3 Anregungen, wie Du Deinen Hund besser beobachten und verstehen kannst

3 Anregungen, wie Du Deinen Hund besser beobachten und verstehen kannst

Faszination -Hund-

In einem Punkt wirst Du mir mit Sicherheit zustimmen: Unsere Hunde sind faszinierende Lebewesen und sie gehören mit zu den vielfältigsten Arten der Welt. Die züchterische Selektion auf bestimmte Merkmale und Eigenschaften hat durch die Auswahl des Menschen unter anderem dazu beigetragen, dass wir heute weit mehr als 300 verschiedene Rassen zählen können.

Farben, Formen und Funktionen

Weit mehr als 300 Rassen mit einer enormen Vielfalt und Diversität in ihren Fellfarben und Formen. Nirgends sonst findet man so eine große Bandbreite in Körpergröße und Gewicht. Nirgends sonst begegnen uns im Tierreich Schlapp- und Stehohren oder geringelte Ruten und Stummelruten bei nur einer Art. Nirgends sonst finden wir zum Teil solche Spezialisten, die in ihrem Bereich, für den sie gezüchtet worden sind, herausragende Arbeit leisten können. Und nirgends sonst bringt dieser Formenreichtum und diese Vielgestaltigkeit im Aussehen und im Verhalten so zahlreiche Probleme mit sich.

Das Verständnis der Kommunikation als Grundlage des Miteinanders

Die Körpersprache und das Ausdrucksverhalten unserer Hunde gehören mit zu den spannendsten und zudem wichtigsten Aspekten im gemeinsamen Zusammenleben. Diese beobachten, beschreiben und richtig deuten und interpretieren zu können, ist die grundlegende Basis für einen harmonischen Alltag.

Jedes Verhalten ist Bewegung

Verhalten besteht aus Bewegungen und Hunde sind dazu in der Lage, mit wirklich feinsten Bewegungen mit ihrem Gegenüber zu kommunizieren. Bewegungen, die für uns mitunter zum Teil schwer erkennbar und wahrnehmbar erscheinen.

Es handelt sich meist um feine körpersprachliche Signale, die gesendet werden, noch lange, bevor der Hund für uns deutlich sichtbar reagiert. Viele Missverständnisse und einige konfliktträchtige Situationen resultieren daraus, dass wir Menschen diese Signale nicht erkennen oder richtig deuten können. Wir befinden uns in der Situation des ‚Fremdsprachlers‘.  Das ist völlig normal!

Der Weg ist das Ziel

Doch es gibt Mittel und Wege, sich im genauen Beobachten zu üben, sich auf das zu fokussieren, was in den jeweiligen Situationen wirklich wesentlich und wichtig ist und zu erkennen, was uns die Körpersprache unserer Hunde verrät.

Vermeide Etiketten

Konzentriere Dich zunächst wirklich darauf, das Verhalten der Hunde möglichst neutral und wertfrei zu beschreiben.

Viel zu oft stecken wir unsere Hunde in Schubladen, sortieren sie in Kategorien ein und verpassen ihnen so gewisse Etiketten. Etiketten sind jedoch Interpretationen, die unter anderem geprägt sind von Meinungen und Erfahrungen und so für Vorurteile sorgen, die unser Denken und Handeln beeinflussen. 

Ziel ist es, dass wir erst einmal möglichst neutral und wertfrei beschreiben, was unser Hund überhaupt tut. Wie verhält er sich? Etiketten in Verhaltensbeschreibungen umzuwandeln, sollte die Basis des Zusammenseins und Trainings sein.

Nicht alles ist sichtbar.

Wenn wir unsere Hunde beobachten, schauen wir nur auf eine Oberfläche. Auf eine Körperoberfläche, unter der weitere, zahlreiche Zellen liegen, und wo unter anderem Hormone und Neurotransmitter vorhanden sind. In einem teils kompliziert verketteten Netzwerk erzeugen sie mitunter Emotionen. Emotionen, die als Basis von Verhalten dieses erzeugen und an die aktuelle Situation anpassen.

Veränderungen, die wir außen an der Körperoberfläche wahrnehmen können, lassen auf Veränderungen im Inneren des Hundes schließen, die für uns meist gar nicht oder erst später ersichtlich werden.

Schaue deshalb immer genau hin – bereits kleinste, sogenannte Intentionsbewegungen, wie eine Orientierungsreaktion in eine bestimmte Richtung oder die Verlagerung des Körperschwerpunktes, geben uns erste Hinweise darauf, was als Nächstes passieren, und in welche Richtung die nächste Aktion des Hundes vermutlich geschehen wird.

Intentionsbewegung & Orientierungsreaktion. Grafik: Anne Bucher, CaneCaba

Die Geometrie des Körpers

Um Dir Beschreibungen des Körpers und der entsprechenden Ausdrucksstrukturen Deines Hundes zu vereinfachen, beobachte und denke in Pfeilen.
Was bedeutet das konkret? Mit Hilfe der Pfeile lassen sich insgesamt vier Richtungen beschreiben: nach oben / vorne / unten und hinten gerichtet. 

Betrachte Deinen Hund im jeweiligen Kontext und beschreibe mit Hilfe von Pfeil- und Richtungsangabe seine Körpersprache. Beziehen kannst Du Dich dabei sowohl auf den Hundekörper im Gesamtbild an sich, aber auch auf einzelne, für Dich in den Momenten sichtbare Körperteile wie Ohr- und Rutenansatz, Kopf, Vorder- und Hinterbeine und Körperschwerpunkt.

Setze diese Angaben in Bezug auf ein Gegenüber, ein Objekt oder einen potentiellen Auslöser für Deinen Hund, auf den er reagieren kann und erfasse so, welche Tendenzen Du beobachten kannst. Auch dies gibt erste Hinweise auf mögliche nächste Aktionen und Reaktionen Deines Hundes.

Denke in Pfeilen. Grafik: Anne Bucher, CaneCaba

Bist Du neugierig geworden?

Willst Du unbedingt mehr zum Thema „Körpersprache des Hundes“ erfahren? Willst Du auch erfahren, was wir anhand des Verhaltens unserer Hunde lesen und deuten können?

Dann ist dieses Webinar sicher spannend für Dich!

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Klassische Konditionierung – Die Macht der Vorhersage

Klassische Konditionierung – Die Macht der Vorhersage

Erinnerst Du Dich noch an den Pawlowschen Hund, den Hund, welcher anfing zu sabbern nachdem er eine Glocke hörte? Sicher hast Du im Biologieun- terricht von ihm gehört. Lass uns gemeinsam unter die Lupe nehmen, warum der Hund dies tat und was das für unseren Umgang mit unseren Hunden bedeutet.

Nur noch einmal zur Erinnerung:

Im Beispiel des Pawlowschen Hundes wurde eine Glocke geläutet und dem Hund dann Essen gegeben. Das Essen hat automatisch Speichelfluss zur Folge. Nach einigen Wiederholungen reichte das Läuten aus und der Hund begann zu sabbern. Es heißt im Übrigen so, weil der For- scher, welches das Experiment leitete, der Russe Iwan Petrowitsch Pawlow war. Er legt mit dieser Entdeckung einen wichtigen Grundstein für unser Wissen zu Lernverhalten.

Definition:

Lernen bedeutet, dass ein Individuum sich an die Umwelt anpasst um zu überleben und sich erfolgreich fortzupflanzen.

Dies kann nur geschehen, wenn das Individuum eine Möglichkeit hat zu erkennen, wenn im nächsten Moment etwas Bedeutendes wahrscheinlich ist und dadurch lernt seine Umwelt einzuschätzen. Die Klassische Konditionierung ist eine Lernform und Trainingstechnik, welche genau dies ermöglicht. Im Übrigen ist diese Lernform nicht auf unsere Hunde beschränkt, auch unsere anderen Tiere und wir selber lernen auf diesem Wege – gewollt oder ungewollt.

Klassische Konditionierung ist eine Form des assoziativen Lernens. Assoziativ bedeutet, dass Reize miteinander verbunden werden.

Reize, auch Stimuli genannt, können Geräusche, wie z.B. unsere Signale, Licht, Berührungen und vieles mehr sein. Kurzum, alles was wahrgenommen werden kann. Ein Reiz kann angeboren eine Bedeutung haben und dadurch eine Reaktion auslösen. Dies sind die unkonditionierten Reize. Ihre Bedeutung muss nicht zunächst erlernt werden. Zu den unkonditionierten Reizen gehören z.B. plötzliche, laut auftretende Geräusche, Wärme und Kälte. Und es gibt Reize, welche gegebenenfalls zunächst, keine Bedeutung haben. Erhalten diese eine Bedeutung spricht man von konditionierten Reizen. Klassische Konditionierung gibt einem, bisher unbedeutenden Reiz, eine Bedeutung in dem er mit einem bedeutenden Reiz verknüpft wird und in Zukunft alleine die Reaktion des bedeutenden Reizes auslöst.

Kennen Sie diese Situation?

Aus dem Augenwinkel siehst Du, dass eine Tür schnell zufliegt und noch ehe der Knall ertönt hast Du bereits den Kopf eingezogen, die Arme hochgerissen, vielleicht die Hände an Ihre Ohren gelegt. Das hast du via Klassischer Konditionierung gelernt! Die zufliegende Tür war einst ein unbedeutender Reiz, der Knall ein unkonditionierter Reiz, welcher reflexiv die Schreckreaktion ausgelöst hat. Jetzt reicht es, dass Du die Tür zufliegen siehst, Du greifst vorweg und rechnest mit dem Knall.

Zeitfenster für eine Ankündigung

Zeitfenster für eine Ankündigung. Abb. A. Bucher

Oder ein schöneres Beispiel: Du öffnest den Kühlschrank und Deine Tiere machen sich allesamt auf die Socken zu Dir. Ahnst Du es. Richtig! Das Geräusch der Kühlschranktür – einst ein unbedeutender Reiz – wurde mit dem bedeutendem Reiz Essen verbunden. Die Kühlschranktür regt in Deinem Hund – und bestimmt auch in Dir – die Erwartung von Nahrung aus.

Um Verknüpfungen dieser möglichst rasch und nachhaltig herzustellen, ist die Einhaltung von Regeln notwendig.

Beginnen wir mit etwas simplen, aber absolut notwendigem. Die Reize müssen vom Lernenden wahrgenommen werden. Das bedeutet, dass sie sich von der Umwelt abheben und in seinem Sinnesspektrum wahrnehmbar sein müssen. Je langweiliger die Umwelt und die Situation, desto einfacher ist dies. Je aufregender, spannender, anstrengender die Situation, desto schwieriger ist es – desto wichtiger muss also der zweite Reiz sein. Mach Dir dies bewusst.

Es bringt nichts bei Gegenwind zu flüstern, einem blinden Hund zu winken oder einen tauben Hund zu rufen.

Um etwas anzukündigen muss der unbedeutende Reiz zuerst erfolgen, danach folgt der bedeutende Reiz. Idealerweise liegen zwischen den beiden Reizen einige wenige Millisekunden bis zu wenigen Sekunden. Vielleicht kennst Du diese Anleitung bereits vom Aufbau Deines Markersignals, z.B. Clicker oder Markerwort und Dir kommt dies nun bekannt vor?

Richtig, denn dieser Signaltyp wird via Klassischer Konditionierung aufgebaut. Der unbedeutende Reiz (Markersignal) wird mit einem bedeutenden Reiz (Belohnung) verknüpft. Ein anderes Beispiel ist das konditionierte Entspannungswort. Ein bisher unbedeutendes Wortsignal wird mit anschließender Entspannung verknüpft.

dealerweise liegt zwischem dem „Click“ und der Gabe der Belohnung ungefähr ein Atemzug

Idealerweise liegt zwischem dem „Click“ und der Gabe der Belohnung ungefähr ein Atemzug. Abb. A. Bucher

Treten mehrere Reize zeitgleich auf, so spricht man von einer Überschattung.
Die Assoziation der Reize wird dadurch schwerer oder ist ggf. sogar nicht möglich. Eine beliebte Überschattung im Hundetraining ist der Griff in die Leckerchentasche, parallel zum Markersignal. Der Hund lernt das Reizpaket (Hand in die Tasche +Markersignal) kennen und verknüpft dieses mit der Belohnung. Tritt später nur eines auf, so ist dieser Reiz unvollständig und damit weniger oder unbedeutend.

Zur Vermeidung einer Überschattung ist es sinnvoll das Markersignal zu geben, einmal tief einzuatmen und dann mit der Belohnung beginnen. So bringst Du im Übrigen auch gleich etwas Ruhe in Dein Training.

Eine weitere wichtige Regel wäre das Verhältnis des Auftretens der beiden Reize. Der zugehörige Fachbegriff lautet Kontingenz.

Um eine stabile Verknüpfung zwischen den beiden Reizen herzustellen und aufrecht zu erhalten, müssen die Reize regelmäßig unmittelbar nacheinander Auftreten. Tun sie dies nicht, so wird die Verknüpfung instabil. Je zuverlässiger beide Reize in direkter Verbindung miteinander auftreten, desto stabiler wird die Verknüpfung. In meinem Training hat sich eine 80% – Regelung bewährt: Auf den unbedeutenden Reiz folgt in mindestens 80% der Fälle der bedeutende Reiz. Möchte ich beispielsweise den Namen meines Hundes als zuverlässiges Signal für ihn etablieren, dass es sich lohnt mir zuzuhören, so folgt in mindestens 80% der Fälle nach seinem Namen etwas Gutes für ihn. Dies lässt sich gut zählen. Einmal den Namen doch versehentlich genervt verwendet, viermal aufgefrischt und die Quote stimmt wieder.

Es bedeutet allerdings auch, dass der bedeutende Reiz möglichst nicht ohne den unbedeutenden auftritt. Ein Faktor, welcher vielen von uns nicht bewusst ist. Der Griff in die Belohnungstasche und die Gabe einer tollen Belohnung ohne vorheriges Markersignal, schwächt dieses.

Reiz

„Damit hast Du nicht gerechnet, oder?“ Je überraschender der Reiz, desto größer der Effekt. Abb. A. Bucher

Lernen lebt von Überraschung!

Für eine saubere Verknüpfung hat der Lernende keinen Einfluss auf das Auftreten der beiden Reize. Je überraschender die beiden Reize auftreten und je bedeutungsvoller der zweite Reiz, desto weniger Wiederholungen sind notwendig.

Hast Du eine Ahnung worauf ich hinaus will?

Zum Einen auf das oft übliche Prozedere zur Verknüpfung des Markerwortes oder Clickers das Geräusch in einer Situation mehrfach hintereinander zu produzieren und ein Leckerchen zu geben. Möglichst noch mit einer zunächst gefüllten Schale auf dem Tisch. Sei kreativ, bring Überraschungen ein und mach Dir Gedanken, was jetzt in diesem Moment gerade für Deinen Hund wichtig sein könnte:

  • Dein Hund möchte vielleicht gerade raus – gib Ihm Dein Markersignal und öffne die Terrassentür.
  • Dein Hund möchte zu Dir und kuscheln, lade ihn nach dem Markersignal ein.
  • Dein Hund isst gerne oder hat Hunger, dann gib ihm ein Leckerchen. Oder auch ganz viele.

Mach dabei beim Aufbau des Signals nicht viele Wiederholungen unmittelbar hintereinander, sondern verteile diese über den Tag.

Zum Anderen aber auch auf einen weit weniger schönen Aspekt der Klassischen Konditionierung.

Kennst Du den Begriff „Angst zieht Kreise“?
Angst ist für unsere Hunde bedeutend, sogar extrem, da das eigene Selbst bedroht ist. Reize welche unmittelbar vor Angstauslösern einer Schreckreaktion auftreten werden besonders schnell und effektiv verknüpft. Das sichert sein Überleben! Das gilt nicht nur bei Trainingsme- thoden, welche auf der Anwendung von Schreckreizen, wie z.B. dem Zischen, basieren, sondern auch auf Reize welche zufällig vor Angstauslösern auftreten. Dein Hund hat Angst vor lauten Geräuschen? Dir ist ein Topfdeckel aus der Hand gefallen und Dein Hund hat sich sofort verkrochen? Nun möchte er nicht mehr in die Küche während Du kochst. Dann hat er assoziiert, dass es knallt und scheppert, wenn Du am Herd stehst.

Angstauslöser

Die Vorboten von Angstauslösern werden schnell erlernt. Abb. A. Bucher

Die gute Nachricht:
Verknüpfungen können umgemünzt werden. Das nennt man Gegenkonditionierung und vereinfacht ausgedrückt werden dabei Reize verschiedener Bedeutung miteinander verknüpft. Doch dies würde hier den Rahmen sprengen. Grundsätzlich gilt: Betreibe Prävention und Schadensbegrenzung. Wenn Dein Hund sich erschrickt oder Angst hat, tu ihm etwas Gutes und markere und belohne den Hund. Du verstärkst die Angst damit nicht – Du setzt ein Gegengewicht.

Die Klassische Konditionierung ist nicht willentlich steuerbar. Das bedeutet, dass sich das Individuum die Reaktion auf das Signal nicht aussucht und zunächst abwägt. Es geschieht einfach ohne, dass darüber nachgedacht wird. Die Klassische Konditierung verändert Emotionen und reflexives Verhalten. Ein Faktor, welcher Klassische Konditionierung in unserem Training so unglaublich mächtig und effektiv macht. Sie funktioniert immer, wenn man sich an die Regeln hält. Unsere Hunde können sich nicht aussuchen, ob sie auf das Markersignal reagieren. Richtig aufgebaut und angewandt löst es eine Erwartungshaltung in ihnen aus, so wie der Pawlowsche Hund anfing zu speicheln.

Zu guter Letzt ein kleiner aber feiner Praxistransfer am Rande:

Das Tolle an Lerntheorie ist, dass die Regeln immer die gleichen bleiben. Ganz egal welches Ziel Du erreichen willst, in welcher Situation Du Dich befindest, welches Tier Du neben Dir hast. Du kannst sie von einer Situation in die nächste übertragen und musst Dir zunächst nur Gedanken machen, was Du eigentlich möchtest.

Mein Welpe soll bei entgegenkommenden Radfahrern automatisch an den Wegesrand gehen? Dann beginne ich von Anfang an, sobald der Hund den Radfahrer wahr genommen hat, ein Leckerchen an den Wegesrand zu werfen.

Je spannender die Umwelt, desto deutlicher sollte mein Leckerchen sich abheben. Du wirst sehen, der Radfahrer wird so ganz automatisch zu einem konditionierten Reiz, das tolle Leckerchen am Wegesrand ist der Unkonditionierte. Der Radfahrer lässt den Hund also die Vorhersage machen, dass am Wegesrand ein tolles Leckerchen zu finden ist. So hast Du – ganz nebenbei – Deinem Hund eine tolle Strategie und Anleitung gegeben, was er tun soll, wenn ein Radfahrer kommt.

Um dies aufrecht zu erhalten, solltest Du dich nur an die oben genannten Regeln halten.
Und nun viel Freude bei der Suche nach Deinen vielen unbewusst klassisch konditionierten Reizen im Alltag – ich bin mir sicher, da findet sich eine ganze Menge!

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SILVESTER NAHT…

Silvester naht

Das Risiko für laute Knallgeräusche steigt. Viele Tiere reagieren auf diese Geräusche alarmiert, mit Anspannung oder mit Flucht. Dies ist normal. Die Reaktionen auf diese plötzlich auftretenden, intensiven Reize sind angeboren. Je nach Persönlichkeitstyp des Hundes, aktueller Verfassung und Situation fallen die Reaktionen mehr oder weniger deutlich aus. Angst wird durch diverse Faktoren, wie z.B Alter, Stress und Schmerz beeinflusst. Daher sollten Hundehalter mit Schreck- und Angstreaktionen ihrer Tiere auch dann rechnen, wenn diese bisher nicht vorkamen. In der Praxis bedeutet dies, dass Hunde ab Beginn des Verkaufs von Feuerwerkskörpern angeleint bleiben sollten.

Das Tierregister Tasso e.V. verzeichnete für den letzten Jahreswechsel 520 gemeldete entlaufene Tiere, sowie 262 gefundene, noch nicht gemeldete Tiere. Das bedeutet eine Zahl von 782 bekannten entflohenen Tieren. Ein Sicherheitsgeschirr oder eine doppelte Sicherung mit Halsband und Brustgeschirr sind ratsam, vor allem wenn das Tier bereits in der Vergangenheit deutliche Reaktionen zeigte oder dem Halter noch nicht vertraut ist.

Trösten vs. Social Support

Jahr für Jahr stellt sich die Frage, ob Trösten in der Silvesternacht erlaubt ist oder ob es die Angst gar verstärkt. Wir leben mit unseren Tieren in einer sozialen Gemeinschaft. Eine gute Bindung oder Mensch-Hund-Beziehung ist Hundehaltern in der Regel sehr wichtig. In der Biologie spricht man von Sozialer Unterstützung (Social Support) und meint damit Fähigkeit zur Kooperation und Unterstützung in einer Gruppe. Individuen, die in einer Gruppe leben, sind in der Lage Social Support zu leisten und Gruppenmitgliedern in schwierigen Situationen zu unterstützen. Diese Unterstützung geschieht durch Zuwendung und körperliche Nähe.

Wird der Social Support als angenehm empfunden, so senkt er Blutdruck und Herzfrequenz und sorgt für die Ausschüttung von Oxytocin, dem „Kuschel- oder Bindungshormon“, dem Gegenspieler des bei Stresshormons Cortisol. Wäre dieses Verhalten Angstfördernd, wäre es nicht Bestandteil des Zusammenlebens von Gruppen. Angst fühlt sich nicht gut an und kostet Energie. Kein Individuum und keine Gruppe kann sich steigende Ängstlichkeit leisten. Als Soziale Unterstützung ist erlaubt, was dem Hund gut tut und worauf er sich freiwillig einlässt. Das kann das Anbieten von Kontaktliegen, Streicheln, Massagen oder Spiel sein.

Außer

Parallel kann man auf Beschäftigung und Geräuschdämmung setzen. Musik im Haus, geschlossene Vorhänge und Jalousien mindern Geräusche und Lichtreflexe von außen. Studien ergaben, dass u.a. Klaviermusik von Bach einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System ausüben. Auch Entspannungsdüfte, wie Lavendel, können als unterstützende Maßnahmen verwendet werden. Die Geruchsmoleküle entfalten ihre Wirkung auf das Gehirn unmittelbar über die Nasenschleimhäute. Wichtig ist es naturreine ätherische Öle zu verwenden, diese mindestens 1:10 zu verdünnen und den Hund niemals direkt damit einzusprühen. Eine Duftlampe oder ein Tuch mit etwas verdünntem Öl in der Nähe des Hundes sind ausreichend.

 

Beschäftigung mit Knabbersachen, Futterbällen und anderen Dingen sind hilfreich, wenn der Hund sich darauf einlassen kann.

Am effektivsten sind diese Maßnahmen, wenn sie mit einem ganzjährigen Training gegen Silvester-, Geräusch und Gewitterangst kombiniert werden. Als Notfallmaßnahme können sie lindern oder zur Prävention eingesetzt werden. Sie ersetzen jedoch kein strukturiertes Training gegen die Angst. Dieses sollte dann ab Januar 2018 umgesetzt werden und nicht mit den Weg aller guten Vorsätzen gehen. Angst hat viele Nebenwirkungen und die Auswirkungen sind schwer kalkulierbar. Ist es wahrscheinlich, dass ein Hund mit starker Angst reagiert, ist eine Medikation für Silvester sinnvoll und sollte mit dem Tierarzt oder Verhaltensmediziner besprochen werden. Dabei darf kein Acepromazin verwendet werden. Dieses mindert nicht die Angst, sondern lähmt lediglich die Muskeln. Eine dramatische Situation.

Angst ist nicht unveränderbar! Kurzfristigste Maßnahmen und Soziale Unterstützung lindern. Mittelfristig muss trainiert werden, damit das Tier nicht Jahr für Jahr leidet.

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