Leinenführigkeit: 12 Tipps für Gelassenheit und Freude

Leinenführigkeit: 12 Tipps für Gelassenheit und Freude

Meine Hunde lieben den Freilauf, das Umhertollen auf Wiesen und Feldern, das ungebremste Flitzen durch den Wald.  Keine Frage: Ohne Leine ist der Spaß vorprogrammiert. Der Umkehrschluss daraus ist jedoch nicht, dass das Laufen an der Leine gleichbedeutend mit Langeweile oder Stress ist. Im Gegenteil! Aus Rücksicht auf die Umwelt und als Schutz für das Wild oder den Straßenverkehr laufen meine Hunde viel an der Leine. Wir haben zwar nicht die perfekte Leinenführigkeit, aber eine Menge gemeinsamen Spaß und keiner von uns wird durch die Gegend gezogen. 

Für uns ist die Leine eine Sicherung, kein Kontrollmittel. Sie soll lediglich meine Hunde vor der Umwelt oder die Umwelt vor meinen Hunden schützen. Der Spaß im Freilauf endet dort, wo andere sich bedrängt oder gestört fühlen, meine Hunde ein Risiko darstellen oder ich meine Hunde durch Signale häufig ausbremsen und lenken müsste. Hier bleiben sie an der Leine. Ich verrate Dir, weshalb meine Hunde das aber ganz und gar nicht schlimm finden:

Leinen so lang wie möglich

Ich bevorzuge lange Leinen. Meine Hunde kennen es auch an ganz kurzer Leine zu gehen, weil wir beispielsweise auf einem engen Bürgersteig unterwegs sind oder Gegenverkehr haben. In der Regel gewähre ich ihnen jedoch 3 – 20 m lange Leinen. Diese Leinenlängen sorgen dafür, dass sie ungestört ihr Umgebung erkunden können. Sie können beide Wegesränder in Augenschein nehmen und ich kann teilweise weitergehen, ohne ihnen den Spaß zu verderben. 

Leinenlänge = Aktionsradius 

Laufen an der Leine bedeutet für mich, dass meine Hunde im Leinenradius weiter ihre Freiheit haben. Solange der Karabiner am Hund der Schwerkraft folgt, dürfen sie sich in ihrem Tempo und ihren Richtungen bewegen. Ich gebe mit der Leinenlänge also den Aktionsradius vor – sie bestimmen die Aktion. Viel zu oft wird das Laufen an der Leine mit dem „Fuß gehen“ verwechselt. Gerade in Regionen und Zeiten, in denen die Hunde viel an die Leine müssen, ist dies extrem anstrengend und frustrierend. 

Tempowechsel 

Meine Mädels haben einen Größenunterschied von mehr als 20 cm und einen Aktivitätsunterschied wie Tag und Nacht. Während die eine im Schritt und schon mal im langsamen Trab an der Leine umherzottelt, ist die andere mit Karacho in alle Richtungen unterwegs. Je langsamer ich gehe, desto schwieriger ist es für unsere kleine Minnie. Je flotter ich gehe, desto eher fällt unsere Nayeli in Passgang. Erst, wenn ich wirklich schnellen Schrittes gehe, reicht mein Tempo, dass sie schön traben kann. Häufige Tempowechsel sorgen dafür, dass ich beiden möglichst gerecht werde. 

Gegenseitige Rücksichtnahme

Nein, ich meine jetzt nicht die Rücksichtnahme auf Dritte – die sollte selbstverständlich sein. Kein Jogger möchte über unsere Leinen springen. Ich meine die Rücksichtnahme auf meine Hunde und von meinen Hunden auf mich. Ich trainiere mit meinen Hunden, dass sie mir nicht die Arme ausreißen oder mich zweiteilen in dem sie wild in unterschiedliche Richtungen rasen. Genauso achte ich aber auch darauf, dass ich nichts dergleichen tue. Bleibt eine zurück, warte ich auf sie und gebe ihr Zeit, während ich die andere darauf hinweise. 

Möchte ich Richtungen ändern, andere Wege gehen oder deutliche Tempowechsel, so sage ich Bescheid. Immerhin kann es sein, dass eine Duftmarke gerade das gesamte Aufmerksamkeitspotential auf sich zieht. Der Spaziergang dient ja nicht nur meiner Bewegung und Erholung, sondern vor allem der Umwelterkundung meiner Hunde. Wenn es mir um ein stures Marschieren ginge, könnte ich sie auch auf ein Laufband stellen. 

Körpersprache gezielt einsetzen

Unsere Hunde sind begnadete Leser unserer Körpersprache. Oft geben unsere Stimme und unser Körper unterschiedliche Signale. Achte doch auf den Leinenspaziergängen mal ganz besonders darauf, welche Auswirkungen Deine Körpersprache hat. Wenn Du möchtest, dass Dein Hund aufschließt, drehe Dich bereits in die Richtung, in die Du weitergehen willst beim Warten. Wenn Du ihm noch Zeit geben möchtest, stehe ein wenig abgewandt, aber noch nicht in die weitere Richtung gewandt in entspannter Körperhaltung. 

An- und Ableinen gelassen meistern

Ich kündige meinen Hunden an, wenn ich sie an- oder ableine. Das bedeutet, dass ich ihnen Bescheid gebe, ehe ich mich zu ihnen herunterbeuge, um die Karabiner zu lösen. Sie brauchen nicht sitzen oder innehalten. Und damit sie nicht in beiden Fällen danach kurz bei mir verweilen und wir uns sortieren können, haben wir diese Aktionen kurzerhand mit kleinen Belohnungen bei mir verknüpft. So habe ich keine Hunde, die nach dem Ableinen sofort losschießen wie ein Pfeil aus dem Flitzebogen. Nur damit ich eine Sekunde später feststelle, dass ein Radfahrer um die Ecke kam. Und das Anleinen ist direkt mit schöner Interaktion verknüpft. 

Action, Spiel und Spaß

Auch an der Leine gibt es bei uns eine Menge Spaß. Schnüffel- und Fangspiele, kleine Rennspiele und Suchen sind an der Leine einfach zu gestalten und sorgen für Abwechslung. Auch Tricks und Signale für den Alltag lassen sich an der Leine super trainieren. Unsere Herausforderung: Ich möchte, dass alle Signale stets an lockerer Leine trainiert werden, der Karabiner also herunterhängt. So erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch im Freilauf klappen. Die Leinenspannung wird nicht Teil des Signals. Je länger die Leine, desto mehr Möglichkeiten hast Du für die Beschäftigung und auch tolle Werkzeuge wie die „Verlorensuche auf der Rückspur“ lassen sich an der Leine aufbauen. Doch auch an kurzer Leine kann man eine Menge Spaß haben, Zerrspiele lassen sich beispielsweise auch auf engem Raum machen. 

Übungen für Geist und Körper

Laufen an der Leine ist der ideale Moment, um Kletterübungen an Baumstämmen und Stümpfen zu machen, Leckerchenbäume zu bestücken oder das Laufen von Bögen zu üben. Auch das Pendeln, das in kleineren Bögen voran laufen, kannst Du hier super trainieren. Das fordert nicht nur den Kopf, sondern macht den Körper müde und geschmeidig. Nutze doch diese Aufgaben für ein Warm-up oder Cool-down am Anfang und Ende des Spazierganges. Je besser Dein Hund aufgewärmt ist, desto enger darfst Du die Bögen gehen. 

Jedes Training beginnt an der Leine

Die Fälle, in denen ich mit meinen Kunden zunächst ohne Leine gearbeitet habe, lassen sich schnell aufzählen. Meistens beginnt jedes Training an der Leine. Warum also nicht einen Teil der Zeit an der Leine nutzen, um Deine Signale aufzufrischen? Ob Rückruf, Umorientierungssignal oder ein schnelles Sitzen aus dem Gehen – ganz egal. Alle Trainings, die Spaß machen und dem Hund Belohnungen bringen, sind erlaubt. Denke aber an ausreichende Pausen und Gelegenheiten die Umwelt zu erkunden. 

Strecken mit Bedacht wählen 

Sicher gibt es auch bei Deinem Hund Orte, an denen er mit Freilauf rechnet und andere, an denen er davon ausgeht, dass er an der Leine bleibt. Auch wenn Dein Hund oft und viel in den Freilauf darf: Behalte Dir stets 1-3 Strecken oder Streckenabschnitte, an denen immer die Leine angesagt ist. Sollte Dein Hund aus irgendeinem Grund mal nicht freilaufen dürfen, so sind diese Strecken Deine Rettung. Sie schützen davor, dass Dein Hund über die plötzliche Veränderung frustriert ist. Wir haben als Leinenstrecken bewusst sogenannte „Pippimeilen“ ausgewählt. Hier haben unsere Hunde vor allem ein Interesse: Schnüffeln! Das geht auch an kürzerer Leine und in Slow Motion gut! 

Baue Pausen und Abwechslung ein

Gerade wenn Dein Hund noch nicht gut an lockerer Leine laufen kann, baue Pausen ein. Idealerweise darf er in diesen zumindest teilweise frei laufen und so sein Tempo bestimmen. Wechsle die Freilaufpausen mit „Steh- und Erkundungspausen“ ab. Wähle eine spannende Stelle und verweile dort. Lasse Deinen Hund in Ruhe den Leinenradius erkunden. Wenn er sich zunächst damit schwertut, weil er es kennt, dass Du immer zackig unterwegs bist, streue ihm zwischendrin etwas Futter zur Suche. Du kannst dies immer an denselben Orten tun. Es ist immer wieder bewundernswert, welche Auswirkungen dies auf das Erregungslevel unserer Hunde hat. Du wirst merken, wie sehr es Deinen Hund herunterfährt. 

Trainiere die Leinenführigkeit immer wieder

Kein Hund wird mit einer Leine am Rücken geboren! Im Gegenteil – Bewegungseinschränkung ist in der Regel unangenehm. Denk daran, wie gern Du wartest oder im Stau stehst. Eine mangelnde Leinenführigkeit wird schnell zum Grund für Stress, Frustration und Auslöser von unerwünschtem Verhalten auf beiden Seiten. Investiere daher regelmäßig Zeit und Energie in das Laufen an der Leine. Trainiere bei unterschiedlicher Erregung, in unterschiedlichen Situationen und Tempi.

Wenn Du mehr zum Thema „Erregung & Entspannung“ wissen willst, schaue Dir doch mein Webinar an. Es bietet eine Menge Input für Deine Trainingsgestaltung. 

Gestalte Dein Training so, dass Dein Hund Lerngelegenheiten hat und Du ihn oft für das richtige Verhalten belohnen kannst. Das ist das A&O! 

 


 

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Dann empfehle ich Dir diese Webinaraufzeichnung meiner Kollegin Anja Landler. Dir reicht ein aufgezeichnetes Webinar nicht? Dann kontaktiere mich noch heute und lass uns gemeinsam schauen, welche Möglichkeiten es für Dich und Deinen Hund gibt, die Leinenführigkeit locker zu lernen. 

 

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Klassische Konditionierung – Die Macht der Vorhersage

Klassische Konditionierung – Die Macht der Vorhersage

Erinnerst Du Dich noch an den Pawlowschen Hund, den Hund, welcher anfing zu sabbern nachdem er eine Glocke hörte? Sicher hast Du im Biologieun- terricht von ihm gehört. Lass uns gemeinsam unter die Lupe nehmen, warum der Hund dies tat und was das für unseren Umgang mit unseren Hunden bedeutet.

Nur noch einmal zur Erinnerung:

Im Beispiel des Pawlowschen Hundes wurde eine Glocke geläutet und dem Hund dann Essen gegeben. Das Essen hat automatisch Speichelfluss zur Folge. Nach einigen Wiederholungen reichte das Läuten aus und der Hund begann zu sabbern. Es heißt im Übrigen so, weil der For- scher, welches das Experiment leitete, der Russe Iwan Petrowitsch Pawlow war. Er legt mit dieser Entdeckung einen wichtigen Grundstein für unser Wissen zu Lernverhalten.

Definition:

Lernen bedeutet, dass ein Individuum sich an die Umwelt anpasst um zu überleben und sich erfolgreich fortzupflanzen.

Dies kann nur geschehen, wenn das Individuum eine Möglichkeit hat zu erkennen, wenn im nächsten Moment etwas Bedeutendes wahrscheinlich ist und dadurch lernt seine Umwelt einzuschätzen. Die Klassische Konditionierung ist eine Lernform und Trainingstechnik, welche genau dies ermöglicht. Im Übrigen ist diese Lernform nicht auf unsere Hunde beschränkt, auch unsere anderen Tiere und wir selber lernen auf diesem Wege – gewollt oder ungewollt.

Klassische Konditionierung ist eine Form des assoziativen Lernens. Assoziativ bedeutet, dass Reize miteinander verbunden werden.

Reize, auch Stimuli genannt, können Geräusche, wie z.B. unsere Signale, Licht, Berührungen und vieles mehr sein. Kurzum, alles was wahrgenommen werden kann. Ein Reiz kann angeboren eine Bedeutung haben und dadurch eine Reaktion auslösen. Dies sind die unkonditionierten Reize. Ihre Bedeutung muss nicht zunächst erlernt werden. Zu den unkonditionierten Reizen gehören z.B. plötzliche, laut auftretende Geräusche, Wärme und Kälte. Und es gibt Reize, welche gegebenenfalls zunächst, keine Bedeutung haben. Erhalten diese eine Bedeutung spricht man von konditionierten Reizen. Klassische Konditionierung gibt einem, bisher unbedeutenden Reiz, eine Bedeutung in dem er mit einem bedeutenden Reiz verknüpft wird und in Zukunft alleine die Reaktion des bedeutenden Reizes auslöst.

Kennen Sie diese Situation?

Aus dem Augenwinkel siehst Du, dass eine Tür schnell zufliegt und noch ehe der Knall ertönt hast Du bereits den Kopf eingezogen, die Arme hochgerissen, vielleicht die Hände an Ihre Ohren gelegt. Das hast du via Klassischer Konditionierung gelernt! Die zufliegende Tür war einst ein unbedeutender Reiz, der Knall ein unkonditionierter Reiz, welcher reflexiv die Schreckreaktion ausgelöst hat. Jetzt reicht es, dass Du die Tür zufliegen siehst, Du greifst vorweg und rechnest mit dem Knall.

Zeitfenster für eine Ankündigung

Zeitfenster für eine Ankündigung. Abb. A. Bucher

Oder ein schöneres Beispiel: Du öffnest den Kühlschrank und Deine Tiere machen sich allesamt auf die Socken zu Dir. Ahnst Du es. Richtig! Das Geräusch der Kühlschranktür – einst ein unbedeutender Reiz – wurde mit dem bedeutendem Reiz Essen verbunden. Die Kühlschranktür regt in Deinem Hund – und bestimmt auch in Dir – die Erwartung von Nahrung aus.

Um Verknüpfungen dieser möglichst rasch und nachhaltig herzustellen, ist die Einhaltung von Regeln notwendig.

Beginnen wir mit etwas simplen, aber absolut notwendigem. Die Reize müssen vom Lernenden wahrgenommen werden. Das bedeutet, dass sie sich von der Umwelt abheben und in seinem Sinnesspektrum wahrnehmbar sein müssen. Je langweiliger die Umwelt und die Situation, desto einfacher ist dies. Je aufregender, spannender, anstrengender die Situation, desto schwieriger ist es – desto wichtiger muss also der zweite Reiz sein. Mach Dir dies bewusst.

Es bringt nichts bei Gegenwind zu flüstern, einem blinden Hund zu winken oder einen tauben Hund zu rufen.

Um etwas anzukündigen muss der unbedeutende Reiz zuerst erfolgen, danach folgt der bedeutende Reiz. Idealerweise liegen zwischen den beiden Reizen einige wenige Millisekunden bis zu wenigen Sekunden. Vielleicht kennst Du diese Anleitung bereits vom Aufbau Deines Markersignals, z.B. Clicker oder Markerwort und Dir kommt dies nun bekannt vor?

Richtig, denn dieser Signaltyp wird via Klassischer Konditionierung aufgebaut. Der unbedeutende Reiz (Markersignal) wird mit einem bedeutenden Reiz (Belohnung) verknüpft. Ein anderes Beispiel ist das konditionierte Entspannungswort. Ein bisher unbedeutendes Wortsignal wird mit anschließender Entspannung verknüpft.

dealerweise liegt zwischem dem „Click“ und der Gabe der Belohnung ungefähr ein Atemzug

Idealerweise liegt zwischem dem „Click“ und der Gabe der Belohnung ungefähr ein Atemzug. Abb. A. Bucher

Treten mehrere Reize zeitgleich auf, so spricht man von einer Überschattung.
Die Assoziation der Reize wird dadurch schwerer oder ist ggf. sogar nicht möglich. Eine beliebte Überschattung im Hundetraining ist der Griff in die Leckerchentasche, parallel zum Markersignal. Der Hund lernt das Reizpaket (Hand in die Tasche +Markersignal) kennen und verknüpft dieses mit der Belohnung. Tritt später nur eines auf, so ist dieser Reiz unvollständig und damit weniger oder unbedeutend.

Zur Vermeidung einer Überschattung ist es sinnvoll das Markersignal zu geben, einmal tief einzuatmen und dann mit der Belohnung beginnen. So bringst Du im Übrigen auch gleich etwas Ruhe in Dein Training.

Eine weitere wichtige Regel wäre das Verhältnis des Auftretens der beiden Reize. Der zugehörige Fachbegriff lautet Kontingenz.

Um eine stabile Verknüpfung zwischen den beiden Reizen herzustellen und aufrecht zu erhalten, müssen die Reize regelmäßig unmittelbar nacheinander Auftreten. Tun sie dies nicht, so wird die Verknüpfung instabil. Je zuverlässiger beide Reize in direkter Verbindung miteinander auftreten, desto stabiler wird die Verknüpfung. In meinem Training hat sich eine 80% – Regelung bewährt: Auf den unbedeutenden Reiz folgt in mindestens 80% der Fälle der bedeutende Reiz. Möchte ich beispielsweise den Namen meines Hundes als zuverlässiges Signal für ihn etablieren, dass es sich lohnt mir zuzuhören, so folgt in mindestens 80% der Fälle nach seinem Namen etwas Gutes für ihn. Dies lässt sich gut zählen. Einmal den Namen doch versehentlich genervt verwendet, viermal aufgefrischt und die Quote stimmt wieder.

Es bedeutet allerdings auch, dass der bedeutende Reiz möglichst nicht ohne den unbedeutenden auftritt. Ein Faktor, welcher vielen von uns nicht bewusst ist. Der Griff in die Belohnungstasche und die Gabe einer tollen Belohnung ohne vorheriges Markersignal, schwächt dieses.

Reiz

„Damit hast Du nicht gerechnet, oder?“ Je überraschender der Reiz, desto größer der Effekt. Abb. A. Bucher

Lernen lebt von Überraschung!

Für eine saubere Verknüpfung hat der Lernende keinen Einfluss auf das Auftreten der beiden Reize. Je überraschender die beiden Reize auftreten und je bedeutungsvoller der zweite Reiz, desto weniger Wiederholungen sind notwendig.

Hast Du eine Ahnung worauf ich hinaus will?

Zum Einen auf das oft übliche Prozedere zur Verknüpfung des Markerwortes oder Clickers das Geräusch in einer Situation mehrfach hintereinander zu produzieren und ein Leckerchen zu geben. Möglichst noch mit einer zunächst gefüllten Schale auf dem Tisch. Sei kreativ, bring Überraschungen ein und mach Dir Gedanken, was jetzt in diesem Moment gerade für Deinen Hund wichtig sein könnte:

  • Dein Hund möchte vielleicht gerade raus – gib Ihm Dein Markersignal und öffne die Terrassentür.
  • Dein Hund möchte zu Dir und kuscheln, lade ihn nach dem Markersignal ein.
  • Dein Hund isst gerne oder hat Hunger, dann gib ihm ein Leckerchen. Oder auch ganz viele.

Mach dabei beim Aufbau des Signals nicht viele Wiederholungen unmittelbar hintereinander, sondern verteile diese über den Tag.

Zum Anderen aber auch auf einen weit weniger schönen Aspekt der Klassischen Konditionierung.

Kennst Du den Begriff „Angst zieht Kreise“?
Angst ist für unsere Hunde bedeutend, sogar extrem, da das eigene Selbst bedroht ist. Reize welche unmittelbar vor Angstauslösern einer Schreckreaktion auftreten werden besonders schnell und effektiv verknüpft. Das sichert sein Überleben! Das gilt nicht nur bei Trainingsme- thoden, welche auf der Anwendung von Schreckreizen, wie z.B. dem Zischen, basieren, sondern auch auf Reize welche zufällig vor Angstauslösern auftreten. Dein Hund hat Angst vor lauten Geräuschen? Dir ist ein Topfdeckel aus der Hand gefallen und Dein Hund hat sich sofort verkrochen? Nun möchte er nicht mehr in die Küche während Du kochst. Dann hat er assoziiert, dass es knallt und scheppert, wenn Du am Herd stehst.

Angstauslöser

Die Vorboten von Angstauslösern werden schnell erlernt. Abb. A. Bucher

Die gute Nachricht:
Verknüpfungen können umgemünzt werden. Das nennt man Gegenkonditionierung und vereinfacht ausgedrückt werden dabei Reize verschiedener Bedeutung miteinander verknüpft. Doch dies würde hier den Rahmen sprengen. Grundsätzlich gilt: Betreibe Prävention und Schadensbegrenzung. Wenn Dein Hund sich erschrickt oder Angst hat, tu ihm etwas Gutes und markere und belohne den Hund. Du verstärkst die Angst damit nicht – Du setzt ein Gegengewicht.

Die Klassische Konditionierung ist nicht willentlich steuerbar. Das bedeutet, dass sich das Individuum die Reaktion auf das Signal nicht aussucht und zunächst abwägt. Es geschieht einfach ohne, dass darüber nachgedacht wird. Die Klassische Konditierung verändert Emotionen und reflexives Verhalten. Ein Faktor, welcher Klassische Konditionierung in unserem Training so unglaublich mächtig und effektiv macht. Sie funktioniert immer, wenn man sich an die Regeln hält. Unsere Hunde können sich nicht aussuchen, ob sie auf das Markersignal reagieren. Richtig aufgebaut und angewandt löst es eine Erwartungshaltung in ihnen aus, so wie der Pawlowsche Hund anfing zu speicheln.

Zu guter Letzt ein kleiner aber feiner Praxistransfer am Rande:

Das Tolle an Lerntheorie ist, dass die Regeln immer die gleichen bleiben. Ganz egal welches Ziel Du erreichen willst, in welcher Situation Du Dich befindest, welches Tier Du neben Dir hast. Du kannst sie von einer Situation in die nächste übertragen und musst Dir zunächst nur Gedanken machen, was Du eigentlich möchtest.

Mein Welpe soll bei entgegenkommenden Radfahrern automatisch an den Wegesrand gehen? Dann beginne ich von Anfang an, sobald der Hund den Radfahrer wahr genommen hat, ein Leckerchen an den Wegesrand zu werfen.

Je spannender die Umwelt, desto deutlicher sollte mein Leckerchen sich abheben. Du wirst sehen, der Radfahrer wird so ganz automatisch zu einem konditionierten Reiz, das tolle Leckerchen am Wegesrand ist der Unkonditionierte. Der Radfahrer lässt den Hund also die Vorhersage machen, dass am Wegesrand ein tolles Leckerchen zu finden ist. So hast Du – ganz nebenbei – Deinem Hund eine tolle Strategie und Anleitung gegeben, was er tun soll, wenn ein Radfahrer kommt.

Um dies aufrecht zu erhalten, solltest Du dich nur an die oben genannten Regeln halten.
Und nun viel Freude bei der Suche nach Deinen vielen unbewusst klassisch konditionierten Reizen im Alltag – ich bin mir sicher, da findet sich eine ganze Menge!

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SILVESTER NAHT…

Silvester naht

Das Risiko für laute Knallgeräusche steigt. Viele Tiere reagieren auf diese Geräusche alarmiert, mit Anspannung oder mit Flucht. Dies ist normal. Die Reaktionen auf diese plötzlich auftretenden, intensiven Reize sind angeboren. Je nach Persönlichkeitstyp des Hundes, aktueller Verfassung und Situation fallen die Reaktionen mehr oder weniger deutlich aus. Angst wird durch diverse Faktoren, wie z.B Alter, Stress und Schmerz beeinflusst. Daher sollten Hundehalter mit Schreck- und Angstreaktionen ihrer Tiere auch dann rechnen, wenn diese bisher nicht vorkamen. In der Praxis bedeutet dies, dass Hunde ab Beginn des Verkaufs von Feuerwerkskörpern angeleint bleiben sollten.

Das Tierregister Tasso e.V. verzeichnete für den letzten Jahreswechsel 520 gemeldete entlaufene Tiere, sowie 262 gefundene, noch nicht gemeldete Tiere. Das bedeutet eine Zahl von 782 bekannten entflohenen Tieren. Ein Sicherheitsgeschirr oder eine doppelte Sicherung mit Halsband und Brustgeschirr sind ratsam, vor allem wenn das Tier bereits in der Vergangenheit deutliche Reaktionen zeigte oder dem Halter noch nicht vertraut ist.

Trösten vs. Social Support

Jahr für Jahr stellt sich die Frage, ob Trösten in der Silvesternacht erlaubt ist oder ob es die Angst gar verstärkt. Wir leben mit unseren Tieren in einer sozialen Gemeinschaft. Eine gute Bindung oder Mensch-Hund-Beziehung ist Hundehaltern in der Regel sehr wichtig. In der Biologie spricht man von Sozialer Unterstützung (Social Support) und meint damit Fähigkeit zur Kooperation und Unterstützung in einer Gruppe. Individuen, die in einer Gruppe leben, sind in der Lage Social Support zu leisten und Gruppenmitgliedern in schwierigen Situationen zu unterstützen. Diese Unterstützung geschieht durch Zuwendung und körperliche Nähe.

Wird der Social Support als angenehm empfunden, so senkt er Blutdruck und Herzfrequenz und sorgt für die Ausschüttung von Oxytocin, dem „Kuschel- oder Bindungshormon“, dem Gegenspieler des bei Stresshormons Cortisol. Wäre dieses Verhalten Angstfördernd, wäre es nicht Bestandteil des Zusammenlebens von Gruppen. Angst fühlt sich nicht gut an und kostet Energie. Kein Individuum und keine Gruppe kann sich steigende Ängstlichkeit leisten. Als Soziale Unterstützung ist erlaubt, was dem Hund gut tut und worauf er sich freiwillig einlässt. Das kann das Anbieten von Kontaktliegen, Streicheln, Massagen oder Spiel sein.

Außer

Parallel kann man auf Beschäftigung und Geräuschdämmung setzen. Musik im Haus, geschlossene Vorhänge und Jalousien mindern Geräusche und Lichtreflexe von außen. Studien ergaben, dass u.a. Klaviermusik von Bach einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System ausüben. Auch Entspannungsdüfte, wie Lavendel, können als unterstützende Maßnahmen verwendet werden. Die Geruchsmoleküle entfalten ihre Wirkung auf das Gehirn unmittelbar über die Nasenschleimhäute. Wichtig ist es naturreine ätherische Öle zu verwenden, diese mindestens 1:10 zu verdünnen und den Hund niemals direkt damit einzusprühen. Eine Duftlampe oder ein Tuch mit etwas verdünntem Öl in der Nähe des Hundes sind ausreichend.

 

Beschäftigung mit Knabbersachen, Futterbällen und anderen Dingen sind hilfreich, wenn der Hund sich darauf einlassen kann.

Am effektivsten sind diese Maßnahmen, wenn sie mit einem ganzjährigen Training gegen Silvester-, Geräusch und Gewitterangst kombiniert werden. Als Notfallmaßnahme können sie lindern oder zur Prävention eingesetzt werden. Sie ersetzen jedoch kein strukturiertes Training gegen die Angst. Dieses sollte dann ab Januar 2018 umgesetzt werden und nicht mit den Weg aller guten Vorsätzen gehen. Angst hat viele Nebenwirkungen und die Auswirkungen sind schwer kalkulierbar. Ist es wahrscheinlich, dass ein Hund mit starker Angst reagiert, ist eine Medikation für Silvester sinnvoll und sollte mit dem Tierarzt oder Verhaltensmediziner besprochen werden. Dabei darf kein Acepromazin verwendet werden. Dieses mindert nicht die Angst, sondern lähmt lediglich die Muskeln. Eine dramatische Situation.

Angst ist nicht unveränderbar! Kurzfristigste Maßnahmen und Soziale Unterstützung lindern. Mittelfristig muss trainiert werden, damit das Tier nicht Jahr für Jahr leidet.

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