainiere deswegen gerne, dass wir erst üben uns an durchhängender Leine anzunähern oder aneinander vorbeizulaufen. So hast du direkt eine gute Strategie, wenn du merkst, dass es hier nicht passt. Dafür nutze ich gerne die Bögen und Schlangenlinien, zu denen du in diesem Blogartikel mehr lesen kannst.

Nicht mit jedem

Natürlich ist nicht mit jedem Hund und Halter ein Leinenkontakt möglich. Wenn du lernst, die Körpersprache der Hunde zu lesen, wirst du schnell erkennen, um wen ihr lieber einen Bogen macht.
Ich mache am liebsten immer erst einen Bogen und lasse dann möglicherweise von hinten den Kontakt zu, wenn beide Hunde ein entsprechendes Interesse bekunden. Dafür spreche ich den Menschen dann einfach höflich an.
Gerade bei meiner Minnie erkennt man dabei schnell, ob sie wirklich Interaktion will.
Das Geniale: Wenn wir schon vorbei sind, fällt es niemandem auf, wenn wir beide doch die Nase rümpfen und lieber schnell das Weite suchen!

Nicht nur der Hund zählt

Auch die Menschen schaue ich mir gut an. Erwarten sie, dass ihr Hund gleich Blödsinn macht?

Auch, wenn der Mensch die Leine schon straffer nimmt, über die Leine „korrigiert“ – also ruckt oder den Hund anders maßregelt, bin ich raus. Ich möchte beiden Hunden eine unangenehme Erfahrung ersparen und vor allem möchte ich nicht, dass mein Hund vielleicht zum Blitzableiter wird. Denn Hunde, die häufig geschulmeistert und unterdrückt werden, können dadurch zum sprichwörtlichen Pulverfass werden.

Nur mit bestimmten Leinen

Ein wichtiges Kriterium sind für mich die Situationen und die Leinen. Ist eine kordelartige Leine oder eine Roll-Leine im Spiel, gibt es bei mir keinen Leinenkontakt.  Das Verheddern kann üble, schmerzhafte Folgen haben.

Ein fallender Körper der Roll-Leine erschreckt nicht selten und kann so zu einer dämlichen Situation führen.

Am liebsten sind mir schlichte Leinen, Biothane, Leder und auch andere Materialien, die nicht dazu neigen sich zu verheddern oder einzuschnüren.

Checke die Situation

Wenn Hunde sich begrüßen, ist es normal, dass sie sich umkreisen, um die Analregion zu beschnüffeln. Wenn beide Hundehalterinnen ein gutes Leinenhandling haben, ist das kein Problem. Wenn nicht, kann es zu Knoten in den Leinen kommen.  Ich möchte nicht, dass die Besitzer nach den Leinen und damit den Hunden greifen. Daher ist es mir wichtig, dass sich im Zweifel einer traut die Leine fallen zu lassen.

Auf einem Bürgersteig, in einer Enge mit anderen Passanten ist das keine gute Idee. Auch nicht da, wo Radfahrer und Jogger im Minutentakt an uns vorbeischießen.

Schaffe Raum

Wenn dein Hund einen anderen begrüßt ist es ganz normal, dass du zuschauen willst. Drehe dabei die Füße und die Körperfront schon ein Stück in die Richtung, in die du weitergehen willst bzw. von den Hunden weg.

Wenn beide Menschen direkt an den Hunden stehen und sich zu ihnen drehen, machen wir den Raum unnötig eng und drücken die Hunde körpersprachlich in die Begegnung.

Drehst du dich bereits ein wenig weg, signalisierst du deinem Hund, dass ihr jederzeit weiter könnt.

Sicherheit geht vor

Dein Hund hatte lange keinen Nahkontakt? Dann suche dir ein Partnerteam, mit dem du langsame Annäherungen trainieren kannst. Vielleicht findet ihr einen Ort mit Zaun zwischen euch? Auch ein Maulkorbtraining im Vorfeld kann richtig viel Sinn machen!

Übe deinen Hund zu lesen und deine und seine Anspannung im Auge zu halten um eventuell früh genug eingreifen zu können ohne, dass es zu hektisch oder chaotisch wird.
Nimm dir Zeit! Es geht nicht darum, dass dein Hund mit allen und jedem Kontakt hat. Sondern darum, dass ihr die Chance bekommt neue (Hunde) Freundschaften zu schließen und hündische Kommunikation zu üben.

Nun fragst du dich sicher, wo und wie du das alles lernen und gut angehen kannst, oder?
Viele Hundeschulen bieten bereits Social Walks oder BAT Trainingssessions an. Diese sind ideal dafür! Geht das nicht, schau doch mal, ob du einen lokales Team findest, mit dem du dich treffen und das üben kannst.

In meinem kommenden Newsletter gebe ich dir wertvolle Inhalte zur Gestaltung eines solchen Social Walks an die Hand. Einfach hier abonnieren!

 

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Aggressiver Hund an der Leine – so startest du dein Training!

Aggressiver Hund an der Leine – so startest du dein Training!

Kein Blog, Podcast oder Buch der Welt ersetzt den Gang zum Tierarzt, Therapeuten oder Trainer!
Hundetraining funktioniert nicht nach Rezept. Manch schneller Tipp, kann ein echter Fehlschlag sein. Wann immer du etwas mit deinem Hund versuchst, sammelt er Lernerfahrungen. Sorge dafür, dass es die richtigen sind!

Leinenaggression ist ein häufiges Problem. Zu den möglichen Ursachen kannst du hier etwas lesen.

Um dauerhafte Resultate zu erzielen, benötigst du ein strukturiertes Training. Die Devise lautet: Kleinschrittig Veränderungen einsickern lassen und so neue nachhaltige Gewohnheiten schaffen.

Auch wenn du im Alltag immer wieder in Situationen kommst, denen ihr (noch) nicht gewachsen seid. Es lohnt sich, die Trainingselemente zunächst außerhalb der Situation zu trainieren – ohne Druck, mit Spaß und Freude!

Solange du diese Elemente nicht beherrscht, vermeide Begegnungen ruhig erst einmal. So habt ihr weniger Stress im Alltag. Dein Hund und du regeneriert und könnt gemeinsam schöne Erfahrungen sammeln. Doch selbst, wenn das gar nicht geht:

Suche dir häufig schöne Lernsituationen.

Diese vier Elemente bilden das perfekte Fundament für gelassene Begegnungen!

LeinenFÜHRUNG

Unsere Leinen sind ein Hilfsmittel, sie sollen Halt geben, zur Not absichern und den Hund ausbremsen.

Die Leinenführung des B.A.T. (Behavior adjustment training nach Grisha Stewart) ist genau darauf ausgelegt. Das Handling ist gewöhnungsbedürftig. Hast du es einmal verinnerlicht, wirst du dich fragen, warum du es nicht schon immer so gehandhabt hast! Es lohnt sich deswegen, es zu üben.

Die wesentlichen Merkmale dabei sind:

Die Leine ist in beiden Händen. Eine ist die „Leinen-Garderobe“. Die zweite Hand führt. Die Übergänge hängen dabei durch, ohne auf dem Boden zu schleifen oder zur Stolperfalle zu werden. „Die lächelnde Leine“ nennt man das. Das bietet Spielraum.

Der Hund bekommt wenig Informationen über die Leine mitgeteilt. Er darf sich möglichst ungestört bewegen. Wird es nötig, ihn auszubremsen, geschieht das sanft. Die Führhand schließt sich Stück für Stück.

Es ist wie beim Autofahren: Sei du der vorausschauende Partner, der früh genug ausrollen lässt, vorsichtig abbremst. Vollbremsungen vermeidest du.

Die Leinenführung ist nicht ohne Grund ein wesentlicher Aspekt des BAT. In diesem Video von Grisha Stewart präsentiert sie es.

Weitere Tipps zur Leinenführigkeit gibt es auch in diesem Blogartikel: „Leinenführigkeit: 12 Tipps für Gelassenheit und Freude.“ 

Die Kehrtwendung

Klar, Ziel ist es, dass unser Hund gelassen an Artgenossen vorbeimarschiert, hier und da Nahkontakt haben kann und den unleidlichen Kollegen aus dem Wege geht.

Doch ehe das soweit ist, ist es einfach sinnvoll zu wissen, dass du aus jeder Situation rauskommst. Und genau dafür ist die Kehrtwendung perfekt. Der Weg ist zu eng? Dir kommt plötzlich jemand entgegen? Dann dreh um.

Stelle dir vor, ihr könntet auf dem Absatz umkehren, so weit zurückgehen, dass du eine geeignete Stelle zum Passieren findest. Wäre das nicht genial?

Mit Spaß und Action aufgebaut, in vielen Situationen mit vielfältigen Ablenkungen und Erregungslagen trainiert, ist die Kehrtwendung die Rettung. Damit dein Hund nicht mehr so häufig aus dem Fell hüpft.

Du startest, indem du dich zackig umdrehst, sodass es dein Hund mitbekommt. Dreht er sich mit, belohnst du großzügig in die Laufrichtung. Bevor du ein Signal einführst, achte darauf, dass du in unterschiedlichsten Situationen alleine mit deiner Drehung die Wendung deines Hundes initiierst.

Bögen und Schlangenlinien

Bist du ein geradliniger Typ? Jemand der Klarheit liebt und für den es „Augen zu und durch“ bedeutet, dass man sich zusammengerissen und was geschafft hat?

Von klein auf werden wir darauf gedrillt: Trödeln, schlendern ist nicht genug. „Lauf doch mal vernünftig geradeaus.“

Genau deswegen tun wir uns so schwer damit in Schlangenlinien und Bögen auf andere zuzulaufen. Doch für unsere Hunde gilt:

Alles was zackig, von vorne, frontal und in einer Linie auf sie zukommt, ist bedrohlich. Das Gehirn lässt sofort die Erregung steigen. Sie sind auf das Schlimmste gefasst….

Eine freundliche Annäherung ist eine kurvige. Hilf deinem Hund, in dem du Kurven übst. Es gibt euch Zeit, es signalisiert dem Gegenüber, dass ihr nicht in gefährlicher Mission unterwegs seid. Es treibt das Erregungslevel deines Hundes nicht unnötig in die Höhe.

Denkst du gerade: „Habe ich schon probiert, klappt nicht!“. Je länger dein Hund andere Sachen gemacht hat, desto schwerer ist es für ihn, dieses Verhalten zu zeigen. Deswegen trainiere es außerhalb der Situationen, verknüpfe es mit schönen Momenten. Erst dann beginne es zu starten, sobald ihr etwas trefft, was eure Aufmerksamkeit erregt.

So wird es als Strategie in sein Gehirn sickern. Ihr könnt es mehr und mehr in (einst) schwierige Situationen mitnehmen.

Vor jedem „Nein“ gibt es ein „Ja“!

Das erste Mal habe ich diesen Satz bewusst aus dem Mund von Esther Follmann/CaneAmi wahrgenommen.

Eine Trainerkollegin, die ich dir absolut ans Herz legen mag. Wenn du Gelegenheit hast, mit ihr zu arbeiten: Mache es! Ich durfte viel von ihr lernen.

Der Gedanke ist: Verhalten, das vor deinem Problem kommt zu verlängern. So schiebt sich das doofe nach hinten, wird vielleicht sogar unnötig oder du hast einen Grundstein für anderes.

„Einfangen“ (Capturing) nennt man die zu Grunde liegende Trainingstechnik. Sie ist eine besonders schonende und effektive Art dem Hund etwas beizubringen. Das geniale daran ist, sie setzt den Fokus auf die Dinge, die funktionieren. Das macht mehr Spaß, verhindert neuen Stress und Druck.

Du brauchst dafür vor allem die Fähigkeit deinen Hund zu lesen. Wenn du erkennst, was du einfangen solltest und wie passende Belohnungen aussehen, ist die Katze im Sack.

Die Kunst zu erkennen, wann man agiert und wann man „einfach mal lassen machen kann“, kann jeder lernen! Auch du. Starte dafür in gut überschaubaren und sicheren Situationen.

Mit diesen vier Elementen baust du ein super Fundament, das auf einer guten Beziehung, verlässlichen Partner und Spaß basiert. Du verlierst dabei weder die Ernsthaftigkeit aus den Augen, noch brauchst du eine maßgeschneiderte Umwelt.

Alle vier Grundsteine erarbeiten wir uns im Übrigen in meinem Programm „Ein echtes Team“. Und das schon im ersten Modul.

Du willst mehr von mir lesen? Melde dich zu meinem Newsletter an und erhalte „on top“ weitere Infos und Anregungen für dein Leben mit Hund!

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Vier Ursachen, warum dein Hund aggressiv an der Leine reagiert

Vier Ursachen, warum dein Hund aggressiv an der Leine reagiert

Du hast es so satt und verstehst es nicht? Bei jedem anderen Hund, Jogger oder Radfahrer flippt dein Hund an der Leine total aus! Selbst stinknormale Fußgänger sind manchmal nicht vor ihm gefeit.

Du hast alles probiert. Trainierst gefühlt seit Jahren daran, aber es hilft nicht. Jedes Mal, wenn ihm was nicht in den Kram passt, geht er hoch, wie eine Bombe ohne Zündschnur.

Du schämst dich in Grund und Boden, weil er sich schlichtweg asozial verhält und die Leute natürlich schief gucken. Dabei fällst du so ungern auf – vor allem auf diese Art.

Du liebst deinen Hund – keine Frage. Das Leben mit ihm könnte wunderbar sein, wenn es die Umwelt nicht gäbe.

Das Schlimmste für dich ist, dass du weißt, dass es euch beiden nicht gut tut, was da abgeht.

Dein Hund hat eine sogenannte „Leinenaggression“. Er ist kein böser Hund. Er macht das nicht, weil es ihm Spaß macht.

Doch warum reagiert dein Hund aggressiv gegen Artgenossen, Menschen oder anderes? Er ist doch kein grundsätzlich aggressiver Hund!

Lass mich dir ein paar mögliche Ursachen dafür erklären:

Er fühlt sich bedroht

Wenn dein Hund einen anderen Hund sieht, wägt sein Gehirn ab: Fortpflanzungspartner oder Konkurrent? Damit das in der Natur nicht zu oft schief geht, werden Artgenossen primär bedrohlich eingestuft.

Das geschieht im Mandelkern, einem Teil des Gehirns, der nicht nur blitzschnell ist, sondern vor allem für Angst und Aggression zuständig ist. Die Aufgabe des Gehirns ist es eine Berechnung zu erstellen und herauszubekommen, was das Sinnvollste ist.

Mit einem großem Repertoire an angenehmen Erfahrungen wird sein Gehirn sofort melden „Kein Problem, bekommen wir hin. Ich kenne einen Weg“.

Das gilt auch wenn er Strategien hat, die sich häufig bewährt haben und mit schönen Emotionen verknüpft sind.

Für diese Entscheidung sind einige Grundvoraussetzungen nötig, zum Beispiel, dass dein Hund nicht gerade starke unangenehme Emotionen empfindet oder sehr gestresst ist. Dann ist das Gehirn auf Autopilot. Es kommt an diese Strategien nicht heran.

Hat dein Hund diese Taktiken nicht, ist er so erregt, emotional oder strapaziert, dass er sie nicht abrufen kann, macht es aus seiner Perspektive Sinn, dem anderen zu zeigen, dass man sich zu wehren weiß.

Na gut, für Artgenossen mag das stimmen, aber wieso dann bitte bei Menschen?

Alles, was sich schnell, geradlinig und vielleicht sogar von vorne annähert, wird als bedrohlich eingestuft. Das ist der Autopilot gegen Fressfreinde und Jäger. Hier heißt es blitzschnell klarmachen, dass man keine leichte Beute ist!

Er ist frustriert

Frustration ist ein RIESIGES Thema. Sie ist ziemlich häufig die Ursache für Verhaltensprobleme. In Kombination mit der Leine tritt Frust schnell auf, wenn die Leine für den Hund eine Bewegungseinschränkung darstellt.

Hat dein Hund dann die Leine nicht als angenehmes Hilfsmittel kennengelernt, zieht bis heute wie ein Berserker oder hat Leinenkorrekturen erhalten, wird die Einschränkung für ihn deutlich schwieriger.

Selbst wenn er sonst gut erträgt, an der Leine zu sein, kann es mit der Annäherung von anderen eben zu viel werden. Die Kombination ist dann das Gift.

Doch eine Leine alleine frustriert nicht. Sie frustriert dann, wenn dein Hund sich dadurch regelmäßig ausgebremst fühlt, weil er seinen Bedürfnissen nicht nachgehen kann.

Der Frust entsteht auf vielen Wegen. Zwei häufige Gründe sind:

Dein Hund hat nicht gelernt, an anderen Hunden oder Menschen ohne Kontakt vorbeizugehen. Als er klein und niedlich war, durfte er immer hin. Dann kam die Jugendentwicklung, er wurde zum ungestümen Rüpel, und durfte plötzlich nicht mehr.

So entsteht ein enormer Frust. Das Bedürfnis hinzugehen wird immer größer, das Ausbremsen immer ätzender. All das verknüpft der Hund mit der Situation und tadaaaaaa, er wird plötzlich aggressiv.

Dein Hund hat ein ausgeprägtes Jagdverhalten. Doch er darf (natürlich) nicht einfach jagen gehen. Deswegen bleibt er an der Leine. Er unterdrückt das Jagdverhalten mehr oder minder und es staut sich ein enormer Druck in ihm an. Wenn dann schnelle, bewegliche Dinge (Radfahrer) vorbeizischen, steigt seine Erregung so hoch, dass sich der Druck entlädt. Er setzt ihnen hinterher.

Oft ist diese Komponente mit einer Angst im Vorfeld verbunden. Zum Beispiel einer Geräuschangst, die durch Motorengeräusche oder das Zischen der Räder auf dem Untergrund ausgelöst wird oder einer Befindlichkeit gegenüber fremden Menschen. Die Angst lässt das Nervenkostüm dünner werden und dein Hund kann die Reaktion nicht mehr unterdrücken.

Ein gelbes Band oder Tuch an der Leine oder dem Hund bedeutet „mehr Abstand bitte“ oder „gebt uns Zeit auszuweichen“. Betrifft Mensch und Tiere. (Für mehr Informationen besucht gern die Facebook-Seite: https://www.facebook.com/GelberHundDeutschland/)

Seine andere Kommunikation hat ihm nicht geholfen

Eine Kollegin hat mir einst über meine Herdenschutzhündin Nayeli gesagt:

„Die ist super. Die kommuniziert so fein und klar. Sie legt nur verdammt viel Wert auf Etikette und wenn der andere sich nicht daran hält, ist die Lunte zu kurz.“

An dieser Stelle tausend Dank für diesen Satz, liebe Silvia Weber. Er hat mir so gut getan, mir soviel gegeben und den Druck genommen!

Denn genauso ist es. Viele Hunde kommunizieren so fein, dass wir Menschen es nicht erkennen. Das Lesen der Körpersprache ist ein unendliches Lernfeld und ermöglicht so viele Perspektiven. Das Beste daran ist, sobald du damit anfängst, Beginnt sich dein Training zu verändern. Das verspreche ich dir!

Oft unterbrechen wir versehentlich die Vorwarnungen unserer Hunde. Vielleicht schnüffelt dein Hund kurz am Wegesrand, vielleicht wird er langsamer oder ein wenig steif. Das alles sind Signale dafür, dass er nicht näher heran will.

Wenn wir dann weiter gehen, dann ziehen wir ihn mit. Auch, wenn du ohne Leine unterwegs bist. Er hat die Wahl den Schutz der Gruppe zu verlassen oder durch die Situation „durch zu müssen“. Je häufiger er lernt, dass diese Kommunikation ihm nichts bringt, desto schneller wird er andere Wege nutzen.

Helfen diese ihm, schneller aus der Situation zu kommen, hat er eine neue Strategie gefunden und wird diese öfter und auch immer früher zeigen. Irgendwann reagiert er auf große Distanzen und heftig.

Diese Spirale tritt bei vielen Hunden auf, die eigentlich Angst haben oder sehr gestresst sind.

Dein Hund hat Schmerzen

Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen, denn mir begegnen so viele Hunde mit Schmerzen und Problemen im Bewegungsapparat.

Schmerzen oder andere Stressauslöser machen dünnhäutig und gereizt. Wenn dein Hund dann vielleicht noch die Erfahrung gemacht hat, dass andere Hunde ihn anrempeln, aufreiten oder sonst irgendwie grob behandeln, will er sie sich vom Leibe halten.

Insbesondere, wenn dein Hund extrem plötzlich sein Verhalten ändert ohne, dass du einen Schlüsselmoment festmachen kannst, solltest du ihn durchchecken lassen! Sollte dein „Haustierarzt“ kein Spezialist in Sachen Bewegungsapparat sein, würde ich sowohl ihn, als auch jemanden aus diesem Fachgebiet schauen lassen. Es gibt mittlerweile viele gute Hundephysios und Osteopathen, die Schmerzen ermitteln können.

Es gibt zig weitere Ursachen. Eine Kombination aus verschiedenen Gründen kann ebenfalls dafür Sorgen, dass dein Hund scheinbar plötzlich aggressiv gegenüber anderen Hunden oder Menschen reagiert.

Mit einem systematisch, strukturiertem Training und einem ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur die Situationen, sondern das komplette Wohlbefinden deines Hundes unter die Lupe nimmt, wirst du eine Menge daran verändern.

Dafür benötigst du Energie und Durchhaltevermögen. Hast du Lust? Es ist es definitiv wert!

In der kommenden Woche gebe ich dir einen ersten Einblick in das Training.

Wenn du dir jetzt Unterstützung wünschst, schreibe mir gerne eine Nachricht und ich empfehle dir jemanden, der dich und deinen Hund begleitet – online oder vor Ort!

 

Möchtest du mit mir arbeiten?

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Was sich 2020 für mich alles ändern wird

Was sich 2020 für mich alles ändern wird

Jedes Jahr beginnt mit einem Zauber – der Magie des Neuanfangs. Eigenartig, sind es doch normale Tage, Wochen und Monate, die sich aneinanderreihen. Und dennoch, der Jahreswechsel ist die Zeit des Reflektierens, Abschließens und dann des Neustarts.

Bei mir gilt das zum Wechsel des Jahrzehntes besonders. Es ist unbewusst so gekommen, fühlt sich aber kribbelig an. Die Weichen sind gestellt und es heißt: Augen zu und durch – Raus mit den Ideen an die Öffentlichkeit.

Deswegen berichte ich dir heute, was ich dieses Jahr alles vor habe und erhöhe so die Verbindlichkeit für mich. Keine Chance mehr für faule Ausreden und Drückebergertum.

Here we go:

Anne Bucher – Anders mit Hund darf „schlüpfen“

Das Ei wurde lang genug gebrütet, das Nest bereitet und Vorbereitungen getroffen. Jetzt darf es an die Luft! Aus CaneCaba® und Tierisch erfolgreich wird „Anne Bucher  – Anders mit Hund“.  Die neue Webseite wird im ersten Quartal online gehen.

 

Du darfst gespannt sein!

All meine Angebote und Projekte wandern damit unter ein Dach und bekommen einen roten Faden. Im Zentrum steht dabei die Anne Bucher Akademie, in der es zukünftig Angebote für Hundehalterinnen, Trainerkolleginnen und andere Tierberufler gibt.
Neben  den Onlineangeboten, gibt es eine Reihe an Workshops, Trainingswochen und Seminare für Menschen im Tierberuf. Und vereinzelt die Gelegenheit alleine mit mir zu arbeiten.

Die erste Trainingswoche ist Anfang März und richtet sich an Hundehalterinnen und (angehende) Trainerinnen, die Praxiserfahrung sammeln wollen. Das zugehörige Onlineprogramm startet bereits Mitte Februar.

Es starten dort die beiden Kurse „Ein echtes Team“ (für Hundehalterinnen) und „Tierisch sicher anleiten“ für (angehende Trainerinnen). Beide richten sich an Menschen, denen bedürfnisorientiertes Training wichtig ist. Für „Tierisch sicher anleiten“ brauchst du Vorqualifikationen und es gibt ein Bewerbungsverfahren, damit die Gruppe gut zueinander passt!

Es ist der Beta-Test für die Akademie und der erste Durchgang erhält nicht nur spezielle Konditionen, sondern einen Lifetime Zugang für die Inhalte – inkl. aller folgenden Änderungen. Wenn du dabei sein willst – melde dich schnell bei mir! Die Plätze sind begrenzt.

 

Das Team wächst (zusammen)

Im vergangenen Jahr startete die Umstrukturierung. Ich durfte Erfahrungen sammeln, Fehler machen und lernen, was mir wichtig ist.

2020 begehe ich mit einem klasse Team. Du darfst dich auf außergewöhnliche Menschen freuen, die mich in Zukunft nicht nur technisch, sondern auch fachlich und im Support unterstützen. – Mehr Service für dich und Zeit für mich um für dich da zu sein und die Angebote weiterzuentwickeln! In den kommenden Wochen wirst du das Team nach und nach entdecken und kennenlernen.

 

Weniger externe Seminare

Diese Entscheidung ist mir schwer gefallen – sehr schwer. Nicht nur wirtschaftlich, sondern, weil ich diese Arbeit liebe.

Doch oft war ich nach Seminaren nicht glücklich. Denn es gibt immer nur einen Anstoß – Die Tücke liegt im Alltag. Teams nach einem Seminarwochenende ohne Betreuung zurückzulassen, ist mir mega schwer gefallen.

Deswegen habe ich beschlossen mich Projekten zu widmen, die Mensch und Tier länger begleiten. Du triffst mich daher in Zukunft bei selbstveranstalteten Events, in Seminarreihen (z.B. für die ATN) oder bei Veranstaltern, bei denen ich weiß, dass die Teams weiterhin gut betreut sind. Dort dient mein Seminar dann nur als Impuls und ist für mich viel besser vertretbar.

 

Verhaltenstherapie in Kooperation

Schon in 2019 startete die Kooperation mit Katrin Voigt vom Hundezentrum Rhein-Main. Gemeinsam begleiten wir Tierärztinnen auf dem Weg zur Zusatzbezeichnung „Verhaltenstherapie“. Ein spannender Lehrgang, der in 2020 erneut starten wird und Module für Tierärzte und Trainer enthält.

 

Ein Herzensprojekt nimmt Formen an

Was es ist, verrate ich dir jetzt noch  nicht. Nur soviel: Ich vereine mehrere Leidenschaften und erschaffe etwas, was mir mächtig Respekt einjagt. Tolle Unterstützerinnen stehen mir bei der Entwicklung zur Seite und ich hoffe, dass du es dieses Jahr in der Hand halten und betrachten kannst.

 

Raus  aus der Komfortzone

Im vergangenen Jahr habe ich mich vor einigen Sachen gedrückt. Denn, auch wenn du es mir nicht glaubst, ich bin keine Rampensau. Doch jetzt muss ich ran:

Mehr Lives und kostenfreie Webinare, sowie regelmäßige Blogbeiträge und Newsletter stehen auf dem Plan. Damit du dir soviel Infos holen kannst, wie du brauchst um als Hundehalterin, Trainerin oder im Tierberuf gelassen und erfüllt durch den Alltag zu kommen.

Das erste kostenfreie Webinar für Hundehalterinnen und Trainerinnen ist am 30.01. und du kannst dir hier einen Platz sichern!

(Der Anmelde-Link folgt in Kürze.)

 

Ich  freue mich auf dich!

 

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„Bedürfnisorientierung“ – Mein Wort für 2020

„Bedürfnisorientierung“ – Mein Wort für 2020

Es ist Spätsommer 2019. Ich sitze in einem Workshop. Der Leiter möchte meine Werte hören. Die sind doch sonnenklar. Was soll der Unsinn? Dafür bin ich nicht hier. Ich bin hier, weil ich meine neue Strategie für mein Unternehmen planen möchte.

Immer wieder gerate ich an Punkte, wo meine Werte “ganz wichtig sind“.  Mir werden Listen vor die Nase gelegt und ich darf abgleichen, ankreuzen was mir gefällt und sortieren. Am Ende lande ich bei 4-6 Worten, die mir verraten, wie ich ticke. Passen die? Ja, genauso, wie das Horoskop von Tante Erikas Fernsehzeitung.

Jetzt mal echt, kommt eh immer dasselbe raus. Es wird passen, irgendwie. Fühlt sich nur nicht ganz richtig an, könnte auf 80% meiner Freunde ebenfalls zutreffen…

Doch in diesem Workshop läuft das anders. Ich brauche eine Menge Grips, diskutiere, bekomme komische Fragen gestellt und denke immer wieder, dass das NIEMALS so funktionieren kann.

Und dann stehen da auf einmal Worte auf Klebezetteln an der Wand und darüber steht „Werte“. Ganz oben, kaum lesbar, weil das Wort zu lang und zu sperrig für einen dicken Stift auf einem kleinen gelben Klebezettel ist, steht:

„Bedürfnisorientierung“

„Krass!“, denke ich, das stand noch nie auf einer meiner „Listen“. Dann lasse ich es in meinem Kopf kreisen und es wird mir von Minute zu Minute wohler.

Das Problem: Das Ziel des Workshops ist es, meine neue Marke zu erschaffen. Eine, die alles verbindet, was mir wichtig ist. Ein Unternehmensname oder -slogan mit dem Wort? Nein, danke!

Je länger ich es betrachte, desto mehr weiß ich es: Das ist der Kern meines Ziels für meine Kundinnen, die Tiere und mich! Warum Bedürfnisorientierung so mächtig für mich ist?

So wird das Leben leichter! 

Bedürfnisse sind etwas Grundlegendes im Leben. Sie sind individuell und oft unter einem Haufen von Etiketten und Mauern verborgen. Sie sind das Fundament von Motivation. Dinge auszuführen, die nichts mit unseren Bedürfnissen zu tun haben, oder ihnen sogar entgegenstehen, sind für uns schwergängig, frustrierend und anstrengend. Gegen sie zu arbeiten, braucht eine Menge Motivationsspritzen von außen. Und selbst dann….

So geht es nicht nur und dir und mir, auch unseren Tieren. Je weniger das Erwartete in einer Situation dem Bedürfnis entspricht, desto schwieriger ist es und umso mehr Energie und Zuspruch wird benötigt.

An der Leine laufen, kann sich anfühlen, wie deine Steuererklärung, wenn du keine Rückzahlung erwartest.

Bedürfnisse verändern sich, durch äußere Einflüsse und innere Prozesse. Sie sind immer im Wandel, doch einige Grundeigenschaften bleiben.

Klarheit  und innige Beziehungen.

Orientiere ich mich an meinen Bedürfnissen, ist das ein Kompass für mein Leben.  Stelle ich mich im Zusammenleben mit anderen auf deren Bedürfnisse ein und finde den bestmöglichen Weg für beide, halte ich den Schlüssel für glückliche Beziehungen in der Hand!

Genialerweise passt dieses Konzept auf alle meine Lebensbereiche. Für mich ist es der perfekte Weg zu einer tiefen Bindung und einen glücklichen Alltag!

Bedürfnisorientiertes Hundetraining ist fernab von der Strafen und Korrekturen, genauso wie vom sinnlosen Vollstopfen mit Leckerchen. Es ist ein Konzept, das ganz automatisch beinhaltet, dass Gewalt nicht die Lösung ist – denn wer wünscht sich Druck und Härte zu erleben? Von meinen Kundenteams keines!

Das Anerkennen der verschiedenen Bedürfnisse und den Komplikationen die daraus entstehen, ist der erste Schritt.

Wegbereiter in ein neues Lebensgefühl – für dich und deinen Hund

Und auch wenn die Probleme noch so groß sind: Statt dem permanenten Versuch Ärger abzustellen, kann es auf einmal wieder gemeinsame erfüllende Erfahrungen voller Leichtigkeit geben. Und es öffnen sich Türen, die Sorgen anders anzugehen.

Je mehr tolle Erlebnisse ein Team feiert, desto tiefer wird die Bindung. Ein Weg, der nicht nur eine Menge Freude bereitet, sondern nachhaltig für ein unbeschwertes Miteinander sorgt.

Das Geniale: Auf diesem Wege lassen sich neue Bedürfnisse schaffen! Es liegt in deiner Hand, dafür zu sorgen, dass diese in dein Lebensumfeld passen und mit deinen harmonieren!

Als meine Minnie mir das erste Mal zeigte, wo die Rehe stehen, statt unmittelbar loszuspurten um sie aufzuscheuchen, habe ich vor Glück gesprudelt und wäre vor Stolz bald geplatzt! Ich hatte ihre Bedürfnisse verändert und so gestaltet, dass es in unseren Lebensstil passt. Alleine heute hat sie mir 5x gezeigt, wo die Rehe stehen, mich darauf aufmerksamgemacht, mit mir zusammen geguckt und einen Haufen Belohnungen eingesackt.

Seitdem sie unterwegs nicht mehr dauernd hetzen will, sind Wanderungen durch die Natur endlich vergnügt möglich und wir genießen die gemeinsamen Erlebnisse!

Bedürfnisorientierung heißt nicht wahllose Freiheit und Dauerbespaßung. Im Gegenteil, es bedeutet achtsam Seite an Seite leben und gemeinsam das Leben gestalten und genießen.

Wenn meine Kundinnen zu mir kommen, können sie das oft nicht in Worte fassen. Genau, wie ich über Jahre hinweg. Die meisten wissen, dass sie etwas verändern wollen. Sind die Ratschläge aus ihrem Umfeld satt und spüren tief in sich, dass es da noch einen alternativen Weg gibt. Wie oft höre ich: „Ich möchte es anders machen“.

PENG, die Marke ist geboren   – der Knoten ist geplatzt. Meine Kundinnen möchten es „Anders mit Hund“. Was das für mich, mein Business und damit vielleicht auch für dich bedeutet, das erzähle ich dir im nächsten Artikel.

Jetzt freue ich mich über deinen Kommentar: Was würdest du gerne „Anders“ machen? Wo fühlt sich dein Training für dich noch nicht richtig an?

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Meine vierbeinigen Begleiter

Meine vierbeinigen Begleiter

Leben mit Tieren bedeutet für mich, dass ich Verantwortung übernehme. Die Verantwortung, dass es meinen Weggefährten so gut wie möglich geht, ich Kompromisse mache zwischen meinen und ihren Bedürfnissen. Es ist mir bewusst, dass ich mir diesen Weg ausgesucht habe und nicht meine Tiere, ich bringe sie Tag für Tag in Situationen, die sie vermutlich nie aufgesucht hätten, es ist daher meine Aufgabe ihnen diesen Weg so angenehm wie möglich zu machen und sie durch den Alltag zu geleiten und ihre Wünsche zu berücksichtigen.

 

CASSIE – THE BRAIN

Kennst Du die von Steven Spielberg entwickelte Zeichentrickserie „The Pinky & the Brain“? Nicht? Macht nichts. Jetzt lernst Du Cassie kennen: Man unterstellt ihr, dass sie, wie die Ratte Brain aus der Serie, morgen versuchen wird die Weltherrschaft an sich zu reißen. Cassie begleitet mich seit 2004. Sie ist die Abgabe einer überforderten jungen Frau, welche sich gedankenlos zwei Hauskatzen zulegte, versuchte ihnen gerecht zu werden, dies aber nicht konnte. So zogen Cassie & Felix (†2013) bei mir ein. Cassie ist eine alte zwischen charmant & zickig pendelnde Dame, die eindeutig beschlossen hat, dass sie zu mir gehört. Sie fordert, manchmal auch lautstark, was sie möchte, gibt genaue Informationen was sie nicht möchte und wäre zufriedener, wenn es außer mir und ihr maximal noch meinen Partner in ihrem Leben gäbe. Das Los der „Mehrtierhaltung“ schmeckt ihr nur mäßig und so bekommt sie tägliche Qualitätszeit mit Sonderrechten nur mit mir. Cassie wirkt stets besonnen, hält ihr Umfeld im Blick und in Schach und verteidigt Sonnenplätze erbittert gegen alle anderen.

 

PILAR – DIE JÄGERIN

In 2013 nahmen wir Pilar als Pflegekatze zusammen mit vier kleinen Katern auf. Pilar war die kratzbürstigste, sie wollte sich nicht anfassen lassen. Ein Nabelbruch machte sie zudem optisch weniger attraktiv als die anderen. Die Kätzchen sollten paarweise vermittelt werden – die logische Konsequenz für uns: Pilar bleibt! Pilar ist wunderbar, sie ist eigenständig und geht gerne ihre Wege. Sie ist gefräßig und schmusig, frech und lebhaft. Sie spielt mit Minnie, tanzt Cassie auf der Nase rum und wird zur Furie wenn sie Hunger hat. Pilar liebt ihre Beschäftigungsspiele, trägt Bälle durch die Gegend und tanzt allen auf der Nase rum, wenn wir bei schlechtem Wetter nicht für ausreichend Beschäftigung sorgen. Bei gutem Wetter ist sie fast immer draußen, döst in der Sonne oder geht jagen – sehr zu ihrem Leidwesen so ausstaffiert, dass das Anschleichen an Vögel nahezu unmöglich ist und nicht in den frühen Morgenstunden.

 

NAYELI – DER HERZENSHUND

Als ich Nayeli das erste Mal sah, wusste ich, dass ich zum sogenannten Pflegestellenversager würde. Mein Freund nicht. Für ihn stand fest, dass er keinen zweiten eigenen Hund wollte. Unsere Golden Retriever Hündin Maggie (†2013), sowie die wechselnden Pflegehunde aus dem Tierschutz langten ihm. Dennoch blieb Nayeli. Nayeli ist ein Mix aus Maremmano und vermutlich Pastore Fonnese. Sie stammt von einem sardischen Schäfer und zog 2012 etwa einjährig bei uns ein. Ihr erstes Lebensjahr ist sie den klassischen Weg eines Herdenschützers gegangen und hat draußen in der Einsamkeit gelebt. Nayeli schätzt die meisten Artgenossen nicht, war es doch ihre Aufgabe Fremde und Gefahren für ihren Bereich in die Flucht zu schlagen. Sie gehört in die Kategorie der Hunde die mit den Etiketten stur, schwer motivierbar, schwer zu erziehen etc. beklebt werden. Für uns ist Nayeli vor allem ein Familienmitglied, ein herausforderndes – ganz ohne Frage, denn das Leben in einem relativ dicht besiedelten wie dem unseren bedarf für Nayeli viel Unterstützung. Durch sie lernen wir viel über Motivationen und Bedürfnisse, Angst- und Aggressionsverhalten.

 

MINNIE – DIE KRÖTE

Minnie ist Ende 2012 bei uns eingezogen, ebenfalls als Pflegehund. Minnie hatte große Ängste vor Menschen, Geräuschen und allerlei anderem in der Umwelt. Ihre Strategie um mit diesen Ängsten besser klar zu kommen sind eindeutig flüchten oder jagen. Minnie hat uns mit ihren Ängsten viele Aufgaben gestellt. Lange hat es gedauert ehe wir unter der Angst und dem Angstverhalten mehr und mehr andere Emotionen und Eigenschaften sehen konnten. Heute ist Minnie Zuhause eine fröhliche und lustige Kröte, die ihre Spielsachen durch die Gegend schleppt, spielt und kuschelt. Fremde Menschen, bestimmte Geräusche und viele nicht alltäglich auftretende Umweltreize lösen noch immer schnell Angstverhalten aus, aber sie macht Fortschritte. Und das obwohl hier zu Beginn schnell die Etiketten „Deprivation“ & „Angsthund“ angeheftet wurden. Minnie ist für mich der lebende Beweis: Egal, wie stark die Angst ist, Training, Alltagsanpassungen, medizinische Untersuchungen und Geduld zahlen sich aus – kein Lebewesen hat es verdient in seiner Angst gefangen gehalten zu werden! Und glaube mir, der Weg lohnt sich! Nachdem Minnie nun deutlich lockerer durch die Welt flitzt, stehen jetzt die nächsten Aufgaben vor der Tür: Das Training am Jagdverhalten – ich freue mich darauf!

 

JUMBO – DER OPI († 26.02.2017)

Er begleitet mich am längsten von allen. 1993 lernte ich ihn kennen und durfte ihn als Reitbeteiligung begleiten, 1995 wurde er die Erfüllung meines Traumes „mein Pferd“. Gute 850kg geballte Muskelkraft im damals besten Alter von 8 Jahren. Er hat mir beigebracht was „Druck erzeugt Gegendruck“ bedeutet. Ihm habe ich am meisten zu verdanken. Er hat mich gelehrt, dass eine Beziehung aus gegenseitiger Achtung, Respekt und Fürsorglichkeit besteht. Er hat mich durch unzählige Höhen & Tiefen begleitet, für mich und unter mir gelitten und mir nichts dauerhaft übelgenommen. Er ist das Sinnbild des „Charakterpferdes“ – eigensinnig, gewitzt, liebenswürdig. Ich hoffe, dass er mich noch viele Jahre begleitet, in denen ich ihm für alles danken kann und es besser machen kann, als ich es einst, aus Unwissenheit und Unreife, machte. Und da mir bewusst ist, dass er, der 1987 geboren wurde, nicht mehr allzu lange bei uns bleiben kann, genieße ich jeden Moment mit ihm, versuche so viele seiner Bedürfnisse wir möglich zu erfüllen und dabei stets ein Auge auf ihn zu haben, ob er noch bleiben kann oder, ob dies nur meine Angst vor der eines Tages kommenden Trennung ist…

Jumbo hat uns am 26.02.2017 verlassen. Im Alter von 30 Jahren haben wir ihn gehen lassen müssen.
Mach’s gut alter Freund – wir vermissen Dich!

 

LOESKE – DAS LUISCHEN

Loeskelien um genau zu sein. Das Friesenmädchen – die Erfüllung eines Traumes, unser einziges Tier von einem Züchter. Loeske zog 2008 bei mir ein. Ihr Werdegang bis hierhin: 2003 geboren, 2006/2007 einige Monate aus den Händen der Züchter in einen externen Beritt, danach gedeckt und ein Fohlen bekommen. Ich lernte sie als hochtragende Stute kennen und wir freundeten uns ein wenig an, Loeske zog zu uns. Eigentlich doch auch als Reitpferd gedacht, immerhin wurde der Opi langsam alt und hin und wieder wollte ich schon in den Sattel. Meine ersten Reitversuche scheiterten kläglich, Loeske geriet in Panik, raste, stieg, buckelte. Kurz darauf erhielten die Züchter Nachricht, dass es bei der Schwester ähnlich aussah. Beide waren im selben Beritt. Mutmaßen können wir viel, wissen tun wir nichts. Loeske blieb. Sie war mir schon viel zu sehr ans Herz gewachsen. Also eben Arbeiten vom Boden aus, Vertrauensaufbau, Muskelaufbau und, und, und. Wir haben uns Zeit gelassen, Reiten wurde für mich unwichtiger. Irgendwann folgte die Diagnose „Arthrose in den Vorderfußwurzelgelenken“ – Reiten wurde noch unwichtiger. Aber was soll es – wir sind zu einem eingespielten Team geworden, wir beschäftigen uns anderweitig und ganz ehrlich: Reiten ist toll, aber ein glückliches Zusammenleben ist viel wichtiger und schöner! Loeske ist schlau, eigensinnig, vorwitzig, manchmal ein wenig rüpelig und oft sehr ungeduldig und genau diese Mischung macht sie zu einer tollen Lehrerin und Gefährtin für mich.

Loeske und ich durften zu dem Webinar „Targets“ von und mit Dr. Ute Blaschke-Berthold von CumCane® einen Beitrag leisten. Das Webinar ist nicht nur für Tierhalter & Tiertrainer eine tolle Gelegenheit sich mit Training und Targets zu beschäftigen.

 

SMILLA – DAS SCHIMMELCHEN

Smilla zog 2014 bei uns ein. Sie ist eine sogenannte „Sicherstellung“ eines Veterinäramtes. Glaube mir, die Sicherstellung von Pferden ist teuer und unbequem, sie ist nichts, was ohne Grund entsteht. Kein Wunder also, dass Smilla Befindlichkeiten mit Menschen, Gegenständen und Geräuschen hat, auch wenn wir nicht genau wissen, was ihr widerfahren ist, haben wir gewisse Ahnungen. Allerdings ist die exakte Geschichte ja eigentlich auch irrelevant, leben müssen wir mit Smillas Verhalten im Hier und Jetzt. Wir arbeiten mit Smilla um das Handling für alle angenehmer zu machen und freuen uns über jeden Fortschritt, den sie zeigt. Jedes Neugierverhalten, jede Unmutsäußerung und selbst dann, wenn sie „ungezogen“ ist, erzeugt es Freude, weil sie sich traut ihre Meinung kund zu tun.

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