Silvester mit Hund: So meistert ihr es als Team

Silvester mit Hund: So meistert ihr es als Team

Draußen scheppert, knallt und stinkt es. Silvester mit Hund ist jedes Jahr eine Herausforderung – mit Katze und Pferd im Übrigen auch. 

Du bist verunsichert durch die vielen Ratschläge, was du tun sollst und was nicht? Das verstehe ich! Selbst mich macht es immer wieder fassungslos, welche Ratschläge durch das Netz geistern. 

Eines vorweg: Die Maßnahmen, die ich dir hier für dein Silvester mit Hund empfehle, helfen. Sie haben jedoch nicht die Macht, starke Ängste in Luft aufzulösen. Sollte dein Hund Silvester tausend Tode sterben, so suche dir bitte jemanden, der euch betreut! 

Schreibe uns gerne an und schildere uns, was dein Hund Silvester macht, wir empfehlen dir passende Trainerkolleginnen und/oder Tierärzte. 

Angst wird durch extreme, plötzliche, laute und zischende Reize ausgelöst. Huch, die Silvesternacht verbindet sie alle auf einmal. Warum Silvester für deinen Hund schwer ist, haben wir dir hier zusammengefasst. 

Trösten oder nicht – Die Gretchenfrage für dein Silvester mit Hund? 

Angst ist immer echt – dein Hund stellt sich nicht an. Er leidet. 

Was wünschst du dir, wenn du Angst hast? Also richtig Angst. Angst, dass der Himmel dir auf den Kopf fällt oder noch viel schlimmeres?

Wie wäre es für dich, wenn deine wichtigsten Sozialpartner in einem für dich grauenhaften Moment dir den Rücken kehrten und so täten, als wärst du nicht da?

Stell’ dir vor, wie du mit einer vertrauten Person nachts in der Tiefgarage stehst. Es ist dunkel, die Beleuchtung flackert. Du hörst Schritte. Du siehst nichts. Du tippst deine Begleitung an um sie aufmerksam zu machen, sie dreht sich weg. 

Ehrlich gesagt: Ich wäre stinksauer und wütend! 

Allerdings möchte ich in dem Moment auch nicht abgeknutscht oder bemitleidet werden. 

Was bedeutet das für dich und deinen Hund und können wir das überhaupt vergleichen? 

Ja, wir können es vergleichen – denn Hunde haben die selben emotionalen Strukturen im Gehirn, wie wir Menschen. Hier geht es um Emotionen. 

Und was bedeutet es für dein Silvester mit Hund – das verrate ich dir jetzt: 

Je besser du deinen Hund kennst, desto besser kannst du ihm helfen

Wenn unsere Minnie Angst hat, möchte sie sich eng an einen drücken oder jagen gehen. Je nachdem, was gerade besser möglich ist. Jagen fällt indoor flach, aber an uns drücken geht. Je mehr Körperfläche – desto besser. Minnie liebt es weich warm und kuschelig. Kurzum: Sie darf auf oder an uns ins Bett, auf die Couch, vor den Kamin. Wir sind dort und warten auf sie – rufen sie zu uns. 

Unsere Nayeli sucht ebenfalls Körperkontakt, möchte aber gerne wirklich angefasst und gestreichelt werden. Einfach nur „Randrücken“ reicht ihr nicht. 

Bei mittlerer Angst, hilft es ihr mit uns ihre Lieblingsaufgaben zu machen und z.B. von Target zu Target zu laufen oder ein paar Tricks zu machen. 

Beobachte deinen Hund gut über das Jahr: 

  • Welche Interaktion hilft ihm? Ist es wirklich etwas aktives oder eher etwas passives?
  • Was sind seine bevorzugten Rückzugsorte, wenn es ihm nicht gut geht? Wo kuschelt er sich ein, wenn er sich erholen will? Wie ist dieser Ort?

Nicht nur für Silvester mit deinem Hund: Schaffe einen sicheren Rückzugsort.

Hast Du den absoluten Lieblingsplatz deines Hundes ausfindig gemacht? Super! Dann gilt es nun, diesen Platz ganz nach den Vorlieben deines Hundes einzurichten und ihm den Platz so richtig schmackhaft zu machen – schmackhaft im wahrsten Sinne des Wortes. All die Dinge, die dein und gerne macht, sei es den KONG ausschlecken, mit einem Futterball spielen oder sich das Zerrseil um die Ohren hauen – all diese Dinge darf er nun nach Herzenslust in dem Bereich rund um seinen Lieblingsplatz machen.

Silvester mit Hund - Rückzugsort

Und, wenn du es richtig optimal gestalten magst, überlege doch einmal, ob Du ihm den Ort etwas dämmen kannst, damit die Geräusche etwas gedämpfter sind. Bevorzugt dein Hund etwas höhlenartiges als Schlafplatz? – Dann kannst du ihm beispielsweise noch eine dicke Decke über seine Box, seine Höhle legen.

Sei für deinen Hund da!

Weiter oben im Text hast du bereits erfahren, dass es deinem Hund nicht gut geht, wenn er Angst empfindet. Ignorieren oder Mitleid haben – beides Extreme, die deinem Hund in dieser Situation nicht wirklich helfen. 

Was ihm hilft ist, dass du für ihn da bist. Beobachte deinen Hund und erfahre und lerne so, was ihm in Situationen, in denen es ihm nicht gut geht, braucht. Und genau das bietest du ihm auch in den Tagen rund um den Jahreswechsel vermehrt an.

Laute Futterbeschäftigungen.

Lärm mit Lärm überdecken? Na, nicht ganz – ich denke, das wird uns in Anbetracht der ganzen Silvesterböller nicht gelingen.

Doch was du tun kannst, sofern dein Hund es kennt und mag: Biete ihm in der Silvesternacht Futterbeschätigungen an, mit denen sich dein Hund gerne beschäftigt, und die so richtig Krach machen.

Wir nutzen zum Beispiel gerne befüllbare Futterbälle oder den KONG Wobbler – wenn dein Hund sich damit beschäftigt, teilt dies zum einen seine Aufmerksamkeit, er kann aktiv etwas tun und zum anderen erzeugt er durch die Beschäftigung damit auch selber noch lautere Geräusche, die die von draußen zumindest ein wenig schwächer wirken lassen.

Silvester mit Hund: Rituale aufrechterhalten.

In unserem vorherigen Blogartikel hast du bereits erfahren, dass Rituale und gewohnte Abläufe deinem Hund Sicherheit geben, weil er weiß, was als nächstes kommen wird und was ihn erwartet. Diese Erwartungssicherheit gibt ihm die nötige Struktur und Sicherheit, um gut durch den Alltag zu kommen.

Wenn du im normalen Alltag einen ziemlich strukturierten Tagesablauf und feste Rituale hast, solltest du überlegen, inwieweit du diese auch in der Zeit rund um Weihnachten und Silvester beibehalten kannst, damit deinem Hund dort eine Struktur hilft.

Bedürfnisorientierte Beschäftigung macht müde.

Silvester mit Hund – sicherlich anstrengend für alle Beteiligten. Doch meiner Erfahrung nach bringt es nichts, vorher extra Energie zu sparen.

Unsere Hunde sind an Silvester deutlich besser drauf, wenn wir die Tage rund um den Jahreswechsel darauf achten, dass wir gute, ausgeglichene Tage haben. Tage mit Bewegung, Spiel und Spaß – ganz im Sinne unserer Hunde. Abends ist man dann deutlich entspannter und müde.

Wichtig dabei ist, dass es sich um schöne Dinge handelt, die dein Hund gerne macht. Es geht nicht darum, ihn wie wild durch die Gegend zu scheuchen oder ihn extremen Anstrengungen auszusetzen, die ihn womöglich noch eher belasten.

Unser Motto an Silvester mit Hund: Viel Bewegung, wenig Anforderungen!

Leinen“pflicht“ verdirbt uns nicht den Spaß!

Sobald der Feuerwerksverkauf startet, solltest du deinen Hund sichern und ihn unterwegs an der Leine halten. Doch mit dem Einlinken des Karabiners endet nicht der Spaß! Leine ist nicht gleichzusetzen mit Langeweile!

Auch an der Leine kannst du deinen Hund sinnvoll beschäftigen und ihr könnt gemeinsam jede Menge Spaß haben.

Klettern, Leckerchensuche, gemeinsam rennen, …. all das geht auch an der Leine!

Silvester mit Hund - Spaß an der Leine

Welchen Spaß hast du mit deinem Hund an der Leine? Berichte uns gerne!

Im nächsten Blogartikel erfährst du dann, was du tun kannst, wenn du noch gar nicht weißt, wie dein Hund an Silvester reagieren wird. Hast du gerade einen Hund aus dem Tierschutz übernommen oder bist frischgebackener Welpen-Besitzer? Dann solltest du diesen Artikel nicht verpassen!

Außerdem werden wir dir dann auch erläutern, wann es unserer Meinung nach sinnvoll ist, sich von einem TrainerIn oder einem Tierarzt unterstützen zu lassen.

Warum Silvester für Deinen Hund so schwierig ist…

Warum Silvester für Deinen Hund so schwierig ist…

Silvester – es knallt, es zischt, der Himmel erscheint in bunten Farben und die Menschen sind nahezu überall in fröhlicher und ausgelassener Stimmung.

Alle Jahre wieder steht der Jahreswechsel vor der Tür und mit ihm beginnt für Deinen Hund mit eine der anstrengendsten und schwierigsten Zeit des Jahres.

Doch warum ist das eigentlich so?

Silvester: veränderter Tagesablauf

Sobald die Vorweihnachtszeit beginnt, ändert sich für Deinen Hund so einiges. Du fragst Dich nun warum und wunderst Dich, weil Du glaubst, dass alles seinen gewohnten Gang läuft und Du keine nennenswerten Unterschiede feststellen kannst?

In vielen Familien sind die Vorweihnachtszeit und die Weihnachtstage eine besondere Zeit im Jahr. 

Kurz vor den Feiertage werden die letzten Einkäufe erledigt, der Weihnachtsbaum wird besorgt, aufgestellt und geschmückt und das Kochen des Weihnachtsessens beginnt. Die Familien kommen zusammen, es wird gefeiert und alle sind in fröhlicher, ausgelassener und zum Teil besinnlicher Stimmung.

Nur bei den wenigsten kehrt zwischen Weihnachten und Silvester wirklich Ruhe ein, die Spannung liegt noch merklich in der Luft.

Für Deinen Hund bedeutet dies vor allem, dass sich sein gewohnter Tagesablauf für ihn unverständlicherweise völlig verändert. Seine Bezugspersonen haben ein paar Tage frei und dennoch haben sie an dem ein oder anderen Tag bestimmt ein bisschen weniger Zeit für ihn. Stattdessen kommen viele fremde Menschen zu Besuch, es herrscht Unruhe und Hektik. Dein Hund verliert seine ganze Struktur, an der er sich sonst orientieren kann, die ihm Sicherheit gibt und kann nicht wie gewohnt zur Ruhe kommen.

Er ist also eventuell schon müde und belastet, bevor die Silvesterknallerei überhaupt beginnt…

Überlebensmechanismus

Knallgeräusche lösen bei vielen Tieren Schrecken und Angst aus, weil es Geräusche sind, die sehr plötzlich und sehr intensiv auftreten.

Solche Reize versetzen das Gehirn des Hundes sofort in Alarmbereitschaft und Vorsicht, lassen die Anspannung steigen und das Tier ggf. mit Fluchtverhalten reagieren.

Die Reaktion auf plötzlich auftretende und / oder laute Geräusche ist eine angeborene Angstreaktion – solche Reize lösen bei Deinem Hund also angeboren eine Reaktion aus, die biologisch vollkommen normal und sogar überlebensnotwendig ist.

Wenn Fluchtverhalten, wie an Silvester, nicht möglich ist, weil die Geräusche immer und immer wieder im Wahrnehmungsbereich Deines Hundes auftreten, kann das Angstverhalten Deines Hundes verschiedene Formen annehmen – es kann passieren, dass Dein Hund…

… eine geduckte Haltung einnimmt

… wegrennen möchte, sich zurückzieht und versteckt

… beginnt, zu zittern

… die Rute einklemmt

… stark hechelt und schneller atmet

… vermehrt speichelt

… die Augen weit aufreißt

All dies sind unter anderem Anzeichen dafür, dass es Deinem Hund in der momentanen Situation nicht gut geht und er Deine Unterstützung benötigt.

Mehr zum Thema Körpersprache Deines Hundes findest Du übrigens auch in diesem Artikel: „3 Anregungen, wie Du Deinen Hund besser beobachten und verstehen kannst“

Geräusche und Gerüche an Silvester 

Einer der Aspekte, die Deinem Hund unter anderem Probleme bereitet, ist folgender: 

Die Knallgeräusche treten wiederholt nacheinander auf. Gerade in der Silvesternacht ertönt ein Knall nach dem anderen – Dein Hund hat also gar keine Möglichkeit, sich wirklich von einem Knall zu erholen. Die Geräusche folgen so schnell hintereinander, dass Dein Hund auf einem hohen Erregungslevel bleibt und dazwischen nicht zur Ruhe kommt.

Was zudem häufig vergessen wird: 

Neben den bereits also angesprochenen zudem auch plötzlich auftretenden und sehr lauten Geräuschen, sollten auch die dabei entstehenden Gerüche nicht außer Acht gelassen werden.

Hunde haben eine sehr viel feinere und empfindlichere Nase als wir Menschen und sie nehmen die Gerüche, die nach Rauch und Feuer riechen, viel intensiver wahr. 

…abhängig von

Wie empfindlich Hunde vor allem auf den Silvester-Lärm reagieren, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Erfahrungen
  • Lernerfahrungen in ähnlichen Situationen
  • dem aktuellen Wohlbefinden und dem aktuellen Stressniveau
  • dem Vorhandensein einer Strategie, um sich besser zu fühlen

Angst – wir betrachten sie gleich noch genauer – wird durch viele verschiedene Faktoren abgeschwächt oder gar verschlimmert. 

Diese Faktoren lassen mitunter bereits unterschwellig vorhandene Ängste auch für ans an der Oberfläche erkennbar und beobachtbar werden.

Faktoren, die unter anderem dazu beitragen, sind Krankheiten und Schmerzen, weitere Hintergrundstressoren und bestimmte Entwicklungsphasen, wie die Jugendentwicklung oder der alternde Hund.

Wichtig jedoch zu beachten ist, dass Geräuschangst, zu denen auch die Angst an Silvester gehört, bei jedem Hund entstehen kann, auch, wenn er bislang keine für uns sichtbaren Probleme damit äußert.

Silvester: Erwartungsunsicherheit

Wenn Dein Hund weiß, was er erwarten kann, gibt ihm dies eine Struktur und einen Ablauf, an dem er sich orientieren kann. Er muss nicht raten, was als nächstes geschehen wird, sondern kann sich darauf verlassen, darauf einstellen und sich vorbereiten. Diese Erwartungssicherheit gibt Deinem Hund mehr Sicherheit.

Vor allem an Silvester und den Tagen zuvor geht diese Erwartungssicherheit in Bezug auf die Geräusche verloren. 

Die Geräusche kommen ohne zeitliches Muster. Dein Hund kann nicht einschätzen, wann es knallt. Es schwingt eine gewisse Unberechenbarkeit mit, es gibt für Deinen Hund keine Vorhersagbarkeit und er verliert die Kontrolle über die Umwelt und sein Verhalten.

die Emotion Angst

Angst ist eine Emotion. Eine Emotion, die sich für das Individuum, das diese Angst empfindet, nicht gut anfühlt.

Emotionen sind angeboren und unwillkürlich. Sie lösen ein Verhalten beim Tier aus.

Emotionen sorgen für eine Bewertung der Situation und für die Bildung von Gedächtnisinhalten.

Neben der Befriedigung der Bedürfnisse eines Individuums dienen sie diesem vor allem auch als Schutz und zur Sicherung des eigenen Überlebens.

Eine Emotion bestimmt die Distanzveränderung zu einem Reiz. Ist der Reiz attraktiv (anziehend), wird sich der Hund ihm nähern. Ist der Reiz eher aversiv (abstoßend), wird Dein Hund die Distanz dazu eher vergrößern und sich davon entfernen.

Emotionen erzeugen Verhalten – Verhalten hat eine Funktion.

Auch Angst als Emotion ist angeboren und überlebenswichtig. Die Funktionen von Angstverhalten liegen in der Gefahrenvermeidung durch Distanzvergrößerung und der Verbesserung der Situation.

Doch an dieser Stelle kommt es zu einer Art Kreislauf, denn an Silvester hat Dein Hund keine Möglichkeit, die Distanz wirklich so zu vergrößern, dass sich die Situation für ihn verbessert. Die Geräusche verschwinden nicht, im Gegenteil, sie sind sogar über einen längeren Zeitraum für Deinen Hund wahrnehmbar.

Silvester - die Emotion Angst

vermehrte Sensibilität

Geräuschangst breitet sich sehr schnell aus. Dein Hund wird sich nicht an die knallenden Geräusche und den Lärm gewöhnen, sondern immer empfindlicher auch gegenüber anderen Geräuschen und gegenüber anderen Dingen und Schreckreizen.

Es geht extrem schnell, dass sich Angst ausweitet. Ähnliche Geräusche lösen ebenfalls schnell Angst aus.

Angst zieht Kreise

Kennst Du den Ausdruck „Angst zieht Kreise“?

Was dies genauer bedeutet, betrachten wir im Folgenden: Dem Ganzen zugrunde liegt die sogenannte Klassische Konditionierung, eine Verknüpfung zwischen einem Reiz und einer Reaktion.

Neben dem Aspekt, dass sie immer abläuft, geschieht dies zudem auch unwillkürlich.

Sie verändert Reflexe, Emotionen und Verhalten und spielt beim Erlernen neuer Angstauslöser eine große Rolle. Eigentlich unbedeutende Reize können mit Bedrohung assoziiert werden.

Empfindet Dein Hund Angst, ist sein Gehirn in diesem Zustand besonders aktiv: es sammelt und speichert in dieser Zeit so viele Informationen über die angstauslösende Situation wie nur möglich.

Und jede dieser gespeicherten Informationen kann zu einem neuen, erlernten Angstauslöser werden.

Ein einziges Angsterlebnis kann zur Verknüpfung zeitnah auftretender Reize mit der Angst führen. Diese Reize lösen dann ebenfalls Angst aus. 

Angst wird immer häufiger und immer schneller ausgelöst.

fehlende Strategie

Vielen Hunden fehlt es in diesen Zeiten an einer Strategie, die sie wählen können, um sich besser zu fühlen.

Im nächsten Artikel erfährst Du dann, was diese Strategie für Deinen Hund sein kann, und was Du sonst noch tun kannst, damit Dein Hund gut über den Jahreswechsel kommt.

Nasenarbeit mit dem Hund: Immer der Nase nach

Nasenarbeit mit dem Hund: Immer der Nase nach

„Nasenarbeit mit dem Hund: immer der Nase nach“ – ein Erfahrungsbericht von Tonia Wessel-Schneider

Nasenarbeit mit dem Hund: die Ideal-Vorstellung:

Da kommen sie…

Das eingespielte Mensch-Hund-Team im Einsatz.

Der Mensch bis an die Zähne bewaffnet, in schwarzer Spezialeinheit-Montur, die Sonnenbrille lässt den ernsten und entschlossenen Gesichtsausruck nur vermuten.

Die dünne Leine in seiner Hand ist stramm und wird mit Kraft festgehalten. Am vorderen Ende der Leine dann der Hund. Das Schnüffeln ist deutlich zu hören und wechselt sich mit Hecheln ab.

Der Hund zieht mit Kraft nach vorne, der Mensch hängt leicht nach hinten gelehnt hinten dran. Der Kopf des Hundes geht suchend hin und her, während die Pfoten sich in den glatten Flugplatzboden stemmen, um noch schneller vorwärts zu kommen. Dann geht der Kopf des Hundes abrupt nach links, er nimmt noch mehr Fahrt auf, die Körperspannung und jeder einzelne Muskel sind durch das glatte Fell zu erkennen.

Plötzlich bleibt der Hund stehen, schnüffelt noch einmal intensiv und legt sich flach auf den Boden, die Schnauze zeigt auf einen kleinen schwarzen Koffer.

Der Mensch kommt hinzu, öffnet den Koffer und wird fündig…

Nasenarbeit mit dem Hund: Fragen über Fragen…

Ist das Nasenarbeit?

Ist es „nur“ das Suchen?

Ist das nicht eigentlich einfach?

Nasenarbeit mit dem Hund

Wie „funktioniert“ Nasenarbeit überhaupt? Wie finden Hunde verschwundene Menschen und was ist, wenn ein Mensch nicht in der Stadt, sondern im Wald oder gar in einer Lawine verschollen ist? Was ist, wenn es draußen stürmt, regnet, hagelt oder 40 Grad Celsius hat?

Ist es wichtig, dass der Hund beim Suchen rennt? Ist es nicht besser, wenn er sich Zeit lässt und dafür gründlich ist? Was muss ein Hund überhaupt für die Nasenarbeit mitbringen? Stimmen die landläufig bekannten und weit verbreiteten Mythen, die sich um die Nasenarbeit ranken? Spielt die Genetik des Hundes eine Rolle oder ist es „nur“ das Training?

Wie trainiert man Nasenarbeit überhaupt? Wie sehr wird der Hund beim Suchen von der Körpersprache oder anderen unbewussten Signalen seines Menschen beeinflusst?

Diese und noch mehr Fragen beschäftigten mich recht intensiv. Bereits mein Hundetrainerstudium habe ich aus der Motivation „Stimmt das eigentlich alles, was die Leute und die Trainer einem so erzählen und falls es stimmt, warum stimmt das bzw. warum stimmt es nicht?“ heraus absolviert.

Ich will es wissen. Ich will es im Detail wissen, weil es mir nicht reicht, beim Mantrailen hinter meinem Hund herzurennen, nach 500 m im anaeroben Bereich zu sein und dann zu gucken, ob er findet und falls ja, wie schnell.

Antworten…?

Nasenarbeit ist weit mehr als ein Hund, der auf der Suche nach einem bestimmten Geruch durch die Gegend rast und der Mensch fliegt hinterher.

Ich entschied mich daher für eine einjährige Ausbildung ausschließlich im Bereich der Nasenarbeit bei Frau Dr. Ute Blaschke-Berthold von CumCane und habe es nicht bereut!

Theorie und Praxis, „Experimente“ und diverse Trainingseinheiten mit meinem eigenen Hund, spannende Situationen und nicht zuletzt viele verblüffende Momente habe ich erleben dürfen und mein Fazit ist:

Nasenarbeit ist faszinierend, spaßig, anspruchsvoll, überraschend, spannend, abwechslungsreich und wissenschaftlich.

Nasenarbeit mit dem Hund

Sie eignet sich für junge, alte und gehandicapte Hunde, schult den Menschen-Blick für den Hund, seine Bedürfnisse, seine Emotionen, seine Persönlichkeit, seine Tagesform und ja, es stimmt was man sagt, sie gibt einem das unschlagbare Gefühl ein Team zu sein.

Vor allem aber macht sie Spaß – wenn das Thema richtig angegangen wird und es eben nicht nur um das Hinterher-Rennen, das „Pushen“, das Finden mit großem Getöse und mit medienwirksamem und reißerischem Auftritt geht. Nasenarbeit ist Konzentrationssache, sie ist Detail- und Geduldsarbeit und hat definitiv keine filmreife Sonnenbrillen-Szenen mit schweren Waffen und Hunden auf Erregungslevel 100 nötig.

Es ist eine stille, präzise, spannende und mit Überraschungen und Teamgeist gespickte Beschäftigung, die sorgfältigen kleinschrittigen Aufbau der einzelnen Elemente und ein gemeinsames Ziel im Fokus hat. Kurzum, sie ist einfach wunderbar!

Rein technisch ist Nasenarbeit der bewusste und zweckgerichtete Einsatz des hündischen Geruchssinnes auf ein bestimmtes Signal, um etwas oder jemanden zu finden und das Gefundene dann anzuzeigen.

Zwei Bereiche der Nasenarbeit mit dem Hund

Es ist zunächst zu unterscheiden zwischen der Geruchsentdeckung und dem Match to Sample.

Bei der Geruchsstoffentdeckung wird der Hund auf einen bestimmten Geruch geprägt (Imprinting). Diesen Geruch soll er dann auf das Startsignal hin suchen, finden und anzeigen.

Das Suchfeld kann hier eine einfache Reihe aus verschiedenen Behältern sein, es kann ein Trümmerfeld sein, es kann ein Wald, ein Feld, eine Industriehalle, ein Bürogebäude, ein Bahnhof, ein Flugplatz, eine Autobahnratsstätte, eine Parfümerie, ein Zoogeschäft oder ein Bus oder Auto sein.

Das Suchfeld kann also alles sein.

Der Geruch kann auf dem Boden, in Nasenhöhe, über Kopfhöhe, in Behältern aller Art, in einer Wand, unter der Erde oder in einem menschlichen Körper sein.

Der zweite Bereich ist der Bereich des Match to Sample. Das heißt, dass der Hund eine Geruchsprobe zum Schnüffeln erhält und dann diesen – und nur diesen – Geruch unter einer Vielzahl von gleichartigen Gerüchen differenziert, erkennt und anzeigt. Bei dieser Variante kann der Hund einer Geruchsspur folgen, bis er dort, wo der Zielgeruch am intensivsten ist, abgekommen ist. Es ist möglich, dass der Hund der Spur eines ganz bestimmten Menschen folgt, obwohl er diese Spur aus einer teilweise unfassbar großen Anzahl aus anderen (Menschen)Gerüchen finden und verfolgen muss und das unter extremen Ablenkungsreizen. Er muss außerdem lernen, dass er diese Spur von einer schwachen Intensität zur größtmöglichen Intensität verfolgen muss.

In beiden Varianten lernt der Hund nicht das Suchen selbst, das kann er längst. Er lernt aber ein Startsignal, ein sicheres Anzeigeverhalten, von seinem Menschen unabhängig zu arbeiten und ausnahmsweise nicht auf die (teils unbewussten, teils bewussten) Signale und/oder die Körpersprache seines Menschen zu reagieren. Er lernt, dass er unter äußerst großer Ablenkung in der Umwelt seinen Fokus nicht verliert und vor allem: Er lernt zunächst einmal ein Konzept.

Nasenarbeit ist nicht nur das Suchen, sie besteht aus verschiedenen Elementen

Der Geruch

Mit dem Anzeigeverhalten geht einher, dass der Hund den Geruch, den er suchen, finden und anzeigen soll, derart attraktiv empfindet, dass er Suchaufgaben mit entsprechender Motivation arbeiten kann. Auch hat der Hund zu lernen, dass der Geruch im Prinzip überall auftauchen kann. Am Boden, auf Nasenhöhe, über Kopfhöhe, in (verschiedenen) Behältern, in der Natur, an einem Menschen, an Textilien usw. Imprinting (der Hund wird auf den Geruch geprägt) folgt den Regeln der Klassischen Konditionierung und macht an sich bereits eine Menge Spaß. 

das Anzeigeverhalten bei der Nasenarbeit mit dem Hund

Mit dem Anzeigeverhalten zeigt der Hund dem Menschen, dass er das, was er gesucht hat, auch gefunden hat. Es ist nicht immer ratsam oder möglich, dass der Hund den Gegenstand, der den Zielgeruch trägt, anstupst, in den Fang nimmt, mit der Pfote bepatscht oder bellend vor dem Gegenstand steht oder sitzt. Das Anzeigeverhalten ist für die Nasenarbeit unerlässlich und wird für den jeweiligen Hund (was fällt ihm leicht, was fällt ihm schwer?) und insbesondere für seine individuelle Arbeit ausgewählt. Das Anzeigeverhalten ist eines der ersten Verhaltensweisen, das im Rahmen der Nasenarbeit trainiert wird und das sehr sorgfältig und kleinschrittig aufgebaut und extrem verstärkt wird. Es ist nämlich nicht nur wichtig, dass der Hund das Verhalten beim Fund zeigt, es ist von großer Bedeutung für die Nasenarbeit, dass er dieses Verhalten völlig unabhängig davon zeigen kann, was sein Mensch gerade macht oder nicht macht. Der Hund soll anzeigen, egal was der Mensch macht. Also selbst dann, wenn der Hund anzeigt, der Mensch aber an seinem Hund vorbeigeht ohne ein einziges Mal Blickkontakt aufzunehmen, soll der Hund weiterhin anzeigen und seinem Menschen sagen: „Doch! Guck doch! Ich habs gefunden!“. Dann soll der Hund dem Zielgeruch mehr „gehorchen“, als seinem Menschen (obedience to odor). Das ist das eigentlich Anspruchsvolle am Anzeigeverhalten: Dass der Hund es völlig unabhängig von seinem Menschen zeigt und sich in jedem Fall zum Geruch orientiert.

Das Suchen

Das Suchen braucht der Hund nicht zu lernen, das kann er von selbst Was der Hund sucht, wie er es sucht und wann er es sucht ist das, was der Hund durch Training lernt. Hängt der Mensch hinten an der Leine, während der Hund sucht, hat der Mensch in jedem Fall seinen eigenen Plan, ob er das will oder nicht und egal ob ihm das bewusst ist oder nicht. Es muss daher sichergestellt werden, dass der Hund tatsächlich den Geruch sucht bzw. einer Geruchsspur folgt und sich nicht an den bewussten oder unbewussten Signalen seines Menschen orientiert. Training beim Suchen bedeutet nie, dass der Hund das Suchen lernen muss, sondern dass trainiert wird, wie er sucht. Hier ist Feingefühl des Menschen, eine gute Beobachtungsgabe für das Ausdrucksverhalten seines Hundes und eine recht hohe Impulskontrolle des Menschen erforderlich 😊

Nasenarbeit mit dem Hund

Nasenarbeit mit dem Hund: mein Fazit

Nasenarbeit mit dem Hund ist also viel mehr als reißerische Szenen aus Filmen, rennende Hunde und rennende Menschen – und das ist auch gut so.

Wichtig ist, dass die Motivation des Hundes stets aufrechterhalten und gefördert wird. Die „Arbeit“ und der Geruch müssen etwas Positives für den Hund sein und er muss Spaß haben. Das erreicht man im Training nicht durch das Überstülpen irgendwelcher Plastiktüten mit irgendwelchen Zielgerüchen über den ganzen Hundekopf, dünne Leinen an dünnen Halsbändern oder der körperlichen und kognitiven Überforderung des Hundes. Man erreicht es durch kleinschrittigen Aufbau der einzelnen Elemente, der detaillierten Beobachtung des eigenen Hundes was seinen Leistungsstand und seine Tagesform, aber auch seine Vorlieben und Abneigungen bzgl. des Wetters oder der Umwelt betrifft.

Und das Wichtigste: Man erreicht es, wenn man als Team Spaß hat und der Weg das Ziel ist.

Möchtest Du mit Deinem Hund auch das Abenteuer Nasenarbeit erleben? Dann schau hier vorbei und melde Dich gleich an!

Leinenführigkeit: 12 Tipps für Gelassenheit und Freude

Leinenführigkeit: 12 Tipps für Gelassenheit und Freude

Meine Hunde lieben den Freilauf, das Umhertollen auf Wiesen und Feldern, das ungebremste Flitzen durch den Wald.  Keine Frage: Ohne Leine ist der Spaß vorprogrammiert. Der Umkehrschluss daraus ist jedoch nicht, dass das Laufen an der Leine gleichbedeutend mit Langeweile oder Stress ist. Im Gegenteil! Aus Rücksicht auf die Umwelt und als Schutz für das Wild oder den Straßenverkehr laufen meine Hunde viel an der Leine. Wir haben zwar nicht die perfekte Leinenführigkeit, aber eine Menge gemeinsamen Spaß und keiner von uns wird durch die Gegend gezogen. 

Für uns ist die Leine eine Sicherung, kein Kontrollmittel. Sie soll lediglich meine Hunde vor der Umwelt oder die Umwelt vor meinen Hunden schützen. Der Spaß im Freilauf endet dort, wo andere sich bedrängt oder gestört fühlen, meine Hunde ein Risiko darstellen oder ich meine Hunde durch Signale häufig ausbremsen und lenken müsste. Hier bleiben sie an der Leine. Ich verrate Dir, weshalb meine Hunde das aber ganz und gar nicht schlimm finden:

Leinen so lang wie möglich

Ich bevorzuge lange Leinen. Meine Hunde kennen es auch an ganz kurzer Leine zu gehen, weil wir beispielsweise auf einem engen Bürgersteig unterwegs sind oder Gegenverkehr haben. In der Regel gewähre ich ihnen jedoch 3 – 20 m lange Leinen. Diese Leinenlängen sorgen dafür, dass sie ungestört ihr Umgebung erkunden können. Sie können beide Wegesränder in Augenschein nehmen und ich kann teilweise weitergehen, ohne ihnen den Spaß zu verderben. 

Leinenlänge = Aktionsradius 

Laufen an der Leine bedeutet für mich, dass meine Hunde im Leinenradius weiter ihre Freiheit haben. Solange der Karabiner am Hund der Schwerkraft folgt, dürfen sie sich in ihrem Tempo und ihren Richtungen bewegen. Ich gebe mit der Leinenlänge also den Aktionsradius vor – sie bestimmen die Aktion. Viel zu oft wird das Laufen an der Leine mit dem „Fuß gehen“ verwechselt. Gerade in Regionen und Zeiten, in denen die Hunde viel an die Leine müssen, ist dies extrem anstrengend und frustrierend. 

Tempowechsel 

Meine Mädels haben einen Größenunterschied von mehr als 20 cm und einen Aktivitätsunterschied wie Tag und Nacht. Während die eine im Schritt und schon mal im langsamen Trab an der Leine umherzottelt, ist die andere mit Karacho in alle Richtungen unterwegs. Je langsamer ich gehe, desto schwieriger ist es für unsere kleine Minnie. Je flotter ich gehe, desto eher fällt unsere Nayeli in Passgang. Erst, wenn ich wirklich schnellen Schrittes gehe, reicht mein Tempo, dass sie schön traben kann. Häufige Tempowechsel sorgen dafür, dass ich beiden möglichst gerecht werde. 

Gegenseitige Rücksichtnahme

Nein, ich meine jetzt nicht die Rücksichtnahme auf Dritte – die sollte selbstverständlich sein. Kein Jogger möchte über unsere Leinen springen. Ich meine die Rücksichtnahme auf meine Hunde und von meinen Hunden auf mich. Ich trainiere mit meinen Hunden, dass sie mir nicht die Arme ausreißen oder mich zweiteilen in dem sie wild in unterschiedliche Richtungen rasen. Genauso achte ich aber auch darauf, dass ich nichts dergleichen tue. Bleibt eine zurück, warte ich auf sie und gebe ihr Zeit, während ich die andere darauf hinweise. 

Möchte ich Richtungen ändern, andere Wege gehen oder deutliche Tempowechsel, so sage ich Bescheid. Immerhin kann es sein, dass eine Duftmarke gerade das gesamte Aufmerksamkeitspotential auf sich zieht. Der Spaziergang dient ja nicht nur meiner Bewegung und Erholung, sondern vor allem der Umwelterkundung meiner Hunde. Wenn es mir um ein stures Marschieren ginge, könnte ich sie auch auf ein Laufband stellen. 

Körpersprache gezielt einsetzen

Unsere Hunde sind begnadete Leser unserer Körpersprache. Oft geben unsere Stimme und unser Körper unterschiedliche Signale. Achte doch auf den Leinenspaziergängen mal ganz besonders darauf, welche Auswirkungen Deine Körpersprache hat. Wenn Du möchtest, dass Dein Hund aufschließt, drehe Dich bereits in die Richtung, in die Du weitergehen willst beim Warten. Wenn Du ihm noch Zeit geben möchtest, stehe ein wenig abgewandt, aber noch nicht in die weitere Richtung gewandt in entspannter Körperhaltung. 

An- und Ableinen gelassen meistern

Ich kündige meinen Hunden an, wenn ich sie an- oder ableine. Das bedeutet, dass ich ihnen Bescheid gebe, ehe ich mich zu ihnen herunterbeuge, um die Karabiner zu lösen. Sie brauchen nicht sitzen oder innehalten. Und damit sie nicht in beiden Fällen danach kurz bei mir verweilen und wir uns sortieren können, haben wir diese Aktionen kurzerhand mit kleinen Belohnungen bei mir verknüpft. So habe ich keine Hunde, die nach dem Ableinen sofort losschießen wie ein Pfeil aus dem Flitzebogen. Nur damit ich eine Sekunde später feststelle, dass ein Radfahrer um die Ecke kam. Und das Anleinen ist direkt mit schöner Interaktion verknüpft. 

Action, Spiel und Spaß

Auch an der Leine gibt es bei uns eine Menge Spaß. Schnüffel- und Fangspiele, kleine Rennspiele und Suchen sind an der Leine einfach zu gestalten und sorgen für Abwechslung. Auch Tricks und Signale für den Alltag lassen sich an der Leine super trainieren. Unsere Herausforderung: Ich möchte, dass alle Signale stets an lockerer Leine trainiert werden, der Karabiner also herunterhängt. So erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch im Freilauf klappen. Die Leinenspannung wird nicht Teil des Signals. Je länger die Leine, desto mehr Möglichkeiten hast Du für die Beschäftigung und auch tolle Werkzeuge wie die „Verlorensuche auf der Rückspur“ lassen sich an der Leine aufbauen. Doch auch an kurzer Leine kann man eine Menge Spaß haben, Zerrspiele lassen sich beispielsweise auch auf engem Raum machen. 

Übungen für Geist und Körper

Laufen an der Leine ist der ideale Moment, um Kletterübungen an Baumstämmen und Stümpfen zu machen, Leckerchenbäume zu bestücken oder das Laufen von Bögen zu üben. Auch das Pendeln, das in kleineren Bögen voran laufen, kannst Du hier super trainieren. Das fordert nicht nur den Kopf, sondern macht den Körper müde und geschmeidig. Nutze doch diese Aufgaben für ein Warm-up oder Cool-down am Anfang und Ende des Spazierganges. Je besser Dein Hund aufgewärmt ist, desto enger darfst Du die Bögen gehen. 

Jedes Training beginnt an der Leine

Die Fälle, in denen ich mit meinen Kunden zunächst ohne Leine gearbeitet habe, lassen sich schnell aufzählen. Meistens beginnt jedes Training an der Leine. Warum also nicht einen Teil der Zeit an der Leine nutzen, um Deine Signale aufzufrischen? Ob Rückruf, Umorientierungssignal oder ein schnelles Sitzen aus dem Gehen – ganz egal. Alle Trainings, die Spaß machen und dem Hund Belohnungen bringen, sind erlaubt. Denke aber an ausreichende Pausen und Gelegenheiten die Umwelt zu erkunden. 

Strecken mit Bedacht wählen 

Sicher gibt es auch bei Deinem Hund Orte, an denen er mit Freilauf rechnet und andere, an denen er davon ausgeht, dass er an der Leine bleibt. Auch wenn Dein Hund oft und viel in den Freilauf darf: Behalte Dir stets 1-3 Strecken oder Streckenabschnitte, an denen immer die Leine angesagt ist. Sollte Dein Hund aus irgendeinem Grund mal nicht freilaufen dürfen, so sind diese Strecken Deine Rettung. Sie schützen davor, dass Dein Hund über die plötzliche Veränderung frustriert ist. Wir haben als Leinenstrecken bewusst sogenannte „Pippimeilen“ ausgewählt. Hier haben unsere Hunde vor allem ein Interesse: Schnüffeln! Das geht auch an kürzerer Leine und in Slow Motion gut! 

Baue Pausen und Abwechslung ein

Gerade wenn Dein Hund noch nicht gut an lockerer Leine laufen kann, baue Pausen ein. Idealerweise darf er in diesen zumindest teilweise frei laufen und so sein Tempo bestimmen. Wechsle die Freilaufpausen mit „Steh- und Erkundungspausen“ ab. Wähle eine spannende Stelle und verweile dort. Lasse Deinen Hund in Ruhe den Leinenradius erkunden. Wenn er sich zunächst damit schwertut, weil er es kennt, dass Du immer zackig unterwegs bist, streue ihm zwischendrin etwas Futter zur Suche. Du kannst dies immer an denselben Orten tun. Es ist immer wieder bewundernswert, welche Auswirkungen dies auf das Erregungslevel unserer Hunde hat. Du wirst merken, wie sehr es Deinen Hund herunterfährt. 

Trainiere die Leinenführigkeit immer wieder

Kein Hund wird mit einer Leine am Rücken geboren! Im Gegenteil – Bewegungseinschränkung ist in der Regel unangenehm. Denk daran, wie gern Du wartest oder im Stau stehst. Eine mangelnde Leinenführigkeit wird schnell zum Grund für Stress, Frustration und Auslöser von unerwünschtem Verhalten auf beiden Seiten. Investiere daher regelmäßig Zeit und Energie in das Laufen an der Leine. Trainiere bei unterschiedlicher Erregung, in unterschiedlichen Situationen und Tempi.

Wenn Du mehr zum Thema „Erregung & Entspannung“ wissen willst, schaue Dir doch mein Webinar an. Es bietet eine Menge Input für Deine Trainingsgestaltung. 

Gestalte Dein Training so, dass Dein Hund Lerngelegenheiten hat und Du ihn oft für das richtige Verhalten belohnen kannst. Das ist das A&O! 

 


 

Möchtest Du mehr über das Thema wissen?

Dann empfehle ich Dir diese Webinaraufzeichnung meiner Kollegin Anja Landler. Dir reicht ein aufgezeichnetes Webinar nicht? Dann kontaktiere mich noch heute und lass uns gemeinsam schauen, welche Möglichkeiten es für Dich und Deinen Hund gibt, die Leinenführigkeit locker zu lernen. 

 

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Klassische Konditionierung – Die Macht der Vorhersage

Klassische Konditionierung – Die Macht der Vorhersage

Erinnerst Du Dich noch an den Pawlowschen Hund, den Hund, welcher anfing zu sabbern nachdem er eine Glocke hörte? Sicher hast Du im Biologieun- terricht von ihm gehört. Lass uns gemeinsam unter die Lupe nehmen, warum der Hund dies tat und was das für unseren Umgang mit unseren Hunden bedeutet.

Nur noch einmal zur Erinnerung:

Im Beispiel des Pawlowschen Hundes wurde eine Glocke geläutet und dem Hund dann Essen gegeben. Das Essen hat automatisch Speichelfluss zur Folge. Nach einigen Wiederholungen reichte das Läuten aus und der Hund begann zu sabbern. Es heißt im Übrigen so, weil der For- scher, welches das Experiment leitete, der Russe Iwan Petrowitsch Pawlow war. Er legt mit dieser Entdeckung einen wichtigen Grundstein für unser Wissen zu Lernverhalten.

Definition:

Lernen bedeutet, dass ein Individuum sich an die Umwelt anpasst um zu überleben und sich erfolgreich fortzupflanzen.

Dies kann nur geschehen, wenn das Individuum eine Möglichkeit hat zu erkennen, wenn im nächsten Moment etwas Bedeutendes wahrscheinlich ist und dadurch lernt seine Umwelt einzuschätzen. Die Klassische Konditionierung ist eine Lernform und Trainingstechnik, welche genau dies ermöglicht. Im Übrigen ist diese Lernform nicht auf unsere Hunde beschränkt, auch unsere anderen Tiere und wir selber lernen auf diesem Wege – gewollt oder ungewollt.

Klassische Konditionierung ist eine Form des assoziativen Lernens. Assoziativ bedeutet, dass Reize miteinander verbunden werden.

Reize, auch Stimuli genannt, können Geräusche, wie z.B. unsere Signale, Licht, Berührungen und vieles mehr sein. Kurzum, alles was wahrgenommen werden kann. Ein Reiz kann angeboren eine Bedeutung haben und dadurch eine Reaktion auslösen. Dies sind die unkonditionierten Reize. Ihre Bedeutung muss nicht zunächst erlernt werden. Zu den unkonditionierten Reizen gehören z.B. plötzliche, laut auftretende Geräusche, Wärme und Kälte. Und es gibt Reize, welche gegebenenfalls zunächst, keine Bedeutung haben. Erhalten diese eine Bedeutung spricht man von konditionierten Reizen. Klassische Konditionierung gibt einem, bisher unbedeutenden Reiz, eine Bedeutung in dem er mit einem bedeutenden Reiz verknüpft wird und in Zukunft alleine die Reaktion des bedeutenden Reizes auslöst.

Kennen Sie diese Situation?

Aus dem Augenwinkel siehst Du, dass eine Tür schnell zufliegt und noch ehe der Knall ertönt hast Du bereits den Kopf eingezogen, die Arme hochgerissen, vielleicht die Hände an Ihre Ohren gelegt. Das hast du via Klassischer Konditionierung gelernt! Die zufliegende Tür war einst ein unbedeutender Reiz, der Knall ein unkonditionierter Reiz, welcher reflexiv die Schreckreaktion ausgelöst hat. Jetzt reicht es, dass Du die Tür zufliegen siehst, Du greifst vorweg und rechnest mit dem Knall.

Zeitfenster für eine Ankündigung

Zeitfenster für eine Ankündigung. Abb. A. Bucher

Oder ein schöneres Beispiel: Du öffnest den Kühlschrank und Deine Tiere machen sich allesamt auf die Socken zu Dir. Ahnst Du es. Richtig! Das Geräusch der Kühlschranktür – einst ein unbedeutender Reiz – wurde mit dem bedeutendem Reiz Essen verbunden. Die Kühlschranktür regt in Deinem Hund – und bestimmt auch in Dir – die Erwartung von Nahrung aus.

Um Verknüpfungen dieser möglichst rasch und nachhaltig herzustellen, ist die Einhaltung von Regeln notwendig.

Beginnen wir mit etwas simplen, aber absolut notwendigem. Die Reize müssen vom Lernenden wahrgenommen werden. Das bedeutet, dass sie sich von der Umwelt abheben und in seinem Sinnesspektrum wahrnehmbar sein müssen. Je langweiliger die Umwelt und die Situation, desto einfacher ist dies. Je aufregender, spannender, anstrengender die Situation, desto schwieriger ist es – desto wichtiger muss also der zweite Reiz sein. Mach Dir dies bewusst.

Es bringt nichts bei Gegenwind zu flüstern, einem blinden Hund zu winken oder einen tauben Hund zu rufen.

Um etwas anzukündigen muss der unbedeutende Reiz zuerst erfolgen, danach folgt der bedeutende Reiz. Idealerweise liegen zwischen den beiden Reizen einige wenige Millisekunden bis zu wenigen Sekunden. Vielleicht kennst Du diese Anleitung bereits vom Aufbau Deines Markersignals, z.B. Clicker oder Markerwort und Dir kommt dies nun bekannt vor?

Richtig, denn dieser Signaltyp wird via Klassischer Konditionierung aufgebaut. Der unbedeutende Reiz (Markersignal) wird mit einem bedeutenden Reiz (Belohnung) verknüpft. Ein anderes Beispiel ist das konditionierte Entspannungswort. Ein bisher unbedeutendes Wortsignal wird mit anschließender Entspannung verknüpft.

dealerweise liegt zwischem dem „Click“ und der Gabe der Belohnung ungefähr ein Atemzug

Idealerweise liegt zwischem dem „Click“ und der Gabe der Belohnung ungefähr ein Atemzug. Abb. A. Bucher

Treten mehrere Reize zeitgleich auf, so spricht man von einer Überschattung.
Die Assoziation der Reize wird dadurch schwerer oder ist ggf. sogar nicht möglich. Eine beliebte Überschattung im Hundetraining ist der Griff in die Leckerchentasche, parallel zum Markersignal. Der Hund lernt das Reizpaket (Hand in die Tasche +Markersignal) kennen und verknüpft dieses mit der Belohnung. Tritt später nur eines auf, so ist dieser Reiz unvollständig und damit weniger oder unbedeutend.

Zur Vermeidung einer Überschattung ist es sinnvoll das Markersignal zu geben, einmal tief einzuatmen und dann mit der Belohnung beginnen. So bringst Du im Übrigen auch gleich etwas Ruhe in Dein Training.

Eine weitere wichtige Regel wäre das Verhältnis des Auftretens der beiden Reize. Der zugehörige Fachbegriff lautet Kontingenz.

Um eine stabile Verknüpfung zwischen den beiden Reizen herzustellen und aufrecht zu erhalten, müssen die Reize regelmäßig unmittelbar nacheinander Auftreten. Tun sie dies nicht, so wird die Verknüpfung instabil. Je zuverlässiger beide Reize in direkter Verbindung miteinander auftreten, desto stabiler wird die Verknüpfung. In meinem Training hat sich eine 80% – Regelung bewährt: Auf den unbedeutenden Reiz folgt in mindestens 80% der Fälle der bedeutende Reiz. Möchte ich beispielsweise den Namen meines Hundes als zuverlässiges Signal für ihn etablieren, dass es sich lohnt mir zuzuhören, so folgt in mindestens 80% der Fälle nach seinem Namen etwas Gutes für ihn. Dies lässt sich gut zählen. Einmal den Namen doch versehentlich genervt verwendet, viermal aufgefrischt und die Quote stimmt wieder.

Es bedeutet allerdings auch, dass der bedeutende Reiz möglichst nicht ohne den unbedeutenden auftritt. Ein Faktor, welcher vielen von uns nicht bewusst ist. Der Griff in die Belohnungstasche und die Gabe einer tollen Belohnung ohne vorheriges Markersignal, schwächt dieses.

Reiz

„Damit hast Du nicht gerechnet, oder?“ Je überraschender der Reiz, desto größer der Effekt. Abb. A. Bucher

Lernen lebt von Überraschung!

Für eine saubere Verknüpfung hat der Lernende keinen Einfluss auf das Auftreten der beiden Reize. Je überraschender die beiden Reize auftreten und je bedeutungsvoller der zweite Reiz, desto weniger Wiederholungen sind notwendig.

Hast Du eine Ahnung worauf ich hinaus will?

Zum Einen auf das oft übliche Prozedere zur Verknüpfung des Markerwortes oder Clickers das Geräusch in einer Situation mehrfach hintereinander zu produzieren und ein Leckerchen zu geben. Möglichst noch mit einer zunächst gefüllten Schale auf dem Tisch. Sei kreativ, bring Überraschungen ein und mach Dir Gedanken, was jetzt in diesem Moment gerade für Deinen Hund wichtig sein könnte:

  • Dein Hund möchte vielleicht gerade raus – gib Ihm Dein Markersignal und öffne die Terrassentür.
  • Dein Hund möchte zu Dir und kuscheln, lade ihn nach dem Markersignal ein.
  • Dein Hund isst gerne oder hat Hunger, dann gib ihm ein Leckerchen. Oder auch ganz viele.

Mach dabei beim Aufbau des Signals nicht viele Wiederholungen unmittelbar hintereinander, sondern verteile diese über den Tag.

Zum Anderen aber auch auf einen weit weniger schönen Aspekt der Klassischen Konditionierung.

Kennst Du den Begriff „Angst zieht Kreise“?
Angst ist für unsere Hunde bedeutend, sogar extrem, da das eigene Selbst bedroht ist. Reize welche unmittelbar vor Angstauslösern einer Schreckreaktion auftreten werden besonders schnell und effektiv verknüpft. Das sichert sein Überleben! Das gilt nicht nur bei Trainingsme- thoden, welche auf der Anwendung von Schreckreizen, wie z.B. dem Zischen, basieren, sondern auch auf Reize welche zufällig vor Angstauslösern auftreten. Dein Hund hat Angst vor lauten Geräuschen? Dir ist ein Topfdeckel aus der Hand gefallen und Dein Hund hat sich sofort verkrochen? Nun möchte er nicht mehr in die Küche während Du kochst. Dann hat er assoziiert, dass es knallt und scheppert, wenn Du am Herd stehst.

Angstauslöser

Die Vorboten von Angstauslösern werden schnell erlernt. Abb. A. Bucher

Die gute Nachricht:
Verknüpfungen können umgemünzt werden. Das nennt man Gegenkonditionierung und vereinfacht ausgedrückt werden dabei Reize verschiedener Bedeutung miteinander verknüpft. Doch dies würde hier den Rahmen sprengen. Grundsätzlich gilt: Betreibe Prävention und Schadensbegrenzung. Wenn Dein Hund sich erschrickt oder Angst hat, tu ihm etwas Gutes und markere und belohne den Hund. Du verstärkst die Angst damit nicht – Du setzt ein Gegengewicht.

Die Klassische Konditionierung ist nicht willentlich steuerbar. Das bedeutet, dass sich das Individuum die Reaktion auf das Signal nicht aussucht und zunächst abwägt. Es geschieht einfach ohne, dass darüber nachgedacht wird. Die Klassische Konditierung verändert Emotionen und reflexives Verhalten. Ein Faktor, welcher Klassische Konditionierung in unserem Training so unglaublich mächtig und effektiv macht. Sie funktioniert immer, wenn man sich an die Regeln hält. Unsere Hunde können sich nicht aussuchen, ob sie auf das Markersignal reagieren. Richtig aufgebaut und angewandt löst es eine Erwartungshaltung in ihnen aus, so wie der Pawlowsche Hund anfing zu speicheln.

Zu guter Letzt ein kleiner aber feiner Praxistransfer am Rande:

Das Tolle an Lerntheorie ist, dass die Regeln immer die gleichen bleiben. Ganz egal welches Ziel Du erreichen willst, in welcher Situation Du Dich befindest, welches Tier Du neben Dir hast. Du kannst sie von einer Situation in die nächste übertragen und musst Dir zunächst nur Gedanken machen, was Du eigentlich möchtest.

Mein Welpe soll bei entgegenkommenden Radfahrern automatisch an den Wegesrand gehen? Dann beginne ich von Anfang an, sobald der Hund den Radfahrer wahr genommen hat, ein Leckerchen an den Wegesrand zu werfen.

Je spannender die Umwelt, desto deutlicher sollte mein Leckerchen sich abheben. Du wirst sehen, der Radfahrer wird so ganz automatisch zu einem konditionierten Reiz, das tolle Leckerchen am Wegesrand ist der Unkonditionierte. Der Radfahrer lässt den Hund also die Vorhersage machen, dass am Wegesrand ein tolles Leckerchen zu finden ist. So hast Du – ganz nebenbei – Deinem Hund eine tolle Strategie und Anleitung gegeben, was er tun soll, wenn ein Radfahrer kommt.

Um dies aufrecht zu erhalten, solltest Du dich nur an die oben genannten Regeln halten.
Und nun viel Freude bei der Suche nach Deinen vielen unbewusst klassisch konditionierten Reizen im Alltag – ich bin mir sicher, da findet sich eine ganze Menge!

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SILVESTER NAHT…

Silvester naht

Das Risiko für laute Knallgeräusche steigt. Viele Tiere reagieren auf diese Geräusche alarmiert, mit Anspannung oder mit Flucht. Dies ist normal. Die Reaktionen auf diese plötzlich auftretenden, intensiven Reize sind angeboren. Je nach Persönlichkeitstyp des Hundes, aktueller Verfassung und Situation fallen die Reaktionen mehr oder weniger deutlich aus. Angst wird durch diverse Faktoren, wie z.B Alter, Stress und Schmerz beeinflusst. Daher sollten Hundehalter mit Schreck- und Angstreaktionen ihrer Tiere auch dann rechnen, wenn diese bisher nicht vorkamen. In der Praxis bedeutet dies, dass Hunde ab Beginn des Verkaufs von Feuerwerkskörpern angeleint bleiben sollten.

Das Tierregister Tasso e.V. verzeichnete für den letzten Jahreswechsel 520 gemeldete entlaufene Tiere, sowie 262 gefundene, noch nicht gemeldete Tiere. Das bedeutet eine Zahl von 782 bekannten entflohenen Tieren. Ein Sicherheitsgeschirr oder eine doppelte Sicherung mit Halsband und Brustgeschirr sind ratsam, vor allem wenn das Tier bereits in der Vergangenheit deutliche Reaktionen zeigte oder dem Halter noch nicht vertraut ist.

Trösten vs. Social Support

Jahr für Jahr stellt sich die Frage, ob Trösten in der Silvesternacht erlaubt ist oder ob es die Angst gar verstärkt. Wir leben mit unseren Tieren in einer sozialen Gemeinschaft. Eine gute Bindung oder Mensch-Hund-Beziehung ist Hundehaltern in der Regel sehr wichtig. In der Biologie spricht man von Sozialer Unterstützung (Social Support) und meint damit Fähigkeit zur Kooperation und Unterstützung in einer Gruppe. Individuen, die in einer Gruppe leben, sind in der Lage Social Support zu leisten und Gruppenmitgliedern in schwierigen Situationen zu unterstützen. Diese Unterstützung geschieht durch Zuwendung und körperliche Nähe.

Wird der Social Support als angenehm empfunden, so senkt er Blutdruck und Herzfrequenz und sorgt für die Ausschüttung von Oxytocin, dem „Kuschel- oder Bindungshormon“, dem Gegenspieler des bei Stresshormons Cortisol. Wäre dieses Verhalten Angstfördernd, wäre es nicht Bestandteil des Zusammenlebens von Gruppen. Angst fühlt sich nicht gut an und kostet Energie. Kein Individuum und keine Gruppe kann sich steigende Ängstlichkeit leisten. Als Soziale Unterstützung ist erlaubt, was dem Hund gut tut und worauf er sich freiwillig einlässt. Das kann das Anbieten von Kontaktliegen, Streicheln, Massagen oder Spiel sein.

Außer

Parallel kann man auf Beschäftigung und Geräuschdämmung setzen. Musik im Haus, geschlossene Vorhänge und Jalousien mindern Geräusche und Lichtreflexe von außen. Studien ergaben, dass u.a. Klaviermusik von Bach einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System ausüben. Auch Entspannungsdüfte, wie Lavendel, können als unterstützende Maßnahmen verwendet werden. Die Geruchsmoleküle entfalten ihre Wirkung auf das Gehirn unmittelbar über die Nasenschleimhäute. Wichtig ist es naturreine ätherische Öle zu verwenden, diese mindestens 1:10 zu verdünnen und den Hund niemals direkt damit einzusprühen. Eine Duftlampe oder ein Tuch mit etwas verdünntem Öl in der Nähe des Hundes sind ausreichend.

 

Beschäftigung mit Knabbersachen, Futterbällen und anderen Dingen sind hilfreich, wenn der Hund sich darauf einlassen kann.

Am effektivsten sind diese Maßnahmen, wenn sie mit einem ganzjährigen Training gegen Silvester-, Geräusch und Gewitterangst kombiniert werden. Als Notfallmaßnahme können sie lindern oder zur Prävention eingesetzt werden. Sie ersetzen jedoch kein strukturiertes Training gegen die Angst. Dieses sollte dann ab Januar 2018 umgesetzt werden und nicht mit den Weg aller guten Vorsätzen gehen. Angst hat viele Nebenwirkungen und die Auswirkungen sind schwer kalkulierbar. Ist es wahrscheinlich, dass ein Hund mit starker Angst reagiert, ist eine Medikation für Silvester sinnvoll und sollte mit dem Tierarzt oder Verhaltensmediziner besprochen werden. Dabei darf kein Acepromazin verwendet werden. Dieses mindert nicht die Angst, sondern lähmt lediglich die Muskeln. Eine dramatische Situation.

Angst ist nicht unveränderbar! Kurzfristigste Maßnahmen und Soziale Unterstützung lindern. Mittelfristig muss trainiert werden, damit das Tier nicht Jahr für Jahr leidet.

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