Warum Kontakt an der Leine nicht tabu ist!

Warum Kontakt an der Leine nicht tabu ist!

Na klar ist es klasse, wenn Hunde sich im Freilauf begegnen und sich dabei mit einem höflichen Sozialverhalten erkunden können. Doch, was ist mit den Hunden, die nicht in den Freilauf gehen? Bleiben diese dann ohne Kontakte?

Wie schade für einen Hund, der vielleicht bei lauten Geräuschen flüchtet und deswegen an der Leine gesichert ist! Was ist in der Brut- und Setzzeit? Oder in Gebieten, wie Naturschutzgebieten, in denen Leinenpflicht herrscht?

Zudem kommen wir alle oft genug in die Situation, dass freilaufende Hunde in uns  rein rennen. Wie schön, wenn unser Hund dann einen Kontakt an der Leine kennt…

Ich bin dagegen, Hunden die Möglichkeit pauschal zu verwehren. Wie so oft geht es nicht um das „ob“ oder „ob nicht“, sondern um das „wer“ und „wie“.

Dein Ziel sollte es sein, dass dein Hund – egal wo ihr aktuell steht – irgendwann in nicht allzu ferner Zeit Nahkontakte haben darf. Denn auch wenn Hunde nicht unbedingt fremde Artgenossen brauchen, einen echten Hundekumpel sollten sie schon haben.

Außerdem sollte nicht jede Begegnung euch gleich aus der Fassung bringen. Wenn es also so weit ist, dass du wieder über Kontakte nachdenkst, schlage ein paar Purzelbäume und dann bereite dich gut vor!

Annäherung seitlich oder von hinten

Frontale Annäherungen sind immer bedrohlich und erregungssteigernd. Keine gute Voraussetzung für einen angenehmen Kontakt. Gestaltet man Begegnungen so, dass sich einer langsam dem anderen von der Seite oder von hinten nähert, kann das schon anders aussehen. Ein Stück nebeneinander herlaufen und dabei Stück für Stück die Distanz verringern, ist ein weiterer Weg. Wichtig: Achte immer darauf, dass beide Hunde sich wahrgenommen haben!

Lockere Leine

Solange einer der Hunde zum anderen hinzieht, ist das keine schöne Ausgangssituation. Deswegen gilt im Nahkontakt bitte immer: Leine locker! Je mehr Anspannung in der Leine ist, desto mehr Spannung kommt von außen in die Situation.

Ich trainiere deswegen gerne, dass wir erst üben uns an durchhängender Leine anzunähern oder aneinander vorbeizulaufen. So hast du direkt eine gute Strategie, wenn du merkst, dass es hier nicht passt. Dafür nutze ich gerne die Bögen und Schlangenlinien, zu denen du in diesem Blogartikel mehr lesen kannst.

Nicht mit jedem

Natürlich ist nicht mit jedem Hund und Halter ein Leinenkontakt möglich. Wenn du lernst, die Körpersprache der Hunde zu lesen, wirst du schnell erkennen, um wen ihr lieber einen Bogen macht.
Ich mache am liebsten immer erst einen Bogen und lasse dann möglicherweise von hinten den Kontakt zu, wenn beide Hunde ein entsprechendes Interesse bekunden. Dafür spreche ich den Menschen dann einfach höflich an.
Gerade bei meiner Minnie erkennt man dabei schnell, ob sie wirklich Interaktion will.
Das Geniale: Wenn wir schon vorbei sind, fällt es niemandem auf, wenn wir beide doch die Nase rümpfen und lieber schnell das Weite suchen!

Nicht nur der Hund zählt

Auch die Menschen schaue ich mir gut an. Erwarten sie, dass ihr Hund gleich Blödsinn macht?

Auch, wenn der Mensch die Leine schon straffer nimmt, über die Leine „korrigiert“ – also ruckt oder den Hund anders maßregelt, bin ich raus. Ich möchte beiden Hunden eine unangenehme Erfahrung ersparen und vor allem möchte ich nicht, dass mein Hund vielleicht zum Blitzableiter wird. Denn Hunde, die häufig geschulmeistert und unterdrückt werden, können dadurch zum sprichwörtlichen Pulverfass werden.

Nur mit bestimmten Leinen

Ein wichtiges Kriterium sind für mich die Situationen und die Leinen. Ist eine kordelartige Leine oder eine Roll-Leine im Spiel, gibt es bei mir keinen Leinenkontakt.  Das Verheddern kann üble, schmerzhafte Folgen haben.

Ein fallender Körper der Roll-Leine erschreckt nicht selten und kann so zu einer dämlichen Situation führen.

Am liebsten sind mir schlichte Leinen, Biothane, Leder und auch andere Materialien, die nicht dazu neigen sich zu verheddern oder einzuschnüren.

Checke die Situation

Wenn Hunde sich begrüßen, ist es normal, dass sie sich umkreisen, um die Analregion zu beschnüffeln. Wenn beide Hundehalterinnen ein gutes Leinenhandling haben, ist das kein Problem. Wenn nicht, kann es zu Knoten in den Leinen kommen.  Ich möchte nicht, dass die Besitzer nach den Leinen und damit den Hunden greifen. Daher ist es mir wichtig, dass sich im Zweifel einer traut die Leine fallen zu lassen.

Auf einem Bürgersteig, in einer Enge mit anderen Passanten ist das keine gute Idee. Auch nicht da, wo Radfahrer und Jogger im Minutentakt an uns vorbeischießen.

Schaffe Raum

Wenn dein Hund einen anderen begrüßt ist es ganz normal, dass du zuschauen willst. Drehe dabei die Füße und die Körperfront schon ein Stück in die Richtung, in die du weitergehen willst bzw. von den Hunden weg.

Wenn beide Menschen direkt an den Hunden stehen und sich zu ihnen drehen, machen wir den Raum unnötig eng und drücken die Hunde körpersprachlich in die Begegnung.

Drehst du dich bereits ein wenig weg, signalisierst du deinem Hund, dass ihr jederzeit weiter könnt.

Sicherheit geht vor

Dein Hund hatte lange keinen Nahkontakt? Dann suche dir ein Partnerteam, mit dem du langsame Annäherungen trainieren kannst. Vielleicht findet ihr einen Ort mit Zaun zwischen euch? Auch ein Maulkorbtraining im Vorfeld kann richtig viel Sinn machen!

Übe deinen Hund zu lesen und deine und seine Anspannung im Auge zu halten um eventuell früh genug eingreifen zu können ohne, dass es zu hektisch oder chaotisch wird.
Nimm dir Zeit! Es geht nicht darum, dass dein Hund mit allen und jedem Kontakt hat. Sondern darum, dass ihr die Chance bekommt neue (Hunde) Freundschaften zu schließen und hündische Kommunikation zu üben.

Nun fragst du dich sicher, wo und wie du das alles lernen und gut angehen kannst, oder?
Viele Hundeschulen bieten bereits Social Walks oder BAT Trainingssessions an. Diese sind ideal dafür! Geht das nicht, schau doch mal, ob du einen lokales Team findest, mit dem du dich treffen und das üben kannst.

In meinem kommenden Newsletter gebe ich dir wertvolle Inhalte zur Gestaltung eines solchen Social Walks an die Hand. Einfach hier abonnieren!

 

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Aggressiver Hund an der Leine – so startest du dein Training!

Aggressiver Hund an der Leine – so startest du dein Training!

Kein Blog, Podcast oder Buch der Welt ersetzt den Gang zum Tierarzt, Therapeuten oder Trainer!
Hundetraining funktioniert nicht nach Rezept. Manch schneller Tipp, kann ein echter Fehlschlag sein. Wann immer du etwas mit deinem Hund versuchst, sammelt er Lernerfahrungen. Sorge dafür, dass es die richtigen sind!

Leinenaggression ist ein häufiges Problem. Zu den möglichen Ursachen kannst du hier etwas lesen.

Um dauerhafte Resultate zu erzielen, benötigst du ein strukturiertes Training. Die Devise lautet: Kleinschrittig Veränderungen einsickern lassen und so neue nachhaltige Gewohnheiten schaffen.

Auch wenn du im Alltag immer wieder in Situationen kommst, denen ihr (noch) nicht gewachsen seid. Es lohnt sich, die Trainingselemente zunächst außerhalb der Situation zu trainieren – ohne Druck, mit Spaß und Freude!

Solange du diese Elemente nicht beherrscht, vermeide Begegnungen ruhig erst einmal. So habt ihr weniger Stress im Alltag. Dein Hund und du regeneriert und könnt gemeinsam schöne Erfahrungen sammeln. Doch selbst, wenn das gar nicht geht:

Suche dir häufig schöne Lernsituationen.

Diese vier Elemente bilden das perfekte Fundament für gelassene Begegnungen!

LeinenFÜHRUNG

Unsere Leinen sind ein Hilfsmittel, sie sollen Halt geben, zur Not absichern und den Hund ausbremsen.

Die Leinenführung des B.A.T. (Behavior adjustment training nach Grisha Stewart) ist genau darauf ausgelegt. Das Handling ist gewöhnungsbedürftig. Hast du es einmal verinnerlicht, wirst du dich fragen, warum du es nicht schon immer so gehandhabt hast! Es lohnt sich deswegen, es zu üben.

Die wesentlichen Merkmale dabei sind:

Die Leine ist in beiden Händen. Eine ist die „Leinen-Garderobe“. Die zweite Hand führt. Die Übergänge hängen dabei durch, ohne auf dem Boden zu schleifen oder zur Stolperfalle zu werden. „Die lächelnde Leine“ nennt man das. Das bietet Spielraum.

Der Hund bekommt wenig Informationen über die Leine mitgeteilt. Er darf sich möglichst ungestört bewegen. Wird es nötig, ihn auszubremsen, geschieht das sanft. Die Führhand schließt sich Stück für Stück.

Es ist wie beim Autofahren: Sei du der vorausschauende Partner, der früh genug ausrollen lässt, vorsichtig abbremst. Vollbremsungen vermeidest du.

Die Leinenführung ist nicht ohne Grund ein wesentlicher Aspekt des BAT. In diesem Video von Grisha Stewart präsentiert sie es.

Weitere Tipps zur Leinenführigkeit gibt es auch in diesem Blogartikel: „Leinenführigkeit: 12 Tipps für Gelassenheit und Freude.“ 

Die Kehrtwendung

Klar, Ziel ist es, dass unser Hund gelassen an Artgenossen vorbeimarschiert, hier und da Nahkontakt haben kann und den unleidlichen Kollegen aus dem Wege geht.

Doch ehe das soweit ist, ist es einfach sinnvoll zu wissen, dass du aus jeder Situation rauskommst. Und genau dafür ist die Kehrtwendung perfekt. Der Weg ist zu eng? Dir kommt plötzlich jemand entgegen? Dann dreh um.

Stelle dir vor, ihr könntet auf dem Absatz umkehren, so weit zurückgehen, dass du eine geeignete Stelle zum Passieren findest. Wäre das nicht genial?

Mit Spaß und Action aufgebaut, in vielen Situationen mit vielfältigen Ablenkungen und Erregungslagen trainiert, ist die Kehrtwendung die Rettung. Damit dein Hund nicht mehr so häufig aus dem Fell hüpft.

Du startest, indem du dich zackig umdrehst, sodass es dein Hund mitbekommt. Dreht er sich mit, belohnst du großzügig in die Laufrichtung. Bevor du ein Signal einführst, achte darauf, dass du in unterschiedlichsten Situationen alleine mit deiner Drehung die Wendung deines Hundes initiierst.

Bögen und Schlangenlinien

Bist du ein geradliniger Typ? Jemand der Klarheit liebt und für den es „Augen zu und durch“ bedeutet, dass man sich zusammengerissen und was geschafft hat?

Von klein auf werden wir darauf gedrillt: Trödeln, schlendern ist nicht genug. „Lauf doch mal vernünftig geradeaus.“

Genau deswegen tun wir uns so schwer damit in Schlangenlinien und Bögen auf andere zuzulaufen. Doch für unsere Hunde gilt:

Alles was zackig, von vorne, frontal und in einer Linie auf sie zukommt, ist bedrohlich. Das Gehirn lässt sofort die Erregung steigen. Sie sind auf das Schlimmste gefasst….

Eine freundliche Annäherung ist eine kurvige. Hilf deinem Hund, in dem du Kurven übst. Es gibt euch Zeit, es signalisiert dem Gegenüber, dass ihr nicht in gefährlicher Mission unterwegs seid. Es treibt das Erregungslevel deines Hundes nicht unnötig in die Höhe.

Denkst du gerade: „Habe ich schon probiert, klappt nicht!“. Je länger dein Hund andere Sachen gemacht hat, desto schwerer ist es für ihn, dieses Verhalten zu zeigen. Deswegen trainiere es außerhalb der Situationen, verknüpfe es mit schönen Momenten. Erst dann beginne es zu starten, sobald ihr etwas trefft, was eure Aufmerksamkeit erregt.

So wird es als Strategie in sein Gehirn sickern. Ihr könnt es mehr und mehr in (einst) schwierige Situationen mitnehmen.

Vor jedem „Nein“ gibt es ein „Ja“!

Das erste Mal habe ich diesen Satz bewusst aus dem Mund von Esther Follmann/CaneAmi wahrgenommen.

Eine Trainerkollegin, die ich dir absolut ans Herz legen mag. Wenn du Gelegenheit hast, mit ihr zu arbeiten: Mache es! Ich durfte viel von ihr lernen.

Der Gedanke ist: Verhalten, das vor deinem Problem kommt zu verlängern. So schiebt sich das doofe nach hinten, wird vielleicht sogar unnötig oder du hast einen Grundstein für anderes.

„Einfangen“ (Capturing) nennt man die zu Grunde liegende Trainingstechnik. Sie ist eine besonders schonende und effektive Art dem Hund etwas beizubringen. Das geniale daran ist, sie setzt den Fokus auf die Dinge, die funktionieren. Das macht mehr Spaß, verhindert neuen Stress und Druck.

Du brauchst dafür vor allem die Fähigkeit deinen Hund zu lesen. Wenn du erkennst, was du einfangen solltest und wie passende Belohnungen aussehen, ist die Katze im Sack.

Die Kunst zu erkennen, wann man agiert und wann man „einfach mal lassen machen kann“, kann jeder lernen! Auch du. Starte dafür in gut überschaubaren und sicheren Situationen.

Mit diesen vier Elementen baust du ein super Fundament, das auf einer guten Beziehung, verlässlichen Partner und Spaß basiert. Du verlierst dabei weder die Ernsthaftigkeit aus den Augen, noch brauchst du eine maßgeschneiderte Umwelt.

Alle vier Grundsteine erarbeiten wir uns im Übrigen in meinem Programm „Ein echtes Team“. Und das schon im ersten Modul.

Du willst mehr von mir lesen? Melde dich zu meinem Newsletter an und erhalte „on top“ weitere Infos und Anregungen für dein Leben mit Hund!

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Vier Ursachen, warum dein Hund aggressiv an der Leine reagiert

Vier Ursachen, warum dein Hund aggressiv an der Leine reagiert

Du hast es so satt und verstehst es nicht? Bei jedem anderen Hund, Jogger oder Radfahrer flippt dein Hund an der Leine total aus! Selbst stinknormale Fußgänger sind manchmal nicht vor ihm gefeit.

Du hast alles probiert. Trainierst gefühlt seit Jahren daran, aber es hilft nicht. Jedes Mal, wenn ihm was nicht in den Kram passt, geht er hoch, wie eine Bombe ohne Zündschnur.

Du schämst dich in Grund und Boden, weil er sich schlichtweg asozial verhält und die Leute natürlich schief gucken. Dabei fällst du so ungern auf – vor allem auf diese Art.

Du liebst deinen Hund – keine Frage. Das Leben mit ihm könnte wunderbar sein, wenn es die Umwelt nicht gäbe.

Das Schlimmste für dich ist, dass du weißt, dass es euch beiden nicht gut tut, was da abgeht.

Dein Hund hat eine sogenannte „Leinenaggression“. Er ist kein böser Hund. Er macht das nicht, weil es ihm Spaß macht.

Doch warum reagiert dein Hund aggressiv gegen Artgenossen, Menschen oder anderes? Er ist doch kein grundsätzlich aggressiver Hund!

Lass mich dir ein paar mögliche Ursachen dafür erklären:

Er fühlt sich bedroht

Wenn dein Hund einen anderen Hund sieht, wägt sein Gehirn ab: Fortpflanzungspartner oder Konkurrent? Damit das in der Natur nicht zu oft schief geht, werden Artgenossen primär bedrohlich eingestuft.

Das geschieht im Mandelkern, einem Teil des Gehirns, der nicht nur blitzschnell ist, sondern vor allem für Angst und Aggression zuständig ist. Die Aufgabe des Gehirns ist es eine Berechnung zu erstellen und herauszubekommen, was das Sinnvollste ist.

Mit einem großem Repertoire an angenehmen Erfahrungen wird sein Gehirn sofort melden „Kein Problem, bekommen wir hin. Ich kenne einen Weg“.

Das gilt auch wenn er Strategien hat, die sich häufig bewährt haben und mit schönen Emotionen verknüpft sind.

Für diese Entscheidung sind einige Grundvoraussetzungen nötig, zum Beispiel, dass dein Hund nicht gerade starke unangenehme Emotionen empfindet oder sehr gestresst ist. Dann ist das Gehirn auf Autopilot. Es kommt an diese Strategien nicht heran.

Hat dein Hund diese Taktiken nicht, ist er so erregt, emotional oder strapaziert, dass er sie nicht abrufen kann, macht es aus seiner Perspektive Sinn, dem anderen zu zeigen, dass man sich zu wehren weiß.

Na gut, für Artgenossen mag das stimmen, aber wieso dann bitte bei Menschen?

Alles, was sich schnell, geradlinig und vielleicht sogar von vorne annähert, wird als bedrohlich eingestuft. Das ist der Autopilot gegen Fressfreinde und Jäger. Hier heißt es blitzschnell klarmachen, dass man keine leichte Beute ist!

Er ist frustriert

Frustration ist ein RIESIGES Thema. Sie ist ziemlich häufig die Ursache für Verhaltensprobleme. In Kombination mit der Leine tritt Frust schnell auf, wenn die Leine für den Hund eine Bewegungseinschränkung darstellt.

Hat dein Hund dann die Leine nicht als angenehmes Hilfsmittel kennengelernt, zieht bis heute wie ein Berserker oder hat Leinenkorrekturen erhalten, wird die Einschränkung für ihn deutlich schwieriger.

Selbst wenn er sonst gut erträgt, an der Leine zu sein, kann es mit der Annäherung von anderen eben zu viel werden. Die Kombination ist dann das Gift.

Doch eine Leine alleine frustriert nicht. Sie frustriert dann, wenn dein Hund sich dadurch regelmäßig ausgebremst fühlt, weil er seinen Bedürfnissen nicht nachgehen kann.

Der Frust entsteht auf vielen Wegen. Zwei häufige Gründe sind:

Dein Hund hat nicht gelernt, an anderen Hunden oder Menschen ohne Kontakt vorbeizugehen. Als er klein und niedlich war, durfte er immer hin. Dann kam die Jugendentwicklung, er wurde zum ungestümen Rüpel, und durfte plötzlich nicht mehr.

So entsteht ein enormer Frust. Das Bedürfnis hinzugehen wird immer größer, das Ausbremsen immer ätzender. All das verknüpft der Hund mit der Situation und tadaaaaaa, er wird plötzlich aggressiv.

Dein Hund hat ein ausgeprägtes Jagdverhalten. Doch er darf (natürlich) nicht einfach jagen gehen. Deswegen bleibt er an der Leine. Er unterdrückt das Jagdverhalten mehr oder minder und es staut sich ein enormer Druck in ihm an. Wenn dann schnelle, bewegliche Dinge (Radfahrer) vorbeizischen, steigt seine Erregung so hoch, dass sich der Druck entlädt. Er setzt ihnen hinterher.

Oft ist diese Komponente mit einer Angst im Vorfeld verbunden. Zum Beispiel einer Geräuschangst, die durch Motorengeräusche oder das Zischen der Räder auf dem Untergrund ausgelöst wird oder einer Befindlichkeit gegenüber fremden Menschen. Die Angst lässt das Nervenkostüm dünner werden und dein Hund kann die Reaktion nicht mehr unterdrücken.

Ein gelbes Band oder Tuch an der Leine oder dem Hund bedeutet „mehr Abstand bitte“ oder „gebt uns Zeit auszuweichen“. Betrifft Mensch und Tiere. (Für mehr Informationen besucht gern die Facebook-Seite: https://www.facebook.com/GelberHundDeutschland/)

Seine andere Kommunikation hat ihm nicht geholfen

Eine Kollegin hat mir einst über meine Herdenschutzhündin Nayeli gesagt:

„Die ist super. Die kommuniziert so fein und klar. Sie legt nur verdammt viel Wert auf Etikette und wenn der andere sich nicht daran hält, ist die Lunte zu kurz.“

An dieser Stelle tausend Dank für diesen Satz, liebe Silvia Weber. Er hat mir so gut getan, mir soviel gegeben und den Druck genommen!

Denn genauso ist es. Viele Hunde kommunizieren so fein, dass wir Menschen es nicht erkennen. Das Lesen der Körpersprache ist ein unendliches Lernfeld und ermöglicht so viele Perspektiven. Das Beste daran ist, sobald du damit anfängst, Beginnt sich dein Training zu verändern. Das verspreche ich dir!

Oft unterbrechen wir versehentlich die Vorwarnungen unserer Hunde. Vielleicht schnüffelt dein Hund kurz am Wegesrand, vielleicht wird er langsamer oder ein wenig steif. Das alles sind Signale dafür, dass er nicht näher heran will.

Wenn wir dann weiter gehen, dann ziehen wir ihn mit. Auch, wenn du ohne Leine unterwegs bist. Er hat die Wahl den Schutz der Gruppe zu verlassen oder durch die Situation „durch zu müssen“. Je häufiger er lernt, dass diese Kommunikation ihm nichts bringt, desto schneller wird er andere Wege nutzen.

Helfen diese ihm, schneller aus der Situation zu kommen, hat er eine neue Strategie gefunden und wird diese öfter und auch immer früher zeigen. Irgendwann reagiert er auf große Distanzen und heftig.

Diese Spirale tritt bei vielen Hunden auf, die eigentlich Angst haben oder sehr gestresst sind.

Dein Hund hat Schmerzen

Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen, denn mir begegnen so viele Hunde mit Schmerzen und Problemen im Bewegungsapparat.

Schmerzen oder andere Stressauslöser machen dünnhäutig und gereizt. Wenn dein Hund dann vielleicht noch die Erfahrung gemacht hat, dass andere Hunde ihn anrempeln, aufreiten oder sonst irgendwie grob behandeln, will er sie sich vom Leibe halten.

Insbesondere, wenn dein Hund extrem plötzlich sein Verhalten ändert ohne, dass du einen Schlüsselmoment festmachen kannst, solltest du ihn durchchecken lassen! Sollte dein „Haustierarzt“ kein Spezialist in Sachen Bewegungsapparat sein, würde ich sowohl ihn, als auch jemanden aus diesem Fachgebiet schauen lassen. Es gibt mittlerweile viele gute Hundephysios und Osteopathen, die Schmerzen ermitteln können.

Es gibt zig weitere Ursachen. Eine Kombination aus verschiedenen Gründen kann ebenfalls dafür Sorgen, dass dein Hund scheinbar plötzlich aggressiv gegenüber anderen Hunden oder Menschen reagiert.

Mit einem systematisch, strukturiertem Training und einem ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur die Situationen, sondern das komplette Wohlbefinden deines Hundes unter die Lupe nimmt, wirst du eine Menge daran verändern.

Dafür benötigst du Energie und Durchhaltevermögen. Hast du Lust? Es ist es definitiv wert!

In der kommenden Woche gebe ich dir einen ersten Einblick in das Training.

Wenn du dir jetzt Unterstützung wünschst, schreibe mir gerne eine Nachricht und ich empfehle dir jemanden, der dich und deinen Hund begleitet – online oder vor Ort!

 

Möchtest du mit mir arbeiten?

Dann lass uns starten! Buche Dir jetzt kein kostenfreies Vorgespräch und starte mit Deinem neuen Trainingsweg!

Silvester mit Hund: So meistert ihr es als Team

Silvester mit Hund: So meistert ihr es als Team

Draußen scheppert, knallt und stinkt es. Silvester mit Hund ist jedes Jahr eine Herausforderung – mit Katze und Pferd im Übrigen auch. 

Du bist verunsichert durch die vielen Ratschläge, was du tun sollst und was nicht? Das verstehe ich! Selbst mich macht es immer wieder fassungslos, welche Ratschläge durch das Netz geistern. 

Eines vorweg: Die Maßnahmen, die ich dir hier für dein Silvester mit Hund empfehle, helfen. Sie haben jedoch nicht die Macht, starke Ängste in Luft aufzulösen. Sollte dein Hund Silvester tausend Tode sterben, so suche dir bitte jemanden, der euch betreut! 

Schreibe uns gerne an und schildere uns, was dein Hund Silvester macht, wir empfehlen dir passende Trainerkolleginnen und/oder Tierärzte. 

Angst wird durch extreme, plötzliche, laute und zischende Reize ausgelöst. Huch, die Silvesternacht verbindet sie alle auf einmal. Warum Silvester für deinen Hund schwer ist, haben wir dir hier zusammengefasst. 

Trösten oder nicht – Die Gretchenfrage für dein Silvester mit Hund? 

Angst ist immer echt – dein Hund stellt sich nicht an. Er leidet. 

Was wünschst du dir, wenn du Angst hast? Also richtig Angst. Angst, dass der Himmel dir auf den Kopf fällt oder noch viel schlimmeres?

Wie wäre es für dich, wenn deine wichtigsten Sozialpartner in einem für dich grauenhaften Moment dir den Rücken kehrten und so täten, als wärst du nicht da?

Stell’ dir vor, wie du mit einer vertrauten Person nachts in der Tiefgarage stehst. Es ist dunkel, die Beleuchtung flackert. Du hörst Schritte. Du siehst nichts. Du tippst deine Begleitung an um sie aufmerksam zu machen, sie dreht sich weg. 

Ehrlich gesagt: Ich wäre stinksauer und wütend! 

Allerdings möchte ich in dem Moment auch nicht abgeknutscht oder bemitleidet werden. 

Was bedeutet das für dich und deinen Hund und können wir das überhaupt vergleichen? 

Ja, wir können es vergleichen – denn Hunde haben die selben emotionalen Strukturen im Gehirn, wie wir Menschen. Hier geht es um Emotionen. 

Und was bedeutet es für dein Silvester mit Hund – das verrate ich dir jetzt: 

Je besser du deinen Hund kennst, desto besser kannst du ihm helfen

Wenn unsere Minnie Angst hat, möchte sie sich eng an einen drücken oder jagen gehen. Je nachdem, was gerade besser möglich ist. Jagen fällt indoor flach, aber an uns drücken geht. Je mehr Körperfläche – desto besser. Minnie liebt es weich warm und kuschelig. Kurzum: Sie darf auf oder an uns ins Bett, auf die Couch, vor den Kamin. Wir sind dort und warten auf sie – rufen sie zu uns. 

Unsere Nayeli sucht ebenfalls Körperkontakt, möchte aber gerne wirklich angefasst und gestreichelt werden. Einfach nur „Randrücken“ reicht ihr nicht. 

Bei mittlerer Angst, hilft es ihr mit uns ihre Lieblingsaufgaben zu machen und z.B. von Target zu Target zu laufen oder ein paar Tricks zu machen. 

Beobachte deinen Hund gut über das Jahr: 

  • Welche Interaktion hilft ihm? Ist es wirklich etwas aktives oder eher etwas passives?
  • Was sind seine bevorzugten Rückzugsorte, wenn es ihm nicht gut geht? Wo kuschelt er sich ein, wenn er sich erholen will? Wie ist dieser Ort?

Nicht nur für Silvester mit deinem Hund: Schaffe einen sicheren Rückzugsort.

Hast Du den absoluten Lieblingsplatz deines Hundes ausfindig gemacht? Super! Dann gilt es nun, diesen Platz ganz nach den Vorlieben deines Hundes einzurichten und ihm den Platz so richtig schmackhaft zu machen – schmackhaft im wahrsten Sinne des Wortes. All die Dinge, die dein und gerne macht, sei es den KONG ausschlecken, mit einem Futterball spielen oder sich das Zerrseil um die Ohren hauen – all diese Dinge darf er nun nach Herzenslust in dem Bereich rund um seinen Lieblingsplatz machen.

Silvester mit Hund - Rückzugsort

Und, wenn du es richtig optimal gestalten magst, überlege doch einmal, ob Du ihm den Ort etwas dämmen kannst, damit die Geräusche etwas gedämpfter sind. Bevorzugt dein Hund etwas höhlenartiges als Schlafplatz? – Dann kannst du ihm beispielsweise noch eine dicke Decke über seine Box, seine Höhle legen.

Sei für deinen Hund da!

Weiter oben im Text hast du bereits erfahren, dass es deinem Hund nicht gut geht, wenn er Angst empfindet. Ignorieren oder Mitleid haben – beides Extreme, die deinem Hund in dieser Situation nicht wirklich helfen. 

Was ihm hilft ist, dass du für ihn da bist. Beobachte deinen Hund und erfahre und lerne so, was ihm in Situationen, in denen es ihm nicht gut geht, braucht. Und genau das bietest du ihm auch in den Tagen rund um den Jahreswechsel vermehrt an.

Laute Futterbeschäftigungen.

Lärm mit Lärm überdecken? Na, nicht ganz – ich denke, das wird uns in Anbetracht der ganzen Silvesterböller nicht gelingen.

Doch was du tun kannst, sofern dein Hund es kennt und mag: Biete ihm in der Silvesternacht Futterbeschätigungen an, mit denen sich dein Hund gerne beschäftigt, und die so richtig Krach machen.

Wir nutzen zum Beispiel gerne befüllbare Futterbälle oder den KONG Wobbler – wenn dein Hund sich damit beschäftigt, teilt dies zum einen seine Aufmerksamkeit, er kann aktiv etwas tun und zum anderen erzeugt er durch die Beschäftigung damit auch selber noch lautere Geräusche, die die von draußen zumindest ein wenig schwächer wirken lassen.

Silvester mit Hund: Rituale aufrechterhalten.

In unserem vorherigen Blogartikel hast du bereits erfahren, dass Rituale und gewohnte Abläufe deinem Hund Sicherheit geben, weil er weiß, was als nächstes kommen wird und was ihn erwartet. Diese Erwartungssicherheit gibt ihm die nötige Struktur und Sicherheit, um gut durch den Alltag zu kommen.

Wenn du im normalen Alltag einen ziemlich strukturierten Tagesablauf und feste Rituale hast, solltest du überlegen, inwieweit du diese auch in der Zeit rund um Weihnachten und Silvester beibehalten kannst, damit deinem Hund dort eine Struktur hilft.

Bedürfnisorientierte Beschäftigung macht müde.

Silvester mit Hund – sicherlich anstrengend für alle Beteiligten. Doch meiner Erfahrung nach bringt es nichts, vorher extra Energie zu sparen.

Unsere Hunde sind an Silvester deutlich besser drauf, wenn wir die Tage rund um den Jahreswechsel darauf achten, dass wir gute, ausgeglichene Tage haben. Tage mit Bewegung, Spiel und Spaß – ganz im Sinne unserer Hunde. Abends ist man dann deutlich entspannter und müde.

Wichtig dabei ist, dass es sich um schöne Dinge handelt, die dein Hund gerne macht. Es geht nicht darum, ihn wie wild durch die Gegend zu scheuchen oder ihn extremen Anstrengungen auszusetzen, die ihn womöglich noch eher belasten.

Unser Motto an Silvester mit Hund: Viel Bewegung, wenig Anforderungen!

Leinen“pflicht“ verdirbt uns nicht den Spaß!

Sobald der Feuerwerksverkauf startet, solltest du deinen Hund sichern und ihn unterwegs an der Leine halten. Doch mit dem Einlinken des Karabiners endet nicht der Spaß! Leine ist nicht gleichzusetzen mit Langeweile!

Auch an der Leine kannst du deinen Hund sinnvoll beschäftigen und ihr könnt gemeinsam jede Menge Spaß haben.

Klettern, Leckerchensuche, gemeinsam rennen, …. all das geht auch an der Leine!

Silvester mit Hund - Spaß an der Leine

Welchen Spaß hast du mit deinem Hund an der Leine? Berichte uns gerne!

Im nächsten Blogartikel erfährst du dann, was du tun kannst, wenn du noch gar nicht weißt, wie dein Hund an Silvester reagieren wird. Hast du gerade einen Hund aus dem Tierschutz übernommen oder bist frischgebackener Welpen-Besitzer? Dann solltest du diesen Artikel nicht verpassen!

Außerdem werden wir dir dann auch erläutern, wann es unserer Meinung nach sinnvoll ist, sich von einem TrainerIn oder einem Tierarzt unterstützen zu lassen.

Warum Silvester für Deinen Hund so schwierig ist…

Warum Silvester für Deinen Hund so schwierig ist…

Silvester – es knallt, es zischt, der Himmel erscheint in bunten Farben und die Menschen sind nahezu überall in fröhlicher und ausgelassener Stimmung.

Alle Jahre wieder steht der Jahreswechsel vor der Tür und mit ihm beginnt für Deinen Hund mit eine der anstrengendsten und schwierigsten Zeit des Jahres.

Doch warum ist das eigentlich so?

Silvester: veränderter Tagesablauf

Sobald die Vorweihnachtszeit beginnt, ändert sich für Deinen Hund so einiges. Du fragst Dich nun warum und wunderst Dich, weil Du glaubst, dass alles seinen gewohnten Gang läuft und Du keine nennenswerten Unterschiede feststellen kannst?

In vielen Familien sind die Vorweihnachtszeit und die Weihnachtstage eine besondere Zeit im Jahr. 

Kurz vor den Feiertage werden die letzten Einkäufe erledigt, der Weihnachtsbaum wird besorgt, aufgestellt und geschmückt und das Kochen des Weihnachtsessens beginnt. Die Familien kommen zusammen, es wird gefeiert und alle sind in fröhlicher, ausgelassener und zum Teil besinnlicher Stimmung.

Nur bei den wenigsten kehrt zwischen Weihnachten und Silvester wirklich Ruhe ein, die Spannung liegt noch merklich in der Luft.

Für Deinen Hund bedeutet dies vor allem, dass sich sein gewohnter Tagesablauf für ihn unverständlicherweise völlig verändert. Seine Bezugspersonen haben ein paar Tage frei und dennoch haben sie an dem ein oder anderen Tag bestimmt ein bisschen weniger Zeit für ihn. Stattdessen kommen viele fremde Menschen zu Besuch, es herrscht Unruhe und Hektik. Dein Hund verliert seine ganze Struktur, an der er sich sonst orientieren kann, die ihm Sicherheit gibt und kann nicht wie gewohnt zur Ruhe kommen.

Er ist also eventuell schon müde und belastet, bevor die Silvesterknallerei überhaupt beginnt…

Überlebensmechanismus

Knallgeräusche lösen bei vielen Tieren Schrecken und Angst aus, weil es Geräusche sind, die sehr plötzlich und sehr intensiv auftreten.

Solche Reize versetzen das Gehirn des Hundes sofort in Alarmbereitschaft und Vorsicht, lassen die Anspannung steigen und das Tier ggf. mit Fluchtverhalten reagieren.

Die Reaktion auf plötzlich auftretende und / oder laute Geräusche ist eine angeborene Angstreaktion – solche Reize lösen bei Deinem Hund also angeboren eine Reaktion aus, die biologisch vollkommen normal und sogar überlebensnotwendig ist.

Wenn Fluchtverhalten, wie an Silvester, nicht möglich ist, weil die Geräusche immer und immer wieder im Wahrnehmungsbereich Deines Hundes auftreten, kann das Angstverhalten Deines Hundes verschiedene Formen annehmen – es kann passieren, dass Dein Hund…

… eine geduckte Haltung einnimmt

… wegrennen möchte, sich zurückzieht und versteckt

… beginnt, zu zittern

… die Rute einklemmt

… stark hechelt und schneller atmet

… vermehrt speichelt

… die Augen weit aufreißt

All dies sind unter anderem Anzeichen dafür, dass es Deinem Hund in der momentanen Situation nicht gut geht und er Deine Unterstützung benötigt.

Mehr zum Thema Körpersprache Deines Hundes findest Du übrigens auch in diesem Artikel: „3 Anregungen, wie Du Deinen Hund besser beobachten und verstehen kannst“

Geräusche und Gerüche an Silvester 

Einer der Aspekte, die Deinem Hund unter anderem Probleme bereitet, ist folgender: 

Die Knallgeräusche treten wiederholt nacheinander auf. Gerade in der Silvesternacht ertönt ein Knall nach dem anderen – Dein Hund hat also gar keine Möglichkeit, sich wirklich von einem Knall zu erholen. Die Geräusche folgen so schnell hintereinander, dass Dein Hund auf einem hohen Erregungslevel bleibt und dazwischen nicht zur Ruhe kommt.

Was zudem häufig vergessen wird: 

Neben den bereits also angesprochenen zudem auch plötzlich auftretenden und sehr lauten Geräuschen, sollten auch die dabei entstehenden Gerüche nicht außer Acht gelassen werden.

Hunde haben eine sehr viel feinere und empfindlichere Nase als wir Menschen und sie nehmen die Gerüche, die nach Rauch und Feuer riechen, viel intensiver wahr. 

…abhängig von

Wie empfindlich Hunde vor allem auf den Silvester-Lärm reagieren, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Erfahrungen
  • Lernerfahrungen in ähnlichen Situationen
  • dem aktuellen Wohlbefinden und dem aktuellen Stressniveau
  • dem Vorhandensein einer Strategie, um sich besser zu fühlen

Angst – wir betrachten sie gleich noch genauer – wird durch viele verschiedene Faktoren abgeschwächt oder gar verschlimmert. 

Diese Faktoren lassen mitunter bereits unterschwellig vorhandene Ängste auch für ans an der Oberfläche erkennbar und beobachtbar werden.

Faktoren, die unter anderem dazu beitragen, sind Krankheiten und Schmerzen, weitere Hintergrundstressoren und bestimmte Entwicklungsphasen, wie die Jugendentwicklung oder der alternde Hund.

Wichtig jedoch zu beachten ist, dass Geräuschangst, zu denen auch die Angst an Silvester gehört, bei jedem Hund entstehen kann, auch, wenn er bislang keine für uns sichtbaren Probleme damit äußert.

Silvester: Erwartungsunsicherheit

Wenn Dein Hund weiß, was er erwarten kann, gibt ihm dies eine Struktur und einen Ablauf, an dem er sich orientieren kann. Er muss nicht raten, was als nächstes geschehen wird, sondern kann sich darauf verlassen, darauf einstellen und sich vorbereiten. Diese Erwartungssicherheit gibt Deinem Hund mehr Sicherheit.

Vor allem an Silvester und den Tagen zuvor geht diese Erwartungssicherheit in Bezug auf die Geräusche verloren. 

Die Geräusche kommen ohne zeitliches Muster. Dein Hund kann nicht einschätzen, wann es knallt. Es schwingt eine gewisse Unberechenbarkeit mit, es gibt für Deinen Hund keine Vorhersagbarkeit und er verliert die Kontrolle über die Umwelt und sein Verhalten.

die Emotion Angst

Angst ist eine Emotion. Eine Emotion, die sich für das Individuum, das diese Angst empfindet, nicht gut anfühlt.

Emotionen sind angeboren und unwillkürlich. Sie lösen ein Verhalten beim Tier aus.

Emotionen sorgen für eine Bewertung der Situation und für die Bildung von Gedächtnisinhalten.

Neben der Befriedigung der Bedürfnisse eines Individuums dienen sie diesem vor allem auch als Schutz und zur Sicherung des eigenen Überlebens.

Eine Emotion bestimmt die Distanzveränderung zu einem Reiz. Ist der Reiz attraktiv (anziehend), wird sich der Hund ihm nähern. Ist der Reiz eher aversiv (abstoßend), wird Dein Hund die Distanz dazu eher vergrößern und sich davon entfernen.

Emotionen erzeugen Verhalten – Verhalten hat eine Funktion.

Auch Angst als Emotion ist angeboren und überlebenswichtig. Die Funktionen von Angstverhalten liegen in der Gefahrenvermeidung durch Distanzvergrößerung und der Verbesserung der Situation.

Doch an dieser Stelle kommt es zu einer Art Kreislauf, denn an Silvester hat Dein Hund keine Möglichkeit, die Distanz wirklich so zu vergrößern, dass sich die Situation für ihn verbessert. Die Geräusche verschwinden nicht, im Gegenteil, sie sind sogar über einen längeren Zeitraum für Deinen Hund wahrnehmbar.

Silvester - die Emotion Angst

vermehrte Sensibilität

Geräuschangst breitet sich sehr schnell aus. Dein Hund wird sich nicht an die knallenden Geräusche und den Lärm gewöhnen, sondern immer empfindlicher auch gegenüber anderen Geräuschen und gegenüber anderen Dingen und Schreckreizen.

Es geht extrem schnell, dass sich Angst ausweitet. Ähnliche Geräusche lösen ebenfalls schnell Angst aus.

Angst zieht Kreise

Kennst Du den Ausdruck „Angst zieht Kreise“?

Was dies genauer bedeutet, betrachten wir im Folgenden: Dem Ganzen zugrunde liegt die sogenannte Klassische Konditionierung, eine Verknüpfung zwischen einem Reiz und einer Reaktion.

Neben dem Aspekt, dass sie immer abläuft, geschieht dies zudem auch unwillkürlich.

Sie verändert Reflexe, Emotionen und Verhalten und spielt beim Erlernen neuer Angstauslöser eine große Rolle. Eigentlich unbedeutende Reize können mit Bedrohung assoziiert werden.

Empfindet Dein Hund Angst, ist sein Gehirn in diesem Zustand besonders aktiv: es sammelt und speichert in dieser Zeit so viele Informationen über die angstauslösende Situation wie nur möglich.

Und jede dieser gespeicherten Informationen kann zu einem neuen, erlernten Angstauslöser werden.

Ein einziges Angsterlebnis kann zur Verknüpfung zeitnah auftretender Reize mit der Angst führen. Diese Reize lösen dann ebenfalls Angst aus. 

Angst wird immer häufiger und immer schneller ausgelöst.

fehlende Strategie

Vielen Hunden fehlt es in diesen Zeiten an einer Strategie, die sie wählen können, um sich besser zu fühlen.

Im nächsten Artikel erfährst Du dann, was diese Strategie für Deinen Hund sein kann, und was Du sonst noch tun kannst, damit Dein Hund gut über den Jahreswechsel kommt.

Nasenarbeit mit dem Hund: Immer der Nase nach

Nasenarbeit mit dem Hund: Immer der Nase nach

„Nasenarbeit mit dem Hund: immer der Nase nach“ – ein Erfahrungsbericht von Tonia Wessel-Schneider

Nasenarbeit mit dem Hund: die Ideal-Vorstellung:

Da kommen sie…

Das eingespielte Mensch-Hund-Team im Einsatz.

Der Mensch bis an die Zähne bewaffnet, in schwarzer Spezialeinheit-Montur, die Sonnenbrille lässt den ernsten und entschlossenen Gesichtsausruck nur vermuten.

Die dünne Leine in seiner Hand ist stramm und wird mit Kraft festgehalten. Am vorderen Ende der Leine dann der Hund. Das Schnüffeln ist deutlich zu hören und wechselt sich mit Hecheln ab.

Der Hund zieht mit Kraft nach vorne, der Mensch hängt leicht nach hinten gelehnt hinten dran. Der Kopf des Hundes geht suchend hin und her, während die Pfoten sich in den glatten Flugplatzboden stemmen, um noch schneller vorwärts zu kommen. Dann geht der Kopf des Hundes abrupt nach links, er nimmt noch mehr Fahrt auf, die Körperspannung und jeder einzelne Muskel sind durch das glatte Fell zu erkennen.

Plötzlich bleibt der Hund stehen, schnüffelt noch einmal intensiv und legt sich flach auf den Boden, die Schnauze zeigt auf einen kleinen schwarzen Koffer.

Der Mensch kommt hinzu, öffnet den Koffer und wird fündig…

Nasenarbeit mit dem Hund: Fragen über Fragen…

Ist das Nasenarbeit?

Ist es „nur“ das Suchen?

Ist das nicht eigentlich einfach?

Nasenarbeit mit dem Hund

Wie „funktioniert“ Nasenarbeit überhaupt? Wie finden Hunde verschwundene Menschen und was ist, wenn ein Mensch nicht in der Stadt, sondern im Wald oder gar in einer Lawine verschollen ist? Was ist, wenn es draußen stürmt, regnet, hagelt oder 40 Grad Celsius hat?

Ist es wichtig, dass der Hund beim Suchen rennt? Ist es nicht besser, wenn er sich Zeit lässt und dafür gründlich ist? Was muss ein Hund überhaupt für die Nasenarbeit mitbringen? Stimmen die landläufig bekannten und weit verbreiteten Mythen, die sich um die Nasenarbeit ranken? Spielt die Genetik des Hundes eine Rolle oder ist es „nur“ das Training?

Wie trainiert man Nasenarbeit überhaupt? Wie sehr wird der Hund beim Suchen von der Körpersprache oder anderen unbewussten Signalen seines Menschen beeinflusst?

Diese und noch mehr Fragen beschäftigten mich recht intensiv. Bereits mein Hundetrainerstudium habe ich aus der Motivation „Stimmt das eigentlich alles, was die Leute und die Trainer einem so erzählen und falls es stimmt, warum stimmt das bzw. warum stimmt es nicht?“ heraus absolviert.

Ich will es wissen. Ich will es im Detail wissen, weil es mir nicht reicht, beim Mantrailen hinter meinem Hund herzurennen, nach 500 m im anaeroben Bereich zu sein und dann zu gucken, ob er findet und falls ja, wie schnell.

Antworten…?

Nasenarbeit ist weit mehr als ein Hund, der auf der Suche nach einem bestimmten Geruch durch die Gegend rast und der Mensch fliegt hinterher.

Ich entschied mich daher für eine einjährige Ausbildung ausschließlich im Bereich der Nasenarbeit bei Frau Dr. Ute Blaschke-Berthold von CumCane und habe es nicht bereut!

Theorie und Praxis, „Experimente“ und diverse Trainingseinheiten mit meinem eigenen Hund, spannende Situationen und nicht zuletzt viele verblüffende Momente habe ich erleben dürfen und mein Fazit ist:

Nasenarbeit ist faszinierend, spaßig, anspruchsvoll, überraschend, spannend, abwechslungsreich und wissenschaftlich.

Nasenarbeit mit dem Hund

Sie eignet sich für junge, alte und gehandicapte Hunde, schult den Menschen-Blick für den Hund, seine Bedürfnisse, seine Emotionen, seine Persönlichkeit, seine Tagesform und ja, es stimmt was man sagt, sie gibt einem das unschlagbare Gefühl ein Team zu sein.

Vor allem aber macht sie Spaß – wenn das Thema richtig angegangen wird und es eben nicht nur um das Hinterher-Rennen, das „Pushen“, das Finden mit großem Getöse und mit medienwirksamem und reißerischem Auftritt geht. Nasenarbeit ist Konzentrationssache, sie ist Detail- und Geduldsarbeit und hat definitiv keine filmreife Sonnenbrillen-Szenen mit schweren Waffen und Hunden auf Erregungslevel 100 nötig.

Es ist eine stille, präzise, spannende und mit Überraschungen und Teamgeist gespickte Beschäftigung, die sorgfältigen kleinschrittigen Aufbau der einzelnen Elemente und ein gemeinsames Ziel im Fokus hat. Kurzum, sie ist einfach wunderbar!

Rein technisch ist Nasenarbeit der bewusste und zweckgerichtete Einsatz des hündischen Geruchssinnes auf ein bestimmtes Signal, um etwas oder jemanden zu finden und das Gefundene dann anzuzeigen.

Zwei Bereiche der Nasenarbeit mit dem Hund

Es ist zunächst zu unterscheiden zwischen der Geruchsentdeckung und dem Match to Sample.

Bei der Geruchsstoffentdeckung wird der Hund auf einen bestimmten Geruch geprägt (Imprinting). Diesen Geruch soll er dann auf das Startsignal hin suchen, finden und anzeigen.

Das Suchfeld kann hier eine einfache Reihe aus verschiedenen Behältern sein, es kann ein Trümmerfeld sein, es kann ein Wald, ein Feld, eine Industriehalle, ein Bürogebäude, ein Bahnhof, ein Flugplatz, eine Autobahnratsstätte, eine Parfümerie, ein Zoogeschäft oder ein Bus oder Auto sein.

Das Suchfeld kann also alles sein.

Der Geruch kann auf dem Boden, in Nasenhöhe, über Kopfhöhe, in Behältern aller Art, in einer Wand, unter der Erde oder in einem menschlichen Körper sein.

Der zweite Bereich ist der Bereich des Match to Sample. Das heißt, dass der Hund eine Geruchsprobe zum Schnüffeln erhält und dann diesen – und nur diesen – Geruch unter einer Vielzahl von gleichartigen Gerüchen differenziert, erkennt und anzeigt. Bei dieser Variante kann der Hund einer Geruchsspur folgen, bis er dort, wo der Zielgeruch am intensivsten ist, abgekommen ist. Es ist möglich, dass der Hund der Spur eines ganz bestimmten Menschen folgt, obwohl er diese Spur aus einer teilweise unfassbar großen Anzahl aus anderen (Menschen)Gerüchen finden und verfolgen muss und das unter extremen Ablenkungsreizen. Er muss außerdem lernen, dass er diese Spur von einer schwachen Intensität zur größtmöglichen Intensität verfolgen muss.

In beiden Varianten lernt der Hund nicht das Suchen selbst, das kann er längst. Er lernt aber ein Startsignal, ein sicheres Anzeigeverhalten, von seinem Menschen unabhängig zu arbeiten und ausnahmsweise nicht auf die (teils unbewussten, teils bewussten) Signale und/oder die Körpersprache seines Menschen zu reagieren. Er lernt, dass er unter äußerst großer Ablenkung in der Umwelt seinen Fokus nicht verliert und vor allem: Er lernt zunächst einmal ein Konzept.

Nasenarbeit ist nicht nur das Suchen, sie besteht aus verschiedenen Elementen

Der Geruch

Mit dem Anzeigeverhalten geht einher, dass der Hund den Geruch, den er suchen, finden und anzeigen soll, derart attraktiv empfindet, dass er Suchaufgaben mit entsprechender Motivation arbeiten kann. Auch hat der Hund zu lernen, dass der Geruch im Prinzip überall auftauchen kann. Am Boden, auf Nasenhöhe, über Kopfhöhe, in (verschiedenen) Behältern, in der Natur, an einem Menschen, an Textilien usw. Imprinting (der Hund wird auf den Geruch geprägt) folgt den Regeln der Klassischen Konditionierung und macht an sich bereits eine Menge Spaß. 

das Anzeigeverhalten bei der Nasenarbeit mit dem Hund

Mit dem Anzeigeverhalten zeigt der Hund dem Menschen, dass er das, was er gesucht hat, auch gefunden hat. Es ist nicht immer ratsam oder möglich, dass der Hund den Gegenstand, der den Zielgeruch trägt, anstupst, in den Fang nimmt, mit der Pfote bepatscht oder bellend vor dem Gegenstand steht oder sitzt. Das Anzeigeverhalten ist für die Nasenarbeit unerlässlich und wird für den jeweiligen Hund (was fällt ihm leicht, was fällt ihm schwer?) und insbesondere für seine individuelle Arbeit ausgewählt. Das Anzeigeverhalten ist eines der ersten Verhaltensweisen, das im Rahmen der Nasenarbeit trainiert wird und das sehr sorgfältig und kleinschrittig aufgebaut und extrem verstärkt wird. Es ist nämlich nicht nur wichtig, dass der Hund das Verhalten beim Fund zeigt, es ist von großer Bedeutung für die Nasenarbeit, dass er dieses Verhalten völlig unabhängig davon zeigen kann, was sein Mensch gerade macht oder nicht macht. Der Hund soll anzeigen, egal was der Mensch macht. Also selbst dann, wenn der Hund anzeigt, der Mensch aber an seinem Hund vorbeigeht ohne ein einziges Mal Blickkontakt aufzunehmen, soll der Hund weiterhin anzeigen und seinem Menschen sagen: „Doch! Guck doch! Ich habs gefunden!“. Dann soll der Hund dem Zielgeruch mehr „gehorchen“, als seinem Menschen (obedience to odor). Das ist das eigentlich Anspruchsvolle am Anzeigeverhalten: Dass der Hund es völlig unabhängig von seinem Menschen zeigt und sich in jedem Fall zum Geruch orientiert.

Das Suchen

Das Suchen braucht der Hund nicht zu lernen, das kann er von selbst Was der Hund sucht, wie er es sucht und wann er es sucht ist das, was der Hund durch Training lernt. Hängt der Mensch hinten an der Leine, während der Hund sucht, hat der Mensch in jedem Fall seinen eigenen Plan, ob er das will oder nicht und egal ob ihm das bewusst ist oder nicht. Es muss daher sichergestellt werden, dass der Hund tatsächlich den Geruch sucht bzw. einer Geruchsspur folgt und sich nicht an den bewussten oder unbewussten Signalen seines Menschen orientiert. Training beim Suchen bedeutet nie, dass der Hund das Suchen lernen muss, sondern dass trainiert wird, wie er sucht. Hier ist Feingefühl des Menschen, eine gute Beobachtungsgabe für das Ausdrucksverhalten seines Hundes und eine recht hohe Impulskontrolle des Menschen erforderlich 😊

Nasenarbeit mit dem Hund

Nasenarbeit mit dem Hund: mein Fazit

Nasenarbeit mit dem Hund ist also viel mehr als reißerische Szenen aus Filmen, rennende Hunde und rennende Menschen – und das ist auch gut so.

Wichtig ist, dass die Motivation des Hundes stets aufrechterhalten und gefördert wird. Die „Arbeit“ und der Geruch müssen etwas Positives für den Hund sein und er muss Spaß haben. Das erreicht man im Training nicht durch das Überstülpen irgendwelcher Plastiktüten mit irgendwelchen Zielgerüchen über den ganzen Hundekopf, dünne Leinen an dünnen Halsbändern oder der körperlichen und kognitiven Überforderung des Hundes. Man erreicht es durch kleinschrittigen Aufbau der einzelnen Elemente, der detaillierten Beobachtung des eigenen Hundes was seinen Leistungsstand und seine Tagesform, aber auch seine Vorlieben und Abneigungen bzgl. des Wetters oder der Umwelt betrifft.

Und das Wichtigste: Man erreicht es, wenn man als Team Spaß hat und der Weg das Ziel ist.

Möchtest Du mit Deinem Hund auch das Abenteuer Nasenarbeit erleben? Dann schau hier vorbei und melde Dich gleich an!