Nasenarbeit mit dem Hund: Immer der Nase nach

Nasenarbeit mit dem Hund: Immer der Nase nach

„Nasenarbeit mit dem Hund: immer der Nase nach“ – ein Erfahrungsbericht von Tonia Wessel-Schneider

Nasenarbeit mit dem Hund: die Ideal-Vorstellung:

Da kommen sie…

Das eingespielte Mensch-Hund-Team im Einsatz.

Der Mensch bis an die Zähne bewaffnet, in schwarzer Spezialeinheit-Montur, die Sonnenbrille lässt den ernsten und entschlossenen Gesichtsausruck nur vermuten.

Die dünne Leine in seiner Hand ist stramm und wird mit Kraft festgehalten. Am vorderen Ende der Leine dann der Hund. Das Schnüffeln ist deutlich zu hören und wechselt sich mit Hecheln ab.

Der Hund zieht mit Kraft nach vorne, der Mensch hängt leicht nach hinten gelehnt hinten dran. Der Kopf des Hundes geht suchend hin und her, während die Pfoten sich in den glatten Flugplatzboden stemmen, um noch schneller vorwärts zu kommen. Dann geht der Kopf des Hundes abrupt nach links, er nimmt noch mehr Fahrt auf, die Körperspannung und jeder einzelne Muskel sind durch das glatte Fell zu erkennen.

Plötzlich bleibt der Hund stehen, schnüffelt noch einmal intensiv und legt sich flach auf den Boden, die Schnauze zeigt auf einen kleinen schwarzen Koffer.

Der Mensch kommt hinzu, öffnet den Koffer und wird fündig…

Nasenarbeit mit dem Hund: Fragen über Fragen…

Ist das Nasenarbeit?

Ist es „nur“ das Suchen?

Ist das nicht eigentlich einfach?

Nasenarbeit mit dem Hund

Wie „funktioniert“ Nasenarbeit überhaupt? Wie finden Hunde verschwundene Menschen und was ist, wenn ein Mensch nicht in der Stadt, sondern im Wald oder gar in einer Lawine verschollen ist? Was ist, wenn es draußen stürmt, regnet, hagelt oder 40 Grad Celsius hat?

Ist es wichtig, dass der Hund beim Suchen rennt? Ist es nicht besser, wenn er sich Zeit lässt und dafür gründlich ist? Was muss ein Hund überhaupt für die Nasenarbeit mitbringen? Stimmen die landläufig bekannten und weit verbreiteten Mythen, die sich um die Nasenarbeit ranken? Spielt die Genetik des Hundes eine Rolle oder ist es „nur“ das Training?

Wie trainiert man Nasenarbeit überhaupt? Wie sehr wird der Hund beim Suchen von der Körpersprache oder anderen unbewussten Signalen seines Menschen beeinflusst?

Diese und noch mehr Fragen beschäftigten mich recht intensiv. Bereits mein Hundetrainerstudium habe ich aus der Motivation „Stimmt das eigentlich alles, was die Leute und die Trainer einem so erzählen und falls es stimmt, warum stimmt das bzw. warum stimmt es nicht?“ heraus absolviert.

Ich will es wissen. Ich will es im Detail wissen, weil es mir nicht reicht, beim Mantrailen hinter meinem Hund herzurennen, nach 500 m im anaeroben Bereich zu sein und dann zu gucken, ob er findet und falls ja, wie schnell.

Antworten…?

Nasenarbeit ist weit mehr als ein Hund, der auf der Suche nach einem bestimmten Geruch durch die Gegend rast und der Mensch fliegt hinterher.

Ich entschied mich daher für eine einjährige Ausbildung ausschließlich im Bereich der Nasenarbeit bei Frau Dr. Ute Blaschke-Berthold von CumCane und habe es nicht bereut!

Theorie und Praxis, „Experimente“ und diverse Trainingseinheiten mit meinem eigenen Hund, spannende Situationen und nicht zuletzt viele verblüffende Momente habe ich erleben dürfen und mein Fazit ist:

Nasenarbeit ist faszinierend, spaßig, anspruchsvoll, überraschend, spannend, abwechslungsreich und wissenschaftlich.

Nasenarbeit mit dem Hund

Sie eignet sich für junge, alte und gehandicapte Hunde, schult den Menschen-Blick für den Hund, seine Bedürfnisse, seine Emotionen, seine Persönlichkeit, seine Tagesform und ja, es stimmt was man sagt, sie gibt einem das unschlagbare Gefühl ein Team zu sein.

Vor allem aber macht sie Spaß – wenn das Thema richtig angegangen wird und es eben nicht nur um das Hinterher-Rennen, das „Pushen“, das Finden mit großem Getöse und mit medienwirksamem und reißerischem Auftritt geht. Nasenarbeit ist Konzentrationssache, sie ist Detail- und Geduldsarbeit und hat definitiv keine filmreife Sonnenbrillen-Szenen mit schweren Waffen und Hunden auf Erregungslevel 100 nötig.

Es ist eine stille, präzise, spannende und mit Überraschungen und Teamgeist gespickte Beschäftigung, die sorgfältigen kleinschrittigen Aufbau der einzelnen Elemente und ein gemeinsames Ziel im Fokus hat. Kurzum, sie ist einfach wunderbar!

Rein technisch ist Nasenarbeit der bewusste und zweckgerichtete Einsatz des hündischen Geruchssinnes auf ein bestimmtes Signal, um etwas oder jemanden zu finden und das Gefundene dann anzuzeigen.

Zwei Bereiche der Nasenarbeit mit dem Hund

Es ist zunächst zu unterscheiden zwischen der Geruchsentdeckung und dem Match to Sample.

Bei der Geruchsstoffentdeckung wird der Hund auf einen bestimmten Geruch geprägt (Imprinting). Diesen Geruch soll er dann auf das Startsignal hin suchen, finden und anzeigen.

Das Suchfeld kann hier eine einfache Reihe aus verschiedenen Behältern sein, es kann ein Trümmerfeld sein, es kann ein Wald, ein Feld, eine Industriehalle, ein Bürogebäude, ein Bahnhof, ein Flugplatz, eine Autobahnratsstätte, eine Parfümerie, ein Zoogeschäft oder ein Bus oder Auto sein.

Das Suchfeld kann also alles sein.

Der Geruch kann auf dem Boden, in Nasenhöhe, über Kopfhöhe, in Behältern aller Art, in einer Wand, unter der Erde oder in einem menschlichen Körper sein.

Der zweite Bereich ist der Bereich des Match to Sample. Das heißt, dass der Hund eine Geruchsprobe zum Schnüffeln erhält und dann diesen – und nur diesen – Geruch unter einer Vielzahl von gleichartigen Gerüchen differenziert, erkennt und anzeigt. Bei dieser Variante kann der Hund einer Geruchsspur folgen, bis er dort, wo der Zielgeruch am intensivsten ist, abgekommen ist. Es ist möglich, dass der Hund der Spur eines ganz bestimmten Menschen folgt, obwohl er diese Spur aus einer teilweise unfassbar großen Anzahl aus anderen (Menschen)Gerüchen finden und verfolgen muss und das unter extremen Ablenkungsreizen. Er muss außerdem lernen, dass er diese Spur von einer schwachen Intensität zur größtmöglichen Intensität verfolgen muss.

In beiden Varianten lernt der Hund nicht das Suchen selbst, das kann er längst. Er lernt aber ein Startsignal, ein sicheres Anzeigeverhalten, von seinem Menschen unabhängig zu arbeiten und ausnahmsweise nicht auf die (teils unbewussten, teils bewussten) Signale und/oder die Körpersprache seines Menschen zu reagieren. Er lernt, dass er unter äußerst großer Ablenkung in der Umwelt seinen Fokus nicht verliert und vor allem: Er lernt zunächst einmal ein Konzept.

Nasenarbeit ist nicht nur das Suchen, sie besteht aus verschiedenen Elementen

Der Geruch

Mit dem Anzeigeverhalten geht einher, dass der Hund den Geruch, den er suchen, finden und anzeigen soll, derart attraktiv empfindet, dass er Suchaufgaben mit entsprechender Motivation arbeiten kann. Auch hat der Hund zu lernen, dass der Geruch im Prinzip überall auftauchen kann. Am Boden, auf Nasenhöhe, über Kopfhöhe, in (verschiedenen) Behältern, in der Natur, an einem Menschen, an Textilien usw. Imprinting (der Hund wird auf den Geruch geprägt) folgt den Regeln der Klassischen Konditionierung und macht an sich bereits eine Menge Spaß. 

das Anzeigeverhalten bei der Nasenarbeit mit dem Hund

Mit dem Anzeigeverhalten zeigt der Hund dem Menschen, dass er das, was er gesucht hat, auch gefunden hat. Es ist nicht immer ratsam oder möglich, dass der Hund den Gegenstand, der den Zielgeruch trägt, anstupst, in den Fang nimmt, mit der Pfote bepatscht oder bellend vor dem Gegenstand steht oder sitzt. Das Anzeigeverhalten ist für die Nasenarbeit unerlässlich und wird für den jeweiligen Hund (was fällt ihm leicht, was fällt ihm schwer?) und insbesondere für seine individuelle Arbeit ausgewählt. Das Anzeigeverhalten ist eines der ersten Verhaltensweisen, das im Rahmen der Nasenarbeit trainiert wird und das sehr sorgfältig und kleinschrittig aufgebaut und extrem verstärkt wird. Es ist nämlich nicht nur wichtig, dass der Hund das Verhalten beim Fund zeigt, es ist von großer Bedeutung für die Nasenarbeit, dass er dieses Verhalten völlig unabhängig davon zeigen kann, was sein Mensch gerade macht oder nicht macht. Der Hund soll anzeigen, egal was der Mensch macht. Also selbst dann, wenn der Hund anzeigt, der Mensch aber an seinem Hund vorbeigeht ohne ein einziges Mal Blickkontakt aufzunehmen, soll der Hund weiterhin anzeigen und seinem Menschen sagen: „Doch! Guck doch! Ich habs gefunden!“. Dann soll der Hund dem Zielgeruch mehr „gehorchen“, als seinem Menschen (obedience to odor). Das ist das eigentlich Anspruchsvolle am Anzeigeverhalten: Dass der Hund es völlig unabhängig von seinem Menschen zeigt und sich in jedem Fall zum Geruch orientiert.

Das Suchen

Das Suchen braucht der Hund nicht zu lernen, das kann er von selbst Was der Hund sucht, wie er es sucht und wann er es sucht ist das, was der Hund durch Training lernt. Hängt der Mensch hinten an der Leine, während der Hund sucht, hat der Mensch in jedem Fall seinen eigenen Plan, ob er das will oder nicht und egal ob ihm das bewusst ist oder nicht. Es muss daher sichergestellt werden, dass der Hund tatsächlich den Geruch sucht bzw. einer Geruchsspur folgt und sich nicht an den bewussten oder unbewussten Signalen seines Menschen orientiert. Training beim Suchen bedeutet nie, dass der Hund das Suchen lernen muss, sondern dass trainiert wird, wie er sucht. Hier ist Feingefühl des Menschen, eine gute Beobachtungsgabe für das Ausdrucksverhalten seines Hundes und eine recht hohe Impulskontrolle des Menschen erforderlich 😊

Nasenarbeit mit dem Hund

Nasenarbeit mit dem Hund: mein Fazit

Nasenarbeit mit dem Hund ist also viel mehr als reißerische Szenen aus Filmen, rennende Hunde und rennende Menschen – und das ist auch gut so.

Wichtig ist, dass die Motivation des Hundes stets aufrechterhalten und gefördert wird. Die „Arbeit“ und der Geruch müssen etwas Positives für den Hund sein und er muss Spaß haben. Das erreicht man im Training nicht durch das Überstülpen irgendwelcher Plastiktüten mit irgendwelchen Zielgerüchen über den ganzen Hundekopf, dünne Leinen an dünnen Halsbändern oder der körperlichen und kognitiven Überforderung des Hundes. Man erreicht es durch kleinschrittigen Aufbau der einzelnen Elemente, der detaillierten Beobachtung des eigenen Hundes was seinen Leistungsstand und seine Tagesform, aber auch seine Vorlieben und Abneigungen bzgl. des Wetters oder der Umwelt betrifft.

Und das Wichtigste: Man erreicht es, wenn man als Team Spaß hat und der Weg das Ziel ist.

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Unser 6-Monats-Coaching bei Anne…

Unser 6-Monats-Coaching bei Anne…

In diesem Feedback berichten Grit und Lani Dir von ihrem Weg. Ein Weg voller Steine und Herausforderungen, aber auch voller Mut und Umsetzungswillen. Die Begleitung dieses Teams ist etwas ganz besonderes für mich und ich freue mich, dass ich beide noch eine Weile mit neuen Herausforderungen im Intensivlehrgang begleiten darf. Mich hat dieses Feedback unglaublich gerührt und ich freue mich, dass ich es veröffentlichen darf.

Unser 6-Monats-Coaching bei Anne…

… starteten wir unter großem emotionalen Druck. Ich wusste nicht mehr weiter und befand mich an einem Punkt purer Verzweiflung und Hilflosigkeit. Ich glaubte, meinem Hund Lani (zu der Zeit keine 1,5 Jahre alt) niemals das Zuhause bieten zu können, das er brauchte.

Lani litt unter starkem Stress. Er zeigte mir sehr oft am Tag, womit er seine liebe Not hatte: Menschen, Geräusche, fremde Objekte und Orte, Licht – und mit dem Alleinsein. Seine Probleme brachte er lautstark zum Ausdruck. Alles war für ihn noch schlimmer im Dunkeln. Und ich wusste nicht, wie ich ihm noch helfen sollte. Ich konnte ihn nicht vor allem bewahren. Mir war klar, dass ich dringend seinen Stress reduzieren musste. Nur wie noch? Versucht hatte ich schon einiges, aber der durchschlagende Erfolg blieb aus.

Unsere ersten Schritte

Ich schätze, in der ersten Zeit des Coachings bestand Annes Hauptaufgabe darin, mir Mut zu machen und Zuversicht zu schenken – michzu stabilisieren. Wie mein Hund, so befand auch ich mich nur noch selten im denkenden Bereich meines Gehirns. Anne hat mich aufgefangen, und die Termine mit ihr taten mir unendlich gut. Mit klaren Aufgaben und Anleitungen holte sie mich aus meiner Starre und brachte mich wieder ins aktive Handeln.

Anne überlegte mit mir gemeinsam, welche Management-Maßnahmen ich noch ergreifen könnte. Spaziergänge führten öfter in menschenleere Gegenden, und im Dunkeln fanden sie irgendwann ein Ende. Räumlich strukturierte ich gehörig um.

Obwohl wir – für mich so gefühlt – an allen Baustellen gleichzeitig arbeiteten, verzettelte Anne sich nie. Sie war strukturiert, klar und zielorientiert. Und auch in mir ordnete sich nach und nach das Chaos. Listen, Protokolle und Pläne verschafften mir zunehmend Klarheit. Wo diese mir dennoch fehlte, unterstütze Anne mich nach Kräften. Neue Signale wurden aufgebaut, alte Signale haben wir aufgefrischt und „aufgepimpt“, sodass sie auch bei großem Stress abrufbar wurden. Und ich bekam viele wertvolle „Randnotizen“ und Impulse, die mich im Training mit Lani sehr voranbrachten.

Training ist ein Lernprozess

Gerade bei der Arbeit an Auslösern folgte ich anfangs einem recht starren Muster: „Wenn Aktion A, dann Reaktion B.“ Mit der Zeit wurde ich schneller, dann sicherer und schließlich auch flexibler. In der Reflexion erkenne ich, dass wir beide, Lani und ich, diesen Prozess durchlaufen sind bzw. uns noch immer mitten in diesem Prozess befinden. Es gibt für uns beide nicht mehr nur eine Strategie, mit Auslösern umzugehen.  Wir werden in Zukunft sicher noch weitere Strategien erproben, verfeinern und festigen.

Mit dem Ende des Coaching ist Lanis und mein Lernprozess nicht abgeschlossen. Es ist heute nicht alles gut; das wird es vielleicht nie ganz sein. Ich bin darauf eingestellt, dass Lani immer ein besonderer Hund sein wird, der situativ meine Unterstützung benötigt. Anne hat mir an die Hand gegeben, was ich brauche, um das tun zu können.
Bis hierhin hat sich aber bereits eine ganze Menge getan: Wo ich vor einem halben Jahr noch einen hysterisch schreienden Hund in der Leine hängen hatte, stehen wir heute beieinander, und Lani kann sich in den allermeisten Fällen relativ ruhig anschauen, was um ihn herum geschieht. Oft fällt ihm selber ein, was er tun kann, um sich besser zu fühlen und setzt das um. Immer leichter fällt es ihm, an Auslösern vorbeizugehen. Wenn er doch noch einmal auslöst, was immer seltener vorkommt, dann später, kürzer und deutlich weniger intensiv. Er beruhigt sich viel schneller. Manchmal fällt ihm sogar noch beim Bellen eine alternative Strategie ein.
Besonders toll ist, wenn er sich um Menschen oder Dinge, die ihm vor 6 Monaten noch große Schwierigkeiten bereiteten, gar nicht mehr schert oder sie mutig erkundet. Was für viele Hundebesitzer das Normalste der Welt ist, bereitet mir tiefe Gefühle der Rührung, Freude und Dankbarkeit.

Ich habe mich verändert

Ich (Das ist die, die kürzlich noch vor lauter Anspannung selber auch ganz starr war und schrill gemarkert hat, um die Nanosekunde vorm Auslösen einzufangen) erkenne Lanis Zeichen frühzeitig und somit auch meistens rechtzeitig, wann er meine Unterstützung benötigt. Ich atme gleichmäßig (manchmal singe ich dafür), lobe ruhig, setze unterschiedliche Markersignale ein und bin insgesamt viel gelassener geworden. Und ich darf meinem Hund immer mehr zutrauen. Immer öfter bin ich zuversichtlich: Er bewältigt diese Situation ohne meine aktive Hilfe!

Nicht alle Tage sind gleich, und das letzte halbe Jahr verlief nicht linear. Es war nicht von kontinuierlichen Verbesserungen durchzogen. Mir half zu verstehen, dass alles seine Zeit braucht, und dass Lernen in Kurven verläuft. Und umzulernen dauert länger als neu zu lernen.

In neuen Situationen weiß ich deutlich schneller, was zu tun ist, um Lani zu helfen. Reagiert er ungewöhnlich, gehe ich in Gedanken die letzten Tage durch und überlege, ob er mehr Stress als sonst hatte. Oder ich? Schmerzen muss ich bei ihm ebenfalls mitbedenken.  Und neuerdings auch läufige Hündinnen 😉

Was das Allein- bzw. Von-mir-getrennt-Sein betrifft: Lani weiß das Alleinsein immer häufiger zu schätzen; er zieht sich selber aktiv zurück und findet Ruhe und Entspannung unabhängig von mir in seiner Wohlfühlzone. Das ist ein großer Erfolg, der uns beiden das Leben deutlich leichter macht.

Wir haben eine schwere und anstrengende Zeit hinter uns. Und auch wenn heute noch nicht alle Tage alles eitel Sonnenschein ist, haben wir gemeinsam viel Spaß. Sogar das Training an Auslösern bereitet zunehmend Freude, und so werden diese weniger und weniger. Leichtigkeit hat Einzug in unser Leben gehalten. Und ein großes Stück Gelassenheit.

Danke Anne!

Liebe Anne, dir möchte ich sagen, dass ich mir niemand anderes hätte erträumen können, der uns auf diesem Weg begleitet. Du warst das Beste, was uns passieren konnte.

Lani bleibt bei mir, und inzwischen denke ich, er hat bei mir doch ein ganz passables Zuhause gefunden.

Ich durfte unwahrscheinlich viel von dir und durch dich lernen; viel mehr, als ich es in diese paar Zeilen quetschen kann. Ich hätte bestimmt noch mehr lernen können, wenn du nicht so vieles hättest doppelt und dreifach ansprechen müssen. Ich stand manchmal ordentlich auf der Leitung.

Die Protokolle habe ich zeitweise gehasst. Aber ich habe sie sehr schätzen gelernt, und ich führe sie weiter.

Nun reisen wir ohne dich weiter, und ich bin sehr optimistisch, dass wir das gut hinbekommen. Danke, dass du mit uns die Koffer gepackt hast!

Als ich heute mit Lani unterwegs war, dachte ich: „Wenn Anne uns jetzt sehen würde…!“ Ich bin mächtig stolz auf Lani, und ich denke, du wärst es auch, wenn du ihn sehen würdest.

 


Möchtest Du auch mit mir arbeiten?

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Kristina Steinberg – Wie ich auf den Hund gekommen bin

Kristina Steinberg – Wie ich auf den Hund gekommen bin

Hallo, da Du in Zukunft wohl noch den ein oder anderen Artikel und Beitrag von mir hier lesen wirst, lass‘ mich Dir kurz schildern, wie ich überhaupt auf den Hund und letztendlich auch zum Beruf des Trainers gekommen bin:

Wer kennt es nicht? – Der Traum von einem eigenen Haustier, von einem eigenen Hund. So war es auch bei mir, doch leider hatten wir vor einigen Jahren noch nicht die Möglichkeit, einen vierbeinigen Wegbegleiter zu uns zu nehmen.
So entschloss ich, erst einmal in unser örtliches Tierheim zu gehen – als ehrenamtliche Spaziergängerin dort den Hunden etwas Gutes tun und gleichzeitig ein paar freie Stunden mit Tieren draußen in der Natur verbringen können – sozusagen eine WinWin-Situation für beide Seiten!

Auf den Hund gekommen

Schon bald lernte ich dort „Robby“ kennen; ein großer Mischlingsrüde, der vom Ordnungsamt aufgrund einiger Vorfälle gebracht wurde.
Ich betrat das Hundehaus .. und …wow – es war um mich geschehen. Ein großer, sehr imposanter Kerl, alt, stinkend, völlig verfilzt und nur draußen im Auslauf liegend…

Ich weiß, viele werden nun denken „die spinnt doch!“ – ja, mag sein, aber irgendwie war da etwas zwischen uns; von Anfang an ein besonderer Funke, eine besondere Verbindung…
Nach den ersten Startschwierigkeiten verbrachte ich nun jede freie Minute bei und mit ihm, kümmerte mich um ihn und ging spazieren.

Die ersten Herausforderungen

Doch, na klar, schon bald tauchten auch die ersten Probleme und Herausforderungen während unserer gemeinsamen Zeit auf, hatte ich doch noch nie einen Hund gehabt, geschweige denn, mich näher mit dem Thema Hund und Training auseinandergesetzt. Begegnungen mit anderen Hunden und Menschen wurden immer schwieriger, ich verstand nicht, warum er mich nicht versteht, nicht umsetzen konnte, was ich von ihm wollte…
So gelangten wir zu verschiedenen Hundeschulen und an verschiedene Trainer…doch irgendwie…kurz und knapp: es wurd‘ nicht besser – im Gegenteil. Und auch die Art und Weise, wie ich mit ihm umgehen sollte, behagte mir nicht so recht.
Die Verzweiflung wuchs und die Wut auf meine Unfähigkeit, ihm zu vermitteln, wie wir es gemeinsam auch anders machen könnten, stieg.

Meine Lösung

Nach intensiver Recherche stieß ich letztendlich auf die Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN) und der Entschluss, dort die Trainerausbildung zu beginnen, war schnell gefasst. Ging es mir doch erst einmal einfach nur darum, Hundeverhalten, Kommunikation und Körpersprache und Trainingsmethoden kennenzulernen, um uns die gemeinsame Zeit angenehmer zu gestalten und seine Chancen auf eine Vermittlung in ein neues zu Hause zu steigern – die Möglichkeit, später auch in dem Beruf zu arbeiten, hatte ich damals noch gar nicht ins Auge gefasst…

Die Zeit des intensiven (Um-) Lernens begann, ich beschäftigte mich mit dem Ausdrucksverhalten der Hunde und lernte nach und nach Techniken für „unsere“ Probleme kennen und dank diverser Praxisseminare auch anzuwenden.

Und hey – was soll ich sagen?! Es wurd‘ tatsächlich besser!! Besser im Sinne von: Robby konnte sich besser auf mich einlassen, wir hatten eine Menge Spaß in der kurzen Zeit außerhalb des Tierheimzwingers und auch an den Begegnungen auf den Spaziergängen konnten wir nun gemeinsam arbeiten und kleine, aber tolle Fortschritte erzielen.

…doch trotzdem gab es keine Interessenten für ihn…..leider – niemand, der es auch nur ansatzweise in Erwägung zog, ihn zu sich zu nehmen und ihm eine Chance zu geben…
Leider…..oder sollte ich sagen „ZUM GLÜCK“ ?!

Wir haben voneinander gelernt

Nachdem er im Tierheim neben immer wieder kleineren gesundheitlichen Rückschlägen dann plötzlich schwer krank wurde und wir mehrfach um sein Leben kämpfen mussten, ergab sich nach langem Hin und Her endlich die Möglichkeit, ihn doch noch zu mir zu nehmen.

Unsere folgende gemeinsame Zeit war leider nur noch sehr kurz, dafür aber umso intensiver und ich bin ihm unendlich dankbar dafür, was er mich alles gelehrt hat: wie man respektvoll miteinander umgehen kann, ohne Schmerzen zuzufügen und so kleinschrittig einen gemeinsamen Weg geht kann, auf Bedürfnisse zu achten und einzugehen und miteinander statt gegeneinander zu leben und zu arbeiten und sich so anzunehmen, wie man ist.

Ich möchte, dass Du von meinem Weg profitierst

Kurz darauf schloss ich meine Ausbildung an der ATN ab und arbeite seitdem als Trainerin mit Menschen und ihren Hunden, um mein Wissen an sie weiterzugeben und auch ihnen so zu einem harmonischen Miteinander im Alltag zu verhelfen.

Und auch wenn mich Robby nicht mehr begleitet, so ist er dennoch immer ein Teil von mir und hat mir die kleine Ültje geschickt, mit der ich nun mein Leben teilen und von der ich noch eine ganze Menge lernen darf.
Und a propos ‚Lernen‘ – da ich das stetige Sich-Weiterentwickeln sehr schätze und mein Wissensdurst quasi nie gestillt ist, absolviere ich nun zusätzlich die CumCane-Ausbildung und bin sehr gespannt darauf, wohin mein Weg mich in Zukunft noch so führt.


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Operante Konditionierung – die Portion gesunder Egoismus

Operante Konditionierung – die Portion gesunder Egoismus

In der Januarausgabe haben wir uns dem Pavlovschen Hund und der Klassischen Konditionierung gewidmet.
1904 erhielt Pavlov für seine Forschung über Verdauungsdrüsen, bei der er auch die Klassische Konditionierung entdeckte, den Nobelpreis. Im selben Jahr wurde einer der bedeutendsten, aber auch kontrovers diskutiertesten Forscher von Lernprozessen geboren: Burrhus Frederic Skinner.

Gesetz des Effektes nach Thorndike

Gesetz des Effektes nach Thorndike. Grafik: Anne Bucher, CaneCaba

Ehe wir uns um Skinner und die Operante Konditionierung kümmern, wollen wir einen wichtigen Vorreiter jedoch nicht überspringen. Edward Lee Thorndike forschte als Erster an Lernprozessen, welche nicht alleine auf die Klassische Konditionierung zurück zu führen waren. Dreizehn Jahre (1898- 1911) widmete er seine Forschung diesen Prozessen, insbesondere dem Lernen über „Versuch und Irrtum“. Er entwickelte einen Versuchskäfig (die sog. Problem- oder Rätselbox) und schloss Katzen darin mit verschiedenen Mechanismen ein. Die Katze versuchte auf verschiedene Arten aus dem Käfig zu entkommen bis sie mehr oder weniger zufällig den Käfig öffnete. Je mehr Versuchsdurchgänge die Katze erlebte, desto zügiger konnte sie den Käfig öffnen. Kam sie aus dem Käfig, wurde sie zudem gefüttert um ihre Verhaltensweise zu „kräftigen“ (Thorndike 1911). Aus seiner Forschung entstand unter anderem das „Gesetz des Effektes“ (law of effect).

Laut dem Gesetz des Effektes wird Verhalten, welches Bedürfnisbefriedigung zur Folge hat, in Zukunft wahrscheinlich häufiger gezeigt. Verhalten, welches zu Frustration geführt hat, wird jedoch wahrscheinlich seltener. Ein wichtiger Grundstein für die operanten Lernvorgänge war entdeckt. Damit wurden erstmalig nicht ausschließlich Reize im Vorfeld eines Verhaltens, sondern auch Reize nach einem Verhalten betrachtet.

Skinner griff genau diesen Grundstein auf und forschte systematisch weiter. Grundsätzlich unterschied Skinner in zwei verschiedene Konditionierungstypen. Bei beiden handelt es sich um assoziative Lernformen. Also Lernformen bei denen mehrere Ereignisse miteinander verbunden werden.

Zum einem der „Konditionierung Typ S“ („S“ für Stimulus/Reiz). Hierbei dreht es sich um die altbekannte Klassische Konditionierung bei welcher ein unbedeutender mit einem bedeutenden Reiz verknüpft wird. Zum anderem der „Konditionierung Typ R“ („R“ für Reaktion). Beim Reaktionslernen werden gezeigte Verhaltensweisen mit darauf folgenden Reizen verknüpft. Die auf das Verhalten folgende Reize nennt man Konsequenzen. Verhalten wird, je nach seiner Konsequenz, in Zukunft eher häufiger oder seltener gezeigt. Erstmalig wird damit unter die Lupe genommen, dass Verhalten in Erwartung einer Folge gezeigt wird und Einfluss auf die Umwelt hat.

Jede Konsequenz die das Auftreten des Verhaltens wahrscheinlicher macht, wird als „Verstärker“ bezeichnet. Konsequenzen, welche die Wahrscheinlichkeit verringern als „Strafe“. Innerhalb seiner Forschung entdeckte Skinner, dass jedoch nicht nur das Hinzufügen von Konsequenzen Verhalten beeinflusst, sondern auch das Wegnehmen. Wurden angenehme Konsequenzen entfernt, wurde das Verhalten in Zukunft seltener gezeigt, bei der Entfernung von unangenehmen häufiger.

So entstanden die Begrifflichkeiten der vier Konsequenzen: positive Verstärkung, negative Verstärkung, positive Strafe und negative Strafe. Positive Verstärkung bedeutet, dass der Situation etwas bedürfnisbefriedigendes hinzugefügt wird. Das Verhalten wird stärker, häufiger, länger oder bleibt zumindest erhalten. Dies ist die Basis für ein bedürfnisbefriedigendes und belohnungsorientiertes Training.

Bei der negativen Verstärkung wird Verhalten mehr, weil es dazu führt, dass Unangenehmes entfernt wird und die Situation sich bessert. Im Umkehrschluss bedeutet dies natürlich, dass das Unangenehme zunächst anwesend und als unangenehm wahrgenommen sein muss.

Negative Strafe hingegen funktioniert darüber, dass Angenehmes nach dem Verhalten verschwindet. Die Situation verschlechtert sich für das Individuum. Das Verhalten wird in Zukunft seltener gezeigt um die Verschlechterung zu vermeiden. Positive Strafe sagt aus, dass etwas Unangenehmes der Situation hinzugefügt wird, auch hier wird das Verhalten schwächer um dem Unangenehmen zu entgehen.

Quadrat der Konsequenzen

Quadrat der Konsequenzen. Grafik: Anne Bucher, CaneCaba

Fassen wir zusammen

Klassische und Operante Konditionierung sind assoziative Lernformen, die immer und überall stattfinden solange das Individuum lebt. Jedes Individuum lernt immer. Lernprozesse sind nicht entstanden um Hunde zu erziehen, sondern dienen uralten und bedeutenderen Funktionen: Der Anpassung an die Umwelt um zu Überleben.

Klassische Konditionierung ermöglicht dem Individuum die Möglichkeit Vorboten wichtiger Reize zu erkennen. Operante Konditionierung lässt ein Individuum sein Verhalten so anpassen, dass ihm maximale Verstärkung und minimale Strafe widerfährt. Das Streben nach Verstärkung ist ein ganz normaler und biologisch sinnvoller Prozess. Er sichert dem Individuum die bestmöglichen Ressourcen um für sich zu sorgen und sich erfolgreich fortzupflanzen. Dies ist gesunder und biologisch sinnvoller Egoismus.

Oft begegne ich Menschen, die sich damit schwer tun, dass Lernen auf Konditionierung basieren soll. Sie äußern das Bedenken, dass es ja dann keine individuelle Note mehr hat, sie vermissen die Bindung, die Individualität und Persönlichkeiten. Näher betrachtet, brauchen wir diese Sorge nicht haben, denn Emotionen und Persönlichkeit spielen eine große Rolle. In den vorangegange- nen Zeilen haben wir erfahren, dass es um Bedürfnisbefriedigung, Angenehmes, Unangenehmes und Ressourcen geht. Hier liegt der Schlüssel. Die Bewertung von Reizen und Konsequenzen wird von jedem Individuum vorgenommen. Aktuelle physiologische Bedürfnisse, wie das Stillen von Hunger und Durst, das Abstellen von Schmerz, Hitze, Kälte oder zum Beispiel der Drang nach körperlicher Nähe, Sicherheit, Spiel oder Jagd tragen zur Bildung von Bedürfnissen bei. Wie groß diese ausgeprägt sind, hängt zudem unter anderem mit den genetischen Anlagen, der Persönlichkeit, den gemachten Erfahrungen, der aktuellen Umwelt, sowie dem aktuellen Befinden und der emotionalen Bewertung ab.

Was bedeutet dieses Wissen für unser Zusammenleben mit unseren Hunden?

Es bedeutet, dass wir das Individuum mit dem wir leben oder arbeiten wollen gut beobachten und kennen sollten. Lernen findet immer statt, man kann es aber nicht beobachten. Erkennen kann man lediglich Verhaltensveränderungen und daraus mögliche Rückschlüsse ziehen. Nun sind wir selten distanzierte Betrach- ter. Unser persönlicher Blickwinkel beeinflusst Rückschlüsse.

Ein Tagebuch kann Abhilfe schaffen und Sachlichkeit ermöglichen. Da Operante Konditionierung Verhalten in seiner Zeit, Form und Häufigkeit verändert, kann man auf diese Weise aktuelle Begebenheiten ermitteln und Veränderungen rasch feststellen.

Eine weitere Beobachtungsübung besteht darin, dass wir herausfinden was für unsere Hunde von Bedeutung ist, was Verhalten verstärkt und was es schwächt. Der Schwierigkeitsgrad wird hier noch durch den Fluss von Verhalten und Bedürfnissen heraufgesetzt. Nicht in jeder Situation haben die von uns beobachteten Möglichkeiten die gleiche Bedeutung. Eine gute Mensch-Hund-Beziehung lebt auch davon, den anderen in Situationen lesen zu können und seine Bedürfnisse möglichst treffend zu erkennen.

Die Möglichkeiten bei der Arbeit über bedürfnisbefriedigende Belohnungen sind nahezu unbegrenzt, wenn man seinen vierbeinigen Partner gut kennt und es können weit mehr Verstärker eingesetzt werden als Futter oder Lob.

Eine Tücke bei den assoziativen Lernformen ist für uns, dass wir nicht im Vorfeld erkennen können, welche Verknüpfungen gemacht werden. Erst im Nachhinein können wir die Verhaltensänderung feststellen. Dies gilt für die klassische, wie die operante Konditionierung.

Skinner hatte, um eindeutige Ergebnisse zu erhalten eine Box („operant conditioning chamber“) erfunden. Heute ist diese besser bekannt als die „Skinner-Box“. In dieser Box konnten Tiere einzelnen Reizen ausgesetzt und mit gezielten Konsequenzen konfrontiert werden. Dabei wurden die Verhaltensänderungen protokolliert. Diese geringe Reizdichte und Kontrolle ist in unserer Umwelt nicht möglich. Nicht nur wir haben unserem Tier viel zu bieten, auch die Umwelt bietet Reize die Verhalten verstärken oder schwächen. Davon entziehen sich einige sogar unserer Wahrnehmung, wie z.B. Gerüche. Diese Tücke macht sich nicht nur im Erhalt und Aufbau von Verhalten, also der Verstärkung, bemerkbar, sondern auch im Abbau. Wird in einer Situation gestraft, so können alle anwesenden Reize via Klassischer Konditionierung mit der Strafe verknüpft werden und das vorangegangene Verhalten geschwächt werden. Strafen sind dabei mit negativen Empfindungen verknüpft, z.B. mit Angst und Frustration.

Zur Veranschaulichung schauen wir uns dieses Fallbeispieleiner Kundin an. Ihr Hund war im Freilauf versehentlich auf eine Kuhwiese gelaufen, sie pfiff ihn zurück. Der Hund machte sich sofort auf den Weg zu ihr, rannte dabei jedoch in den unter Strom stehenden Zaun und bekam einen Schlag.

In den darauffolgenden Wochen wollte der Hund die Strecke nicht mehr laufen. Sollte er sich seiner Besitzerin nähern, so machte der Hund einen weiten Bogen und näherte sich langsam von hinten oder der Seite. Nutzte sie die Pfeife zuckte der Hund zusammen, senkte die Rute, bekam große Augen und blieb an Ort und Stelle stehen. Die Nähe von Kühen sorgte für die gleichen Verhaltensreaktionen. Einige Tage später reichte es aus, dass die Kundin zur Pfeife griff um ebenfalls die deutliche Angstreaktion zu zeigen. Der Stromschlag war vom Hund mittels Klassischer Konditionierung mit dem Pfiff und den Kühen verknüpft worden. Das Verhalten auf seine Bezugsperson zuzulaufen war gestraft worden. Die Klassische Konditionierung hatte begonnen Kreise zu ziehen und bereits der Griff zur Pfeife war als Vorbote für den Pfiff erkannt.

Nicht immer sind Verbindungen so deutlich sichtbar wie in diesem Fall. Oft ist es auch einfach ein stagnierendes Training, welches uns darauf aufmerksam macht, dass etwas mit den Konsequenzen nicht zu unserem Ziel passt. Solange beispielsweise unerwünschtes Verhalten weiterhin verstärkt wird, wird es nicht weniger und unser Training kommt nicht gut voran. Die Kunst ist es, einem unerwünschten Verhalten Verstärkungsmöglichkeiten zu entziehen und parallel alternativen Verhaltensweisen ausreichend Verstärkung zukommen zu lassen. So haben wir die gute Möglichkeiten an Verhalten zu arbeiten ohne die unerwünschten Nebenwirkungen von Strafe aufkommen zu lassen.

Durch Wiederholungen kann das Tier herausfiltern, welches Verhalten in welcher Situation zu Belohnungen führt. Es kann Stück für Stück alle notwendigen Faktoren assoziieren. Bestimmte Werkzeuge, wie z.B. das Markersignal, helfen uns die Wahrscheinlichkeit der von uns gewünschten Assoziation zu erhöhen. Sie wirken als Brücke zwischen dem Verhalten und der Konsequenz. Über das Markersignal haben wir eine punktgenaue Möglichkeit dem Tier mitzuteilen, dass das aktuelle Verhalten eine Belohnung von uns bedeutet. Im Gegensatz zur Strafe ist positive Verstärkung mit freudigen Emotionen verknüpft und kann unbedenklich eingesetzt werden, ob sie zielführend ist, hängt von der Umsetzung und den äußeren Fak- toren ab. Auch negative Verstärkung kann effektiv im Training eingesetzt werden. Auf Grund der schwierigen Ausgangssituation für das Tier, in der es durch sein Verhalten Erleichterung erfährt, sollte sie jedoch sehr bedacht und dosiert eingesetzt werden. Auch das Ausbleiben einer erwarteten Strafe kann als negative Verstärkung eingeordnet werden. Da der Verhaltensaufbau logischerweise nur durch Verstärkung geschehen kann, ist dies der Grund, weshalb häufig gestrafte Hunde bestimmte Verhaltensweise schnell lernen und zeigen.

Alle Konsequenzen kommen im Leben eines Individuums vor. Positive Verstärkung sorgt für freudige Emotionen und Bedürfnisbefriedigung, negative Verstärkung für Erleichterung, negative Strafe für Frustration und positive Strafe in der Regel zu Angst. Auf Grund der möglichen Fehlverknüpfungen in Kombinationen mit Angst sind die potentiellen Nebenwirkungen von positiver Strafe besonders hoch. Fehlverknüpfungen der positiven Verstärkung hingegen haben als Nebenwirkung keine Angst zur Folge. Die Fehlverknüpfungen von positiver Verstärkung lassen sich in der Regel durch ein strukturiertes Training schnell beseitigen. Schnelligkeit ist ein weiteres Thema im Training. Häufig wird behauptet, dass Training an unerwünschtem Verhalten über Strafe schneller und effektiver sei. Hierzu gibt es bisher jedoch keine aussagekräftigen Studien. Da ein Hund nicht nichts tun kann, muss im Falle der Arbeit über Strafe ebenfalls ein Alternativverhalten aufgebaut werden. Hunde lernen schnell wie sie Strafe entgehen können, ob sie dadurch erwünschte Verhalten zeigen oder sich einfach auf andere Art der Strafe entziehen z.B. in dem sie sich dem vermeintlichen Auslöser für Strafe nicht mehr nähern, das liegt nicht in unserer Macht.

Für mich ist das Fazit daher eindeutig: Ich bevorzuge das Training über positive Verstärkung. Ein systematisches und strukturiertes Training, angepasst an die Umwelt in der Hund und Halter leben und welches den Spaß und die Bedürfnisse aller berücksichtigt.

Training über negative Verstärkung hat ebenfalls seine Daseinsberechtigung. Der Einsatz wird jedoch genau abgemessen. Meine Hunde werden auch durchaus mit negativer Strafe konfrontiert, auch wenn diese nicht auf dem Trainingsplan steht. Bei uns heisst es zum Beispiel: „Wer bellt geht rein“. Der Freilauf im Gar- ten ist schnell beendet, wenn einer am Zaun Randale macht. Allerdings weiß ich dann auch, dass ich eine Lerngelegenheit verpasst habe, um meinen Hunden über positive Verstärkung ein für mich angenehmeres Verhalten beizubringen.

Positive Strafe habe ich bei keinem meiner Tiere bisher bewusst angewendet. Ich hoffe, dass meine Tiere dies bestätigen würden und die gleiche Bewertung haben – mein Trainingstagebuch behauptet es zumindest.

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Konditionieren, Beobachten und Protokollieren zum Aufbau einer soliden Mensch – Hund – Beziehung!

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